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Die Schweizer Straße ist für alle Verkehrsteilnehmer inklusive der Parkplätze zu eng. Sie wartet schon seit Jahren auf eine sinnvolle Umgestaltung. 

Ort zum Verweilen

Die Schweizer Straße neu gedacht – Architekt skizziert Umgestaltung

Architekt Michael Landes weiß, wie man alle Verkehrsteilnehmer auf der Schweizer Straße unter einen Hut bekommen kann. Er hat jetzt einen Vorschlag skizziert. 

Michael Landes (71) ist Sachsenhäuser, von Geburt an. Sein Stadtteil liegt ihm am Herzen. Und er regt sich auf: "Der Schweizer Platz ist eine Katastrophe." Die Katastrophe hat der Architekt über die Jahre fotografisch dokumentiert: Dort wuchern Straßenschilder, die keiner braucht. Kaputte Holzbänke. Die Bäume, alle uneinheitlich gepflanzt: Manche sind in viereckige Kiespflaster eingefasst, andere mit Kopfsteinpflaster ummauert, mal rund, mal quadratisch. 

Ein Kiosk breitet sich mit Kühlschränken immer weiter aus. Und die Straßenlaternen "sind hässlich und nehmen Platz weg", findet Landes und fügt an: "In Italien oder Frankreich würden die Menschen den Anblick dieses Platzes nicht aushalten. Aber hier in Deutschland nimmt man das Chaos hin", sagt er und schüttelt den Kopf.

Das Chaos auf der Schweizer Straße beseitigen – Einbahnstraße vom Main kommend?

Und weil ihm Sachsenhausen wichtig ist, hat Landes einen Entwurf skizziert. Vorbilder gibt es genügend. Nicht nur im europäischen Süden seien Plätze und Straßen schöner und besser geplant als in Frankfurt. Auch in deutschen Städten wie Freiburg und Augsburg seien "wunderbare Lösungen" gefunden worden, ästhetisch ansprechend und funktional obendrein.

Genauso einfach sei es, die Straßenführung auf der Schweizer Straße zu erneuern, meint Landes. Ebendies ist ja das Anliegen des städtebaulichen Wettbewerbs, den die Stadt im nächsten Jahr ausschreiben will, um die Ideen der Initiative Radentscheid auf der Schweizer Straße umzusetzen. "Es braucht aber keinen Wettbewerb", sagt Landes, "das dauert zu lange und kostet zu viel Geld."

Drum lautet sein Vorschlag, der bei der Stadt bekannt sei, die Straße wie folgt umzugestalten: Die Tramgleise in der Mitte bleiben, wie sie sind. Der Straßenraum, wo sich jetzt die Parkplätze entlang der Straße in Richtung Main aufreihen, würde zum Fahrradweg umfunktioniert. Der verliefe auf dieser Spur in beide Fahrtrichtungen, ähnlich wie am Mainufer.

Die Straße könnte so aussehen: Fahrradweg (rot), Straßenbahngleise und eine Autospur mit Haltebuchten für Kurzzeitparker.

Der Architekt hält nichts davon, dass die Straße komplett autofrei wird. "Das geht nicht. Sie müssen da mit dem Auto durchkommen, alles andere ergibt keinen Sinn." Sein Vorschlag: Die Schweizer wird zur Einbahnstraße vom Main kommend Richtung Süden (siehe Grafik). Die Parkplätze müssten auf beiden Seiten weichen, auch auf der stadtauswärts führenden Seite. Es soll aber mehrere Halte-Buchten geben, "für Leute, die mit dem Auto kommen und einkaufen. Das ist wichtig auf der Schweizer Straße." Der Gegenverkehr, der bisher stadteinwärts auf der Schweizer fährt, solle über die Darmstädter Landstraße und die Elisabethenstraße fahren, schlägt Landes vor.

Städte im Wandel: Wie sich die Schweizer Straße zum Besseren verändert – und was Anrainer trotzdem stört

Was seiner Meinung nach auch weichen müsste, ist der unschöne Schilderwald. Halteverbotsschilder könnten durch Markierungen am Boden ersetzt werden. Architekt Landes hatte im vergangenen Jahr seinen Entwurf in der Ausstellung "Fahr Rad - die Rückeroberung der Stadt" im Deutschen Architekturmuseum vorgestellt. Dort hatten mehrere Architekten Entwürfe für die Schweizer Straße eingebracht. 2011 hatte Landes am selben Ort ein neues Konzept für den Schweizer Platz vorgestellt. Dieser könnte wieder zum "Shared Space" werden - die moderne Bezeichnung eines Straßenraums, den sich verschiedene Nutzer teilen.

Schweizer Platz soll Ort zum Verweilen werden 

Als der Schweizer Platz um die Jahrhundertwende nach Pariser Vorbild gebaut wurde, fuhr die Straßenbahn bereits über den Platz. Die Fläche war zugleich für andere Fahrzeuge und Fußgänger vorgesehen und es gab Bänke zum Sitzen. Bis Ende der 70er Jahre befand sich die Trambahn-Haltestelle in der Mitte des Platzes. Deshalb wurde er von Passanten mehr genutzt.

Nach dem Konzept des Shared Space bauen heute viele Städte ihren Straßenraum um. Vorbild wäre, ähnlich wie in Augsburg, ein helles Pflaster aus Natursteinen. In der Schweizer Straße könnte es großflächig auf dem Bürgersteig und im Bereich der Haltebuchten liegen. Denn dort, wo jetzt Autos parken, wäre mehr Fläche für Fußgänger, für eine zurückhaltende Bepflanzung und für Sitzbänke möglich.

"Ich möchte eine Schweizer Straße als Ort bauen, an dem man sich gerne aufhält und der nicht nur eine Durchgangsstation ist", erklärt der Architekt. Gleiches würde dem Schweizer Platz gut tun, meint Landes. Auf dem äußeren Ring sollen Verkehrsschilder, Blumenkübel, festgeschraubte Holzbänke und Straßenlaternen entfernt werden.

Statt dessen könnten mobile Sitzgelegenheiten für ein schöneren Anblick und mehr Aufenthaltsqualität sorgen, auch auf dem inneren Ring - so wie auf dem Opernplatz in Zürich. Dort stehen mobile Stühle, immer zwei sind am Fuß aneinander gekettet. Die Beleuchtung könnte von oben kommen: Lampen werden per Kabel von den Häusern aus über den Platz gespannt. "Somit wäre man die wuchtigen Laternen endlich los."

Von Stefanie Wehr

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