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Die Schlangen an der Rutsche im Rebstockbad sind länger geworden - und zuweilen geht's auf der Rutsche turbulenter zu, als den Bademeistern lieb ist. Aber ernsthaften Grund zu klagen haben auch sie nicht, obwohl der Eintritt für Kinder bis 14 Jahre nun kostenlos ist.

Positive Bilanz

Schwimmbäder in Frankfurt: Freier Eintritt für Kinder ein voller Erfolg

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Die gute Nachricht überrascht nicht: Die Frankfurter nutzen den freien Schwimmbad-Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren mit Vergnügen. Die noch bessere Nachricht: Die allermeisten Gruppen von Pubertierenden, die neuerdings vermehrt auftauchen, verhalten sich manierlich. Vorfälle in anderen Städten ließen Schlimmeres befürchten.

Frankfurt - Die Sache sei ein Erfolg. Sagt Frank Müller, der Leiter der Frankfurter Bäderbetriebe. Die Sache mache keinerlei Probleme, sagt Rico Curia, Schichtleiter im Eschersheimer Freibad. Die Sache, gemeint ist der freie Schwimmbad-Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre, sei toll. Das sagt eine türkische Mutter, die an diesem Vormittag von ihrer Wohnung im nahen Heddernheim hinübergekommen ist ins "Eschersheimer" neben der Nidda. Drei Kinder hat sie und war in diesem Sommer bestimmt schon zehnmal da, schätzt sie.

Ihre Bekannte, auch sie dreifache Mutter, nickt. "Man spart viel Geld", sagt sie. 3,30 Euro kostete der Eintritt noch im vergangenen Sommer pro Kind. Wer also nur zweimal pro Woche kommt, spart mit drei Kindern fast 20 Euro pro Woche, über den ganzen Sommer gerechnet gut 400 Euro. Darüber freuen sich auch die Pächter der Imbisse und Kioske. "Es wird mehr Eis gekauft", sagt die junge Frau hinterm Tresen.

Schwimmbäder in Frankfurt: Mehr Cliquen als vorher

Mehr als "nur" zweimal die Woche kommen viele Jungen und Mädchen ab zehn Jahren, also jene, die ohne erwachsene Begleitung ins Schwimmbad dürfen. Und viel häufiger als in den Jahren zuvor beobachtet Bademeister Curia im "Eschersheimer" ganze Gruppen von Pubertierenden. Und klar: Die Bäder waren gerade auf sie vorbereitet - vor allem auch auf solche Gruppen, die sich ungern etwas sagen oder gar maßregeln lassen. "Typisch für dieses Alter", sagt Curia.

An manchen Tagen lässt er Verstärkung kommen, Rettungsschwimmer von einer Zeitarbeitsfirma und vor allem auch Sicherheitspersonal. Überall in Frankfurt entschärfen sie so die Spitzenzeiten. "Deshalb ist bislang alles gut gegangen", sagt Bäder-Chef Müller. Wie es nicht gut gehen kann, war unlängst in Freibädern in Nordrhein-Westfalen und Berlin zu erleben, wo Cliquen Halbstarker andere Badegäste belästigten, gefährdeten und auf Beschwerden handgreiflich geworden sind - in einem Fall massiv gegen einen Familienvater. Von "Schwimmbad-Ausschreitungen" schrieben die lokalen Zeitungen. "Da wissen sich die Kollegen nicht mehr zu helfen", sagt Rico Curia, der seit fünf Jahren, seit seiner Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe, wie es offiziell heißt, im "Eschersheimer" arbeitet.

Dort kann er nun, da die Sommersaison gut zur Hälfte vorüber ist, durchweg eine positive Bilanz zum freien Eintritt ziehen. "Die Chaoten, die sich daneben benehmen und die wir zur Ordnung rufen müssen, gab es schon immer", sagt er, "die sind nicht viel mehr geworden."

