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Die Eltern vieler Schüler sind verunsichert (Symbolbild)

Frankfurt

"Jeder erzählt etwas anderes"- Das Losverfahren zur Schulplatz-Vergabe verunsichert viele Eltern

In Frankfurt kann ein Losverfahren darüber entscheiden, ob ein Kind von einer weiterführenden Schule aufgenommen wird oder nicht.

  • In Frankfurt sorgt ein Losverfahren für Diskussionen
  • Es geht um die Schulplatz-Vergabe
  • Die Eltern der Schüler sind verwirrt

Frankfurt -Die Eltern sind verunsichert. Und verwirrt. Denn das Losverfahren bei der Schulplatz-Vergabe an weiterführenden Schulen ist komplex. Und dadurch auch nicht ganz so leicht zu verstehen. Offenbar nicht nur für Eltern. "Es erzählt jeder etwas anderes", sagt ein Vater in der Freiherr-vom-Stein-Schule. Der Stadtelternbeirat hatte zu einer Veranstaltung zum Übergang von der vierten in die fünfte Klasse geladen. Doch nach Berichten der Eltern an diesem ausgebuchten Infoabend weiß nicht mal jeder Schulleiter genau, wie das Verfahren richtig umgesetzt wird. Geschweige denn Lehrer. Oder eben andere Eltern.

Viele Fragen drehen sich um Töpfe. Um Lostöpfe. Wann genau wer in welchen Lostopf kommt. Denn nach einer Verfügung des Staatlichen Schulamts dürfen die Schulen bei der Auswahl ihrer Fünftklässler nur noch losen - nachdem die Kriterien des Schulgesetzes angewandt wurden. 

Frankfurt: Schulplatz-Vergabe: Kriterien des Schulgesetzes

Abgesehen von Härtefällen zählen der Wunsch nach der ersten Fremdsprache und nach einem vom Kultusministerium (HKM) zertifizierten Schwerpunkt. Geschwisterkinder können bevorzugt aufgenommen werden, müssen es jedoch nicht. "Aber alle Gymnasien nehmen die Geschwisterkindregelung in Anspruch", sagt Dieter Sauerhoff vor den rund 200 Besuchern. Er ist zuständig für die Schülerlenkung im Staatlichen Schulamt Frankfurt.

Doch wann der Geschwisterbonus zum Tragen kommt, ist vielen unklar. Denn die Kriterien haben eine unterschiedliche Gewichtung. Und das Geschwisterkind steht in der Prioritätenliste bei der Vergabe ganz unten: Härtefälle werden zuerst aufgenommen. Dann Kinder, die eine besondere erste Fremdsprache wünschen - das ist alles außer Englisch - und einen vom HKM zertifizierten Schwerpunkt Musik oder Sport. Danach Kinder, die eines von beiden wollen. Erst dann folgen Geschwisterkinder.

In einer Schule, die nur Englisch als erste Fremdsprache anbietet und keinen HKM-Schwerpunkt hat, können Geschwisterkinder einfach bevorzugt aufgenommen werden. Ansonsten müssen sie genauso in den Topf für etwa die Spanischklasse wie alle anderen, die diese erste Fremdsprache an einer Schule wollen. Oder eben in den Topf für die Musikklasse.

Frankfurt: Eltern sind bei Schulplatz-Vergabe verunsichert

Es sind viele Fragen, die an diesem Abend auf Sauerhoff einprasseln. Viele Fälle und viele Lostöpfe werden aufgemacht. Die Anzahl der Kreuze bei den Fremdsprachen auf dem Anmeldebogen erregt die Gemüter. Zu viele unterschiedliche Aussagen schwirren durch Frankfurt. Richtig ist: Man darf mehr als eine Fremdsprache ankreuzen. Wem aber an einer Schule beide Fremdsprachen zusagen, sollte Prioritäten deutlich machen, sagt Sauerhoff: "Schreiben Sie es nebendran."

Es gibt auch kritische Stimmen dazu, dass nur Musik und Sport vom HKM zertifiziert werden, nicht aber die Naturwissenschaften. Eine Mutter will wissen, ob geprüft werde, dass ein Kind etwa Oboe spiele. Wird es nicht. "Wer in das Profil will, verpflichtet sich, am erweiterten Musikunterricht teilzunehmen und ein Instrument zu lernen", erläutert Dieter Sauerhoff.

Frankfurt: Das Losverfahren ist undurchsichtig für Eltern

Auch wie die Auslosung abläuft, wollen Eltern wissen. "Nach dem Sechs-Augen-Prinzip", erklärt Sauerhoff. Der Schulleiter und zwei weitere Personen sind anwesend, es wird Protokoll geführt. Neu ist, dass alle angemeldeten Schüler durchgelost werden. So ergibt sich gleich eine Reihenfolge für Nachrücker, falls ein Platz frei wird.

Eine Liste mit Schulen, an denen im vorigen Jahr noch Plätze frei waren, will Sauerhoff nicht rausrücken. "Aber in der Peripherie gibt es eher Plätze als im Zentrum, und die neu gegründeten Schulen haben in der Regel noch nicht so eine Akzeptanz." Solche Schulen seien gut als Zweitwahl geeignet.

Wenn Eltern nach einer Zuweisung aber wissen möchten, wo es noch freie Plätze gibt, dann sollen sie ihn anrufen: (069) 38 98 91 37.

Restlos aufgeklärt fühlen sich viele Eltern nach den zwei Stunden nicht. "Ich bin immer noch hochgradig verwirrt", sagt eine Mutter. "Das mit dem Geschwisterkind hab ich nicht verstanden." Da ist sie nicht die Einzige. 

VonSandra Busch


Die Änderungen hatten für Aufregungen gesorgt. Die Schulplatz-Vergabe in Frankfurt erfolgt per Los. 

Drei Jahre hatten sie gekämpft: vergebens. Der Kasseler Verwaltungsgerichtshof wies die Klage der Familie aus Frankfurt-Sachsenhausen zurück.

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