Eckhard Gathof war selbst Schüler der Gruneliusschule in Oberrad. Heute setzt er sich als Stadtelternbeirat für die Schule ein - und natürlich für alle anderen Schulen in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Vertreter der Elternschaft

Frankfurts Experte in Sachen Wunschschule: Er hilft verzweifelten Eltern weiter

Wenn dieser Tage die Familien der Viertklässlern Post vom Staatlichen Schulamt bekommen, steht bei Eckhard Gathof das Telefon nicht mehr still. Denn die Vergabe der Plätze an weiterführenden Schulen ist in Frankfurt ein schwieriges Thema. Doch auch sonst wird dem Stadtelternbeirat nicht langweilig.

Frankfurt - Nun werden wieder Eltern in der Mittagspause nach Hause fahren, nur um in den Briefkasten zu schauen. Oder früher mit der Arbeit aufhören, das Auto im Halteverbot parken und zum Briefkasten hetzen. Und dann werden sie entweder in Jubel ausbrechen. Oder in Tränen. Von heute an verschicken die weiterführenden Schulen in Frankfurt ihre Bescheide. Die Familien der Viertklässler erfahren, ob sie an einer ihrer Wunschschulen angenommen wurden. Oder eben nicht. Stadtelternbeirat Eckhard Gathof kennt die ganze Aufregung selber. Er hat sie im vergangenen Jahr gehabt. Und das Jahr davor. Erst war der Sohn, dann die Tochter im Übergang. Seine Kinder sind beide am Wunschgymnasium untergekommen. Privat kann er in diesem Jahr ganz entspannt sein. "Bei allen anderen Kindern bin ich es aber nicht", sagt er.

Als oberster Vertreter der Frankfurter Elternschaft muss man sich eben um alle sorgen. Und der Übergang in die weiterführende Schule, er ist Jahr für Jahr ein großes Thema für Eltern. 600 Schülerinnen und Schüler bekamen im vergangenen Jahr ihre Schulwünsche nicht erfüllt, wurden einer anderen Schule zugewiesen. Manche Kinder mit Gymnasialwunsch auch an Gesamtschulen umgelenkt. "Und die Zahl der Kinder wächst in der Stadt", sagt Gathof. Deshalb fragt er in fast jedem Bildungsausschuss die zuständige Dezernentin Sylvia Weber (SPD), wie es mit neuen Schulen aussieht. Immer leicht lächelnd. Doch die Frage bleibt anklagend: "Frau Weber, wo sollen die Schüler nächstes Jahr zur Schule gehen?"

Es fehlt an Haupt- und Realschulen in Frankfurt

Ging es in der Vergangenheit dabei oft um Gymnasien, treiben ihn nun die Haupt- und Realschulplätze um. "Im nächsten Jahr soll es zwei neue Gymnasien geben - das ist zu viel", sagt Gathof. Haupt- und Realschulen fehlten dagegen. Vielleicht auch noch eine Gesamtschule. Und zwar nicht nur für die Fünftklässler. "Wenn ein Kind vom Gymnasium herunter auf die Realschule muss, ist kein Platz zu finden", sagt Gathof. "Vielleicht muss man da was Neues machen und bei der Eröffnung neuer Schulen auch siebte und achte Klassen aufmachen." Denn die Abgänger vom Gymnasium würden ganze Klassen füllen. Gathof wartet nun auf den aktualisierten Schulentwicklungsplan.

Seit Anfang 2018 ist Gathof Vorsitzender des Stadtelternbeirats. Erstmals ließ er sich in der ersten Klasse seines Sohnes als Elternvertreter wählen. 2013 war das. In der Gruneliusschule in Oberrad. Dort ging schon er selbst zur Schule. Der 56-Jährige wurde in Frankfurt geboren. Und bis auf kurze Ausflüge nach München und New York hat er immer in Oberrad gelebt. "Als ich nach mehr als 40 Jahren wieder meine Grundschule betrat, sah es noch fast so aus wie damals", sagt Gathof. Das meint er natürlich nicht im nostalgisch guten Sinne: Alles war in die Jahre gekommen, und der Hof hatte weniger Fläche. Weil dort nun ein Pavillon steht. Was man eben in Frankfurt so macht, wenn der Platz im Gebäude nicht mehr für die Schüler reicht.

Die Sanierungspläne für die Schule hat er sich damals angeschaut. Weil er quasi vom Fach ist. Der Immobilienökonom berät Autohäuser, wenn etwa ein Autohersteller einen Hangar verlangt und das eine Investition in Höhe von 25 Millionen Euro fürs Autohaus bedeutet. "Dann ist die Frage, wie das am bestehenden Standort darzustellen, wie zu refinanzieren ist", sagt Gathof. "Und ob das alles überhaupt sinnvoll ist."