Zur positiven Bilanz gehört auch, dass das "Eschersheimer" genauso wie die anderen Freibäder bislang noch nicht an seine Grenzen gestoßen ist. Gut 10 000 Gäste zur gleichen Zeit kann das Freibad verkraften. Am bisherigen Spitzentag der Saison, am Sonntag vor den Schulferien, lagen über den Tag verteilt 9900 Menschen auf den weiten Wiesen, tummelten sich im Becken oder sausten die breite Wasserrutsche hinab. Aktuell sind es im Schnitt 3000 bis 4000 täglich, wenig angesichts der Hitze. "Dass die großen U-Bahnlinien ausfallen, macht sich bemerkbar", sagt Curia.

Schwimmbäder: "Wie erziehen hier auch"

So war vor den Schulferien eher mehr los als jetzt. Bis zum 30. Juni zählte die Stadt in allen Bädern insgesamt 1,54 Millionen Besucher, gut 94 000 mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres und insgesamt ungefähr 20 Prozent mehr unter 15-Jährige als 2018. Vor allem dort, wo es Rutschen gibt, sorgt diese Jugendoffensive mitunter für Staus. So berichtet eine Mutter im Stadionbad, das ihre Kleinkinder neuerdings auskühlten, weil sie zwischen zwei Rutschpartien zu lange warten müssten.

Und im Rebstockbad setzt Schichtleiter Johannes Handy zuweilen einen Extra-Aufpasser an der langen Röhrenrutsche ein, weil im Gedränge und Gedrängel Ton und Umgang rauer würden. "Wir übernehmen hier bei manchen die Erziehung", erläutert er. Unlängst sei ein Zweijähriger ohne Schwimmflügel am tiefen Becken entlang gerannt, die Eltern hätten seelenruhig abseits gesessen.

Klar, sagt Handy, solcherlei habe sich auch schon vor dem 1. Februar abgespielt. Aber seither seien eben schon mehr Jugendgruppen und kinderreiche Familien da, die sich regelmäßige Schwimmbadbesuche vorher nicht leisten konnten oder wollten. Da mangele es an Erfahrung.

Für die Bademeister bedeutet das, besonders gut hinzuschauen. Mit dem freien Eintritt kommen auch Kinder in die Bäder, die nicht gut oder gar nicht schwimmen können, ältere Kinder auch. Statistiken der DLRG weisen auf 60 Prozent hin, die Bademeister machen entsprechende Beobachtungen. Nach den Sommerferien will die Stadt in Schulklassen offensiv für Schwimmunterricht und Schwimmvereine werben. "Schwimmen sollte so normal sein wie Fahrradfahren", sagt Bäder-Chef Müller. Der freie Eintritt könne auch dazu einen Beitrag leisten.

Online können sich unter 15-Jährige die Junior-Bäder-Karte bestellen. Ein Vorteil: Man muss den Ausweis nicht vorzeigen und erspart sich Warterei vor Kassenschlangen: www.frankfurter-baeder.de

Kommentar von Marc Obert

Da haben die jungen Frankfurter und jungen Familien doch mal richtig Spaß, ohne dass er sie etwas kostet. Und schön, dass sie anderen den Spaß nicht verderben. Ein wenig bangten die Bademeister der Stadt schon angesichts des freien Eintritts für unter 15-Jährige in die Schwimmbäder. Aber auch dank der verstärkt eingesetzten Sicherheitsleute und Rettungsschwimmer läuft (fast) alles reibungslos ab. Auch die Sorge, die Schwimmbäder müssten öfter die Tore schließen, weil sie überfüllt sind, bewahrheitet sich nur selten. Nur vorm Rebstockbad, bei Jugendlichen besonders beliebt wegen seiner Röhrenrutsche und dem Sprungbecken, mussten Leute schon mal länger ausharren. Und was kostet der Spaß? Etwas mehr als eine Million Euro pro Jahr, schätzen die Bäderbetriebe. Ihr Chef Frank Müller sieht's als Investition in die Zukunft. Die jungen Gäste von heute sind die zahlenden Gäste von morgen. Angesichts wachsender und attraktiver Konkurrenz im Umland leuchtet der strategische Gedanke ein.

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