Shantel (re.) fühlt sich auch im Weinberg wohl, hier mit einem seiner Winzerfreunde.  Foto: Florian Joeckel
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Shantel (re.) fühlt sich auch im Weinberg wohl, hier mit einem seiner Winzerfreunde. Foto: Florian Joeckel

Lockdown

Frankfurt: Shantel ist unter die Winzer gegangen

  • vonEnrico Sauda
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Der Musiker vertreibt mit befreundeten Winzern vom Weingut Eckert ein ganz spezielles Tröpfchen - und spendet eine Teil der Erlöse für die Aktion "Frankfurt bleib stabil", die Musiker in der Krise unterstützt.

Dem Frankfurter Musiker Shantel (Stefan Hantel), der unter anderem mit seinen Bucovina-Club-Compilations bekannt wurde, geht es wie vielen seiner Kollegen: Keine Auftritte, keine Konzerte. Aber: "Mir geht es bestens", sagt er. Das liegt womöglich daran, dass er unter die Winzer gegangen ist - obwohl er keinen Alkohol trinkt. Seit kurzem gibt es den "Disko Partizani"-Wein, dahinter stecken die Künste der Winzer Holger und Hagen Fleischmann vom Weingut Eckert. Es ist ein trockener Weißburgunder mit dezentem Aroma, reduzierter Säure und fruchtigem Aroma. Ein feines Stöffchen.

"Es geht mir nicht um den großen Reibach", so Shantel. Vielmehr unterstützt er mit einem Teil der Verkaufserlöse die Aktion "Frankfurt bleibt stabil" - und damit andere Musiker. "Der Wein hat Symbolkraft und ich helfe damit auch heimischen Handwerksbetrieben", sagt er, der sich als "Teilchenbeschleuniger" sieht, weil er mit seiner Idee auch Menschen anspricht, die sonst nicht auf seinen feinen Tropfen gekommen wären.

"Ich war bis zur Pandemie bin ein international tourender Künstler. Nun bin ich seit Monaten in Frankfurt festgekettet", sagt der 52-Jährige, das sei aber "nicht das Schlechteste". So nutzte er die Zeit, um die Gegend zu erkunden. "Vorher war ich hier so eine Art Tourist". Bei seinen Touren machte er eine Führung bei Holger und Hagen Fleischmann vom Weingut Eckert. In den Tiefen des Weinkellers bekannten sich die Winzerbrüder als große Shantel-Fans. Erste Ideen für eine besondere Weinedition entstanden. Die Drei verstanden sich auf Anhieb. "Denn auch sie mussten sich in der Pandemie neu erfinden", so Shantel. Es sei "Seelenverwandtschaft".

Die Winzer und der Musiker empfinden sich als Außenseiter, die sich ihren Stand in der Gesellschaft über Jahrhunderte erkämpfen mussten. Ihr hedonistisches Lebensgefühl schweißt sie zusammen, sie betreten ihre jeweiligen Bühnen, um ihr Publikum zu unterhalten. Was dem einen Dorfplatz, Club- oder Festival-Bühne sind, ist dem anderen der Keller oder die Schänke. "Mich begeistert an der Zusammenarbeit, dass sie lokal, haptisch und kulinarisch ist", sagt Shantel. Zudem arbeitet er an einem neuen Album und komponiert die Musik zum Jubiläum "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Und lobt: "Was gibt es Besseres als den Wein mit seinem dionysischen Element?". Der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase - das passe zur Musik. "Mich hat auch die Idee begeistert, über den Wein eine andere Geschichte zu erzählen, die die Sinne beflügelt und anspricht", sagt Shantel. es

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