Die Arbeit im Elternbeirat nimmt viel Zeit in Anspruch

Sein Wissen hilft ihm als Stadtelternbeirat. Schließlich geht es in Frankfurt oft um Bauten. Neue Schulen, Sanierung, vorübergehende Schulstandorte. "Da musste ich schon oft den Kopf schütteln, wie das angegangen wird", sagt Gathof. "Eine Schule mit mehr als vier Geschossen wurde da aus Brandschutzgründen ausgeschlossen - natürlich geht das." Doch inzwischen sei das Vorgehen in der Stadt etwas besser geworden. "Auch hier wird jetzt über kreative Lösungen nachgedacht." Dass etwa über einer Schule Wohnungen gebaut werden. Doch für Gathof muss da noch viel mehr passieren. Schließlich schnappen Investoren der Stadt für den Schulbau geeignete Grundstücke weg, weil sie finanziell nicht mithalten kann. "Wenn man einen Investor aber 15 statt 6 Stockwerke bauen lässt, freundet der sich auch mit einer Schule in den unteren Geschossen an."

Sein eigentlicher Job leidet derzeit allerdings. "Und die Familie auch", sagt Gathof. Beruflich ist er schon kürzergetreten, als die Kinder auf die Welt kamen. Die Arbeit als Stadtelternbeirat nimmt mehr Zeit in Anspruch, als er dachte. "Ich ging von 20 Stunden in der Woche aus", sagt er. Faktisch hat er Termine über Termine. Lenkungsgruppen, Arbeitsgruppen, Pilotgruppen, Steuerungsgruppen. "Manchmal sind es 30 Stunden in der Woche, die ich präsent sein muss, manchmal auch 50."

Er kämpft auch gegen den Flughafen-Ausbau

Aber er findet eben: "Für Themen, die einen beschäftigen, sollte man sich einsetzen und versuchen, etwas zu ändern." Nicht nur meckern, sondern selbst etwas tun. Das hat er sich schon vor fast 20 Jahren gedacht, als er Oberbürgermeister in Frankfurt werden wollte. Er trat damals als Kandidat der Mittelstandspartei an. Er kämpfte gegen den Ausbau des Flughafens, für die bevorzugte Vergabe von Aufträgen der Stadt an Frankfurter Betriebe, gegen die Wiedereinführung des Anwohnerparkens. Gewonnen hat am Ende Petra Roth. "Es war ganz knapp", scherzt er heute. 280 Frankfurter stimmten für ihn, 92 033 für Roth.

Inzwischen treibt ihn aber nicht mehr der Ausbau des Flughafens, sondern die Frankfurter Bildungslandschaft um. Dass er sich schon Schulen anschauen musste, in denen "Stalaktiten aus abgehängten Decken wachsen". Und an der Gruneliusschule, deren Sanierungspläne er schon 2013 durchging, ist bis heute kein Bagger angerollt. Dabei sollte die Schule schon 2017 fertig sein. Das neue Amt für Bau und Immobilien von Baudezernent Jan Schneider (CDU) "funktioniert schon besser, aber eben noch nicht gut", sagt Gathof.

Die Bretter bleiben dick

Das denkt er auch vom diesjährigen Übergang. Wird besser funktionieren, aber nicht gut. Er geht davon aus, dass es zumindest im Gymnasialbereich weniger Zuweisungen geben wird. Weil Eltern zum Beispiel das bisher geschmähte Adornogymnasium freiwillig anwählen, da es von Höchst ins Westend zieht. "Aber die Bretter, die der Stadtelternbeirat bohren muss, bleiben dick", sagt Gathof. "Und das Bohren ist anstrengend." Weiterbohren wird er trotzdem.

Die weiterführenden Schulen verschicken sowohl Zu- als auch Absagen. Sie geben sie am Dienstag, 28. Mai, in die Schulpost. Bis die Briefe beim Postdienstleister und dann bei Eltern ankommen, können mehrere Tage vergehen.

Insgesamt drei Briefe erhält, wer von beiden Wunschschulen abgelehnt wird: die Absage der ersten Wunschschule, die Absage der zweiten Wunschschule, die Zuweisung an eine andere Schule.

Wer bis Freitag, 7. Juni, keinen Brief erhalten hat, kann bei seinen Wunschschulen oder beim Staatlichen Schulamt nachfragen. Vorher dürfen keine Auskünfte gegeben werden.

Wer keinen Platz an der Wunschschule erhält, sondern einer anderen Schule zugewiesen wird, kann sich bei der Wunschschule auf eine Warteliste setzen lassen, falls dort ein Platz frei wird. Zudem können Eltern Widerspruch beim Staatlichen Schulamt einlegen oder ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht anstrengen. 

sabu

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