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Kalle Kröber, Bonny Fischer und Heinz Göppner (von links) wollen, dass die Heinz-Herbert-Karry-Straße komplett Tempo-30-Zone wird und nicht erst kurz vor der Fußgängerampel. Die Stadt sah das anders.

30 statt 50 km/h gefordert 

Seckbach: Tempo 30 ab der Autobahn? Stadt reagiert auf Forderung der Anwohner

Bergab führt die breite Heinz-Herbert-Karry-Straße nach Seckbach hinein, bevor sie in die enge Wilhelmshöher Straße übergeht. Weil Autofahrer die Gefahr oft unterschätzen, wollen Ortsbeirat und Anwohner hier Tempo 30.

Frankfurt-Seckbach - Schön breit ist die Heinz-Herbert-Karry-Straße dort, wo die Autofahrer von Bornheim über die A 661 kommen und nach Seckbach hineinfahren. "Hier geht es bergab, das unterschätzen viele Autofahrer", sagt Bonnie Fischer, eine Sprecherin des Arbeitskreis (AK) Wilhelmshöher Straße, die hier wohnt. "Manche kommen mit Tempo 70 hier entlang und schätzen völlig falsch ein, wie lang der Bremsweg vor der Fußgängerampel wird." 

Seckbach: Anwohner sehen Schüler gefährdet 

Dann kommt es schon mal vor, dass ein Fahrzeuglenker nicht mehr anhalten kann, wenn die Ampel rot ist, ergänzt ihr Nachbar, Heinz Göppner. "Sie scheren links aus, wenn sie merken, dass der Platz nicht reicht, überholen die vor der Ampel wartenden Autos und fahren einfach bei Rot durch."

Wenig Verständnis haben sie und Kalle Kröber, ebenfalls ein Sprecher des AK Wilhelmshöher Straße, dafür, dass die Stadt einen Antrag des Ortsbeirats 11, die ganze Straße entlang Tempo 30 anzuordnen - vom Abzweig in die Arolser Straße bis zur Autobahn - abgelehnt hat. 

Im unteren Teil gelte Tempo 30, Richtung Wilhelmshöher Straße, gelte Tempo 30, um "Fahrzeuge (...) rechtzeitig vor den folgenden engeren und teilweise schlechten Straßenverhältnissen im weiteren Verlauf auszubremsen", hieß es in der Stellungnahme aus dem Römer.

Stadt Frankfurt: Rechtliche Probleme 

Die Karry-Straße selbst sei mindestens sechs Meter breit, sie führe nicht an Schulen und ähnlichen Einrichtungen vorbei, deren Nutzer oder Bewohner "durch eine Senkung des Tempos besonders geschützt werden müssen".

So einfach sei das aber nicht, sagt Fischer. "Der Überweg an der Fußgängerampel wird auch von vielen Schülern der Friedrich-Ebert-Schule genutzt." Eine Gesamtschule mit rund 650 Schülern, von denen, wie Kröber sagt, "die allermeisten nicht im Stadtteil leben und somit mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen". Zudem sei die Ampel hier der einzige sichere Übergang über die vielbefahrene Straße.

Auch die große Kreuzung am Ostende der Heinz-Herbert-Karry-Straße sei gefährlich, weil sie unübersichtlich sei, sagt Göppner. Hier wird die Karry-Straße in einer bergab führenden Kurve nicht nur zur Wilhelmshöher Straße, sondern auch die Arolser zweigt hier schräg bergauf ab. 

Außerdem münden die schmale Eschweger Straße, eine Wohnstraße und der früher nach Bornheim führende Teil der Wilhelmshöher Straße - heute eine Sackgasse - hier auf Seckbachs Hauptstraße, erklärt Fischer. 

Da reiche es nicht aus, erst kurz vor der Fußgängerampel den bergab auf die Kreuzung zurollenden Verkehr mit Tempo 30 auszubremsen: Das müsse bereits an der Autobahn geschehen.

"StVO ist unsere Arbeitsvorschrift"

Ganz so einfach ist das nicht, erklärt Dorothee Allekotte, die Leiterin der Abteilung Verkehrsangelegenheiten im Straßenverkehrsamt. "Die Regelgeschwindigkeit beträgt innerorts 50 Stundenkilometer." Um etwas anderes anzuordnen, bedürfe es besonderer Umstände, etwa wenn an einer Stelle ein Unfallschwerpunkt bestehe. 

Geregelt sei dies in Paragraf 45, Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung (StVO). "Und die StVO ist unsere absolut geltende Arbeitsvorschrift." 

Da helfe auch nicht das Argument der Anwohner, dass in der Nähe ja eine Schule sei: Tempo 30 könne nur direkt vor dem Eingang zur Schule angeordnet werden - und der sei in der Arolser Straße. Und der Übergang der Schüler über die Heinz-Herbert-Karry-Straße sei ja durch eine Ampel gesichert.  Von Andreas Haupt 

Mehr Infos zu Seckbach: Die Polizei hat in Frankfurt ein Drogennest ausgehoben. Aber dabei blieb es noch lange nicht. Nicht zum ersten Mal hat ein Lastwagen den Erker im Obergeschoss des Café Wilhelmshöher gerammt. Doch noch nie wurde ein so großes Stück aus der Fassadenverkleidung gerissen.

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