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Tieftraurig aber kämpferisch: Antonjos Mutter fordert vor laufenden Kameras Gerechtigkeit und Aufklärung.

Trägt jemand Schuld am Tod Antonjos?

Kita-Unfall: Schwere Vorwürfe der Mutter - „Diese Leute müssen bezahlen“

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Es wird wenig gesprochen auf dem Aztelbergplatz am Tag nach dem Unglück. Große Trauer herrscht und Ungewissheit: Was ist geschehen in der Kita? Ein schwerer Verdacht breitet sich aus.

Frankfurt - Eine Schlange hat sich vor dem kleinen Tisch gebildet, auf dem Antonjos Fotos steht. Nett sieht er aus, in seinem weißen Hemd und der schwarzen Hose. Fröhlich grinst er in die Kamera. Fast 100 Menschen sind zu der Trauerfeier für den Sechsjährigen gekommen, der am Dienstag starb. Die Todesursache war möglicherweise ein Stromschlag im nahen Kinderzentrum Atzelbergstraße - Einzelheiten müssen eine Obduktion und die Ermittlungen der Polizei noch klären.

Einige Menschen stellen Grablichter auf im Gedenken an Antonio, andere legen Blumen nieder, die Stimmung ist gedrückt. Fast jeder hier kannte den kleinen, quirligen Jungen, der gerne auf dem Atzelberg Fußball spielte, wie die Mutter eines Kindergarten-Freundes Antonio beschreibt.

Junge stirbt in Kita Frankfurt: Mutter erhebt schwere Vorwürfe

Von Freundinnen umringt, nimmt Antonjos Mutter die Beileidsbekundungen und tröstenden Umarmungen entgegen. Dann tritt sie gefasst vor die Kameras der beiden Fernsehteams, die gekommen sind. "Ich habe keine Worte, denn mein Herz ist kaputt", sagt sie. Ihr toter Sohn gebe ihr Kraft, "denn mein Kind war ein sehr starkes Kind". Sie habe noch ein Kind, um das sie sich kümmern müsse. "Das Leben geht weiter."

Sie erzählt, wie sie Antonjo am Dienstag im Kindergarten abholte und dass er beim Abholen stets mit ihr Verstecken spielte. An diesem Tag hatte er sich hinter einem Schuhschrank versteckt. Plötzlich sprang er auf sie zu, völlig "elektrisiert" sei der Junge gewesen. Sie habe ihn hingelegt, ein Krankenwagen sei gekommen - anderthalb Stunden später war der Junge tot.

Tödlicher Unfall in Kita in Frankfurt: Stromkabel? Lichtblitz?

Hinter besagtem Schuhschrank habe eine Steckdose aus der Wand gehangen, die Kabel waren sichtbar. Der Vater eines anderen Kindes habe einen blauen Lichtblitz gesehen. "Vielleicht kam Antonjo mit dem Fuß an die Steckdose?" Sie habe die Kita-Leiterin auf die kaputte Steckdose angesprochen und die habe erwidert, die Sanierung sei wohl noch nicht beendet. Wütend sei sie, sagt Antonjos Mutter: "Wie kann man einen Kindergarten wieder eröffnen, wenn die Steckdosen noch nicht fertig sind?"

Auf Trauer-Tisch und Fensterbrett stellen Nachbarn und Freunde Kerzen ab.

Das Bildungsdezernat, zu dem auch der Eigenbetrieb Kita Frankfurt gehört, berichtet es so: Die Elektroarbeiten seien abgeschlossen und auch abgenommen gewesen, sagt Dezernatssprecher Jan Pasternack. Näheres würden die Obduktion und die polizeilichen Untersuchungen ergeben.

Kindergarten in Frankfurt: Trägt jemand Schuld am Tod Antonjos?

"Diese Leute müssen bezahlen", sagt Antonjos Mutter derweil auf dem Atzelbergplatz in die Kameras - und meint damit jene, die für die lose Steckdose und den Tod ihres Sohnes verantwortlich seien: Die Kita, die Stadt, die Arbeiter. Einige Frauen um sie herum nicken. Als die Kameras aus sind, kehrt wieder Ruhe ein auf dem Atzelbergplatz. Mit Tränen in den Augen sitzt Antonjos Oma auf einer Bank, eine Frau umarmt sie sanft. Viel geredet wird nicht. "Fassungslos" sei sie, sagt eine ältere Dame, "so unnötig" sei Antonjos Tod. Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD) ergreift das Wort, auch wenn er als Seckbacher eigentlich "privat" hier sei, und wünscht der Familie "viel Kraft". Alle seien tief betroffen, "wir fühlen alle mit Ihnen."

Junge (6) kommt in Seckbacher Kita ums Leben: Bilder

In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
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In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
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In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben.
In Frankfurt kommt ein Junge in einer Seckbacher Kita ums Leben. © Hamerski

Nur 100 Meter weiter ist es am Kinderzentrum Atzelbergstraße sehr ruhig. Die Spurensicherung durch die Polizei ist abgeschlossen. Vor dem Eingang steht ein Foto, daneben Grabkerzen, Blumensträuße liegen hier und ein kleiner Teddy. Drinnen wird kurz nach 16 Uhr gearbeitet: Zwar hat die Berufsgenossenschaft die Kita für sicher erklärt. Trotzdem prüfen Elektriker noch einmal jede einzelne Steckdose, sagt Pasternack. Damit auch garantiert alles sicher ist.

In Frankfurt stirbt ein Kind in einer Kita. Die Stadtpolitiker reagieren zögerlich. Das Schweigen der Stadt Frankfurt ist ein Skandal. 

Von Andreas Haupt

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