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Immer weniger Kinder in Frankfurt können schwimmen – Corona verstärkt das Problem

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Von: Michelle Spillner

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Bademeister Frederik Leiser hat das Schwimmerbecken im Hausener Freibad im Blick.
Als Folge der Corona-Pandemie können immer weniger Kinder richtig schwimmen. Der Trend alarmiert. © Enrico Sauda

In der Region läuft gerade die Freibadsaison an. Die sommerlichen Temperaturen locken ins Nass. Doch immer weniger Kinder in Frankfurt können schwimmen.

Frankfurt – Man braucht in Frankfurt einen langen Atem, wenn man schwimmen lernen möchte – nicht erst, wenn man ins Wasser eintaucht, sondern schon, wenn es darum geht, an einem Schwimmkurs teilnehmen zu können. Wegen der Corona-Pandemie konnten Schwimmkurse gut eineinhalb Jahre gar nicht und dann mit nur reduzierten Teilnehmerzahlen durchgeführt werden.

Die Zahl derer, die Schwimmen lernen möchten – vor allem Kinder – staut sich. Die Wartelisten der Anbieter von Schwimmkursen werden immer länger, und die Schlangen bei den Anmeldeterminen auch.

Frankfurt: Schwimmkurs-Anmeldungen reichen schon bis ins Jahr 2024

Vor der Geschäftsstelle des Ersten Frankfurter Schwimmclubs (EFSC) in der Rhönstraße hatte sich am 24. März um 7 Uhr – eine Stunde vor Büroöffnung – zur Anmeldung für Kurse bereits eine Schlange von 200 Metern gebildet. „Sonst sind es um diese Zeit vielleicht 10, 15 Interessenten“, schildert Michael Ulmer, Sportlicher Leiter des EFSC.

Insgesamt 400 bis 500 Interessenten hätten sich schließlich auf einer Länge von fast einem Kilometer angestellt, schätzt er, so viele wie noch nie. „Es waren viele da, die mehrere Stunden gewartet haben und dann riesig enttäuscht waren, dass sie keinen Schwimmkurs bekommen haben und nur auf die Wartelisten genommen werden konnten“, bedauert er. Mehr als 1000 Teilnehmer seien an diesem Tag eingebucht worden. Die anderen können nachrücken, wenn jemand absagt.

Der Höchster Schwimmverein hat bereits Anmeldungen bis ins Jahr 2024 angenommen, berichtet Werner Ofer. Auch auf die Kurse der Bäder-Betriebe Frankfurt gibt es einen Ansturm, so der Geschäftsführer Boris Zielinski. Dabei hätten die Bäderbetriebe schnell reagiert und die Bäder umgehend wieder geöffnet, als die Pandemiebedingungen es zuließen, „trotzdem haben wir Schulklassen, die überhaupt kein Schulschwimmen hatten“. Und auch Rainer Schwebs, Ausbilder und Leiter der Ausbildung der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG, Bezirk Frankfurt, bestätigt, dass „die Nachfrage enorm ist“ und verweist darauf, dass man auch schon vor der Pandemie schon mit Wartelisten habe arbeiten müssen.

Schulklassen in Frankfurt ohne Schwimmunterricht, weil Bäder fehlen

Der Höchster Schwimmverein hat unter anderem die Kurslängen etwas verkürzt, auf eine Dauer, innerhalb der die meisten es schaffen. „Und wenn zwei eines Kurses am Ende nicht schwimmen können, dann bleiben sie noch eine Runde, aber wir können schon wieder zehn aufnehmen“, schildert Ofer.

Der EFSC versucht, mit Oster- und Sommerferienkursen außer der Reihe den Nachfragestau abzubauen. 1700 Personen nehmen aktuell an den Schwimmkursen teil. Personell ist der Verein mit zwölf Angestellten, drei Auszubildenden und 25 Personen im Trainerstamm so gut aufgestellt, "dass wir das Doppelte, 3400 Kursplätze, vergeben könnten", so Ulmer. Aber es fehlt – allen Anbietern – an Wasserflächen. Das heißt: Die Frankfurter Schwimmbäder sind – im Rahmen ihrer Nutzbarkeit – ausgelastet, weshalb Schwimmunterricht weniger stattfinden kann.

Diese Situation hat sich durch den Abriss des Rebstockbades noch verschärft. Und es müsste so nicht sein, so Ulmer, wenn man handeln würde: Defekte Bäder reparieren und den Schwimmvereinen die Nutzung der Schulschwimmbäder ermöglichen. Der Mangel an Wasserfläche führe zu einer höchst unbefriedigenden Situation. „Mit mehr räumlicher Kapazität könnten wir den Bedarf decken“, ärgert sich Ulmer.

Experten rechnen mit mehr Badeunfällen in Frankfurt wegen steigender Zahl Nichtschwimmer

Leidtragende sind vor allem die Kinder und die Eltern der Nichtschwimmer, die doppelt gut auf sie aufpassen müssen, wenn sie mit ihnen am Wasser sind. Bedingt durch die Pandemie wurde und wird mit mehr Badeunfällen. Doch da überraschen die Zahlen der DLRG: 2021 sind bundesweit 299 Menschen ertrunken und damit 79 weniger als im Jahr zuvor, obwohl es da schon eine Lücke in der Schwimmausbildung gab. Das ist der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000. Zurückgeführt wird diese Entwicklung darauf, dass seltener Schwimmen gegangen wurde oder dass die Menschen umsichtiger seien.

Aber können die Kinder nicht auch ohne Kurs schwimmen lernen? „Sie brauchen einen professionellen Partner“, ist Boris Zielinski überzeugt. Natürlich könnten die Eltern es selbst probieren, „aber dann gewöhnen sich die Kinder vielleicht eine falsche Technik oder Atemtechnik an“ räumt Rainer Schwebs ein.

Aber die Eltern können auch dabei mithelfen, die Kursdauer zu verkürzen: Die Kinder schon mal ans Wasser gewöhnen und mit ihnen die Baderegeln lernen, die abgefragt werden, würde sich Werner Ofer wünschen. Und „ihnen auch erklären, dass man vor dem Baden duscht, nicht weil man schmutzig ist, sondern damit der Körper sich akklimatisiert“. (Michelle Spillner)

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