Suchte erneut eine neue Bleibe für ihre drei Ziegen: Dina Appelbaum.	foto: rüffer
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Suchte erneut eine neue Bleibe für ihre drei Ziegen: Dina Appelbaum. foto: rüffer

Frankfurt

Gelände muss geräumt werden: "Die Ziegen sollen nicht im Kochtopf landen"

  • vonSabine Schramek
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Die Ziegen Frau Rauscher, Bembel und Hannah müssen ihr Paradies im Seckbacher Ried verlassen – und suchen nun ein neues Zuhause.

Frankfurt - Vor neun Jahren hat die Obere Naturschutzbehörde das Gebiet zwischen dem Seckbacher Ried und der Vilbeler Landstraße in Frankfurt als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) ausgewiesen. Alles, was sich Bürger und Stiftungen auf ihren Grundstücken aufgebaut und eingerichtet haben, muss jetzt weichen. Auch ihre Tiere. Verzweifelt suchen drei fröhliche Ziegen ein neues Zuhause, in dem sie glücklich alt werden können.

Das Grundstück in Frankfurt 40 Jahre gepachtet – jetzt läuft Pachtvertrag aus

Für Frau Rauscher, Bembel und Hannah gibt es nichts Schöneres, als auf alten Baumstümpfen rum zu klettern und am Riedgras zu knabbern. Für Dina Appelbaum gibt es nichts Schöneres, als ihnen dabei zuzusehen. Seit 30 Jahren kümmert sie sich um das Grundstück der Waisenhausstiftung und um die Tiere in Frankfurt. "Wir hatten Pferde, Esel, Hühner und Ziegen", sagt sie wehmütig. Ihr vor fünf Jahren verstorbener Lebensgefährte hatte das drei Hektar große Grundstück vor 40 Jahren gepachtet, die ehemalige Zahnärztin hat übernommen und weitergemacht. Sie erinnert sich an die Kutschfahrten, die ihr Lebensgefährte mit den Pferden gemacht hat. "Ich wollte so gern den Vertrag verlängern, aber die Behörden haben den Daumen drauf", sagt sie.

Weil das Gelände genau in dem Gebiet zwischen Seckbacher und Enkheimer Ried in Frankfurt liegt, das von der Oberen Naturschutzbehörde als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) ausgewiesen wurde, muss alles rückgebaut und entfernt werden. Bis Ende Oktober gilt der Pachtvertrag von Appelbaum. Bis dahin müssen alle Tiere untergebracht sein.

Ziegen waren bereits vermittelt – doch sie wollten zurück nach Frankfurt

Schweren Herzens hat sie Esel, Pferde und Ponys bereits an gute Plätze vermittelt, wo sie mit Artgenossen ihren Lebensabend verbringen können. Auch die drei hübschen Ziegen hatte sie bereits vermittelt. Sie kamen in den Vogelsbergkreis zu Leuten, die Kleinziegen haben. "Leider hat es nicht geklappt", so die Frau, deren Herz bereits beim Erzählen fast zerbricht. "Elektroschafzäune kennen die drei nicht. Sie sind sofort abgehauen und ins Dorf geflüchtet." Auch bei einem zweiten Platz hat es nicht funktioniert. "Frau Rauscher, Bembel und Hannah wollten einfach zurück nach Hause. Der neue Besitzer konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie über den 1,50 Meter hohen Zaun sprangen, und ich musste sie zurückholen."

Die dreijährige Hannah und die beiden anderen gehörnten Ziegen, die zwischen sieben und zehn Jahre alt sind, scheinen stolz zu sein und spazieren mit erhobenen Köpfen durch ihr Revier in Frankfurt.

Zoos wollen die drei Ziegen aus Frankfurt nicht haben

Die stabilen hohen Holz- und Drahtzäune nutzen sie, um ihre Rücken zu schubbern. Ausgebrochen sind sie hier noch nie. Nachts bringt Appelbaum sie in ihren warmen Stall aus Holz, morgens dürfen sie wieder auf die Wiese, auf der morsche Bäume zum Klettern einladen. Appelbaum sucht nun verzweifelt einen Platz für die drei. "Die Zoos in Frankfurt und Offenbach wollen sie nicht haben, Suchanfragen über soziale Netzwerke und auf anderen Wegen brachten bislang nichts. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll."

Wenn Appelbaum das Trio zum Stall ruft, kommt es sofort. "Sie kennen keine Elektro- und Schafzäune, wohl aber den stabilen Holzzaun. Vielleicht klappt es woanders besser, wenn die Tiere erst zwei bis drei Tage in einen Stall kommen zum Eingewöhnen und dann erst langsam auf die Weide dürfen", hofft sie noch immer.

Flora-Fauna-Habitat in Frankfurt: Ziegen suchen ein neues Zuhause

Sie sucht einen Platz für die drei, an dem sie es gut haben und in Ruhe alt werden können. "Die Ziegen können doch nichts dafür, dass die Behörden auf das Flora-Fauna-Habitat bestehen. Ich will auf gar keinen Fall, dass Frau Rauscher, Bembel und Hannah geschlachtet werden müssen. Sie sind so wunderbare Tiere", sagt sie mit Tränen in den Augen. Bis Ende des Jahres muss die Waisenhausstiftung alles auf dem Gelände in Frankfurt rückbauen.

Immer wieder hat sie verhandelt, mündliche Zusagen bekommen, dass der Stall bleiben kann. "Danach war Funkstille bei den Behörden." Auch auf Nachfrage bei Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig ist die Antwort knapp. "Ich kümmere mich", heißt es trocken. Appelbaum glaubt nicht daran und sucht weiter nach einem Platz für ihre Ziegen, damit sie glücklich alt werden können. (Von Sabine Schramek)

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