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Noch herrscht Ruhe vor dem Tagesansturm: So haben es Rico Curia und seine Kollegen am liebsten.

Schwimmbad

Frankfurter Schwimmmeister beklagt mangelnden Respekt

Die letzte Ferienwoche beginnt, und im Freibad Eschersheim hofft Rico Curia auf viele Gäste und keine Probleme.

Frankfurt - An diesem Vormittag ist der Ansturm im Freibad Eschersheim überschaubar. "Wenn das Wetter wie heute ist - bewölkt und regnerisch -, dann kommen nicht so viele Menschen ins Bad", sagt Rico Curia. Der 26-Jährige ist Schichtleiter im Freibad, das direkt an der Nidda liegt. Er weiß, dass die Besucherzahlen in den Bädern stark vom Wetter abhängen. "Oft kann man es vorher erahnen, aber auf die Wettervorhersagen kann man sich auch nicht immer verlassen." An guten Tagen kämen zwischen 3000 und 4000 Menschen ins Eschersheimer Bad. Der Rekord in dieser Saison lag bei 9900. "Das war ein Sonntag", erinnert sich Curia noch.

Schwimmbäder in Frankfurt: Als Bademeister wird es nicht langweilig

Der 26-jährige Frankfurter wohnt in Griesheim und ist seit 2013 im Freibad Eschersheim. Zumindest im Sommer, im Winter ist er im Panoramabad in Bornheim tätig. 2010 hat Curia eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe gemacht. Deswegen ist der 26-Jährige eher der Mann im Hintergrund. Als Schichtleiter sei es an ihm, sich um die Technik, Grünflächen und Bestellungen zu kümmern. "Hinzu kommt noch die Büroarbeit."

Dass es für ihn mal in den Badebetrieb gehen soll, sei Curia in der achten Klasse bewusst geworden. Damals machte er ein Praktikum im Panoramabad. Alles, was er danach ausprobierte, habe ihm nicht so sehr gefallen, wie die Arbeit im Bad. Am meisten liebe er die Vielseitigkeit seines Berufs. "Ich komme mit den Menschen in Kontakt, kümmere mich darum, dass alles funktioniert. Wenn der Betrieb läuft, habe ich alles richtig gemacht", sagt der 26-Jährige. Wenn nötig, helfe er auch mal an der Kasse oder als Schwimmmeister am Beckenrand aus. Jeder Tag sei anders, und er habe nie Langeweile.

Als Kind ist Rico Curia ins Rebstockbad oder im Sommer ins Silobad gegangen. "Die waren für mich einfach am nächsten." Als Bub habe er sich aber noch keine Gedanken darüber gemacht, ob er später einmal selbst Teil des Teams im Bad werden solle.

Schwimmbad: Rebstockbad und Silobad sind seine Lieblingsbäder

Doch das bereits erwähnte Praktikum änderte die Sicht - und weckte auch seine Liebe zum Eschersheimer Freibad. "Seitdem ich das erste Mal hier war, gefällt es mir. Die Kollegen am Beckenrand waren immer nett, und auch die Badegäste sind nett." Wenn man Zeit habe, unterhalte man sich mit ihnen, und jeder grüße freundlich. Auch die Lage an der Nidda und das Angebot mit viel Liegefläche, Rutschen, Volleyballstrand und Tischtennismöglichkeit gefallen Curia. "Schon früher habe ich immer gedacht: 'Hier gibt es nichts, was noch fehlt.'"

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Aber der Schichtleiter verschweigt auch nicht die andere Seite. "Klar haben wir hier auch manchmal Chaoten." Aber bei Tausenden Gästen sei das nur ein Bruchteil. Meistens seien es Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die sich danebenbenehmen und sich nichts sagen lassen wollen. "Der Respekt nimmt ab", konstatiert Curia. In der Regel greifen die Angestellten selbst durch und verweisen Rabauken des Bades. "Die haben dann einen Tag Hausverbot und können drüber nachdenken, was sie falsch gemacht haben." 

In ganz seltenen Fällen rufe man auch die Polizei, etwa wenn Mädchen unter den Störenfrieden sind. Man wolle sich nicht nachsagen lassen, dass man sie angefasst habe. So schlimm wie die Situation in anderen Bädern sei es in Frankfurt aber nicht. Die Randalen in Nordrhein-Westfalen seien noch mal von anderem Kaliber. "Dagegen ist es bei uns harmlos." In Eschersheim gebe es an vollen Tagen viel Personal und Sicherheitskräfte.

Schwimmbad-Besuch besser als 2018

Ein erstes Fazit vom Sommer kann Curia bereits ziehen. Der heiße Juni sei besser besucht als der 2018 gewesen. Im Juli sei es dann eher schwächer als im Vorjahr gewesen. "Ich hoffe jetzt auf den August." Falls es dort wieder tagelang warm bliebe, würden die Leute auch wieder in die Freibäder strömen. Besondere Schwankungen durch die Ferien gab es in Eschersheim nicht. Was der 26-Jährige in der Ferienzeit bemerkt habe, sei die Sperrung der U-Bahn-Strecke. "Das merken wir schon an den Gästezahlen."

Der seit einiger Zeit eingeführte freie Eintritt in den Frankfurter Bädern für Jugendliche bis 14 Jahren habe den Alltag der Mitarbeiter nicht chaotischer gemacht. "Es ist nicht schlimmer geworden", sagt Curia. Es kämen zwar vermehrt Familien mit vier oder fünf Kindern sowie auch Gruppen von Jugendlichen, die gemeinsam kostenlos ins Bad gehen. Aber der Zuwachs sei gut zu bewältigen. Dass Kinder oder auch Erwachsene manchmal nicht richtig schwimmen können, beobachte der 26-Jährige zwar durchaus, aber ertrunken sei in den vergangenen Jahren zum Glück niemand. "Am häufigsten gibt es Verletzungen", sagt der Griesheimer. Schürfwunden oder Beulen gelte es regelmäßig zu behandeln. Am häufigsten seien es aber Bienenstiche, "Wenn es richtig voll ist, müssen die Kollegen vom Erste-Hilfe-Raum manchmal alle paar Minuten raus und helfen."

Schwimmbad: Beine ins Becken

Und wenn das Eschersheimer Bad am Ende des Tages um 20 Uhr schließt? Früher sei er dann nach Feierabend durchaus selbst noch eine Runde geschwommen. "Nach einem heißen Tag tauche ich heute eher die Beine ins Becken und genieße eine kalte Cola."

von Steven Miksch

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