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Khaterhe Tavassoli und ihr Mann Ramin Bahri kommen aus dem Iran. Sie leben in Bonames und sind gerne in der nahen Natur unterwegs.

Migranten malen ihre Lieblingsorte

Wo Frankfurt sich gut anfühlt

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Was hat es mit dem orange-gelben Fisch von Ramin Bahri auf sich? Und wo ist Carlos Henriques besonders gerne? Sie und andere Menschen mit Migrationsbiografien haben ihre Lieblingsorte in Frankfurt gemalt, gezeichnet und fotografiert. Das Evangelische Familienzentrums Am Bügel zeigt die Arbeiten

Vor zwei Jahren und zwei Monaten kamen Khaterhe Tavassoli und ihr Mann Ramin Bahri aus dem Iran. Die beiden leben mit ihrem kleinen Sohn in Bonames und fühlen sich dort sehr wohl, sprechen bereits gut Deutsch. Beide warten zurzeit auf die Ergebnisse ihrer Deutsch-Abschlussprüfung und sind deswegen ein wenig aufgeregt.

Um sich zu entspannen, geht Ramin Bahri gerne angeln. Er hat in Frankfurt seinen Angelschein gemacht und hat seitdem schon viele Stunden mit seinem Hobby verbracht. Sein größter Fang war ein vier Kilo schwerer Karpfen, den er auch selbst zubereitet hat. Bahri, der Produktdesign studierte, kocht gerne für die Familie.

In einer Ausstellung im „Evangelischen Familienzentrum Regenbogen Am Bügel“ hängt an einer Stellwand ein kleines Bild. Ein orange-gelber Fisch springt aus dem Wasser. Der Tag wird langsam zur Nacht, die Sonne geht am Horizont unter. Bahri hat das Bild gemalt – es ist eine Hommage an die Natur, die er über alles liebt. Genauso wie seine Frau Khaterhe Tavassoli, die eine ausgebildete Schneidermeisterin ist. „Eine schöne Natur“, sagen die Eheleute, „gibt es auch rund um Bonames.“ Gerne gehen sie mit ihrem Sohn dort spazieren.

Mit der Ausstellung beteiligt sich die Einrichtung an den Interkulturellen Wochen, die noch bis Freitag laufen. Die Präsentation ist das Ergebnis eines Projekts für Menschen mit Migrationsbiografien. Alle Teilnehmer leben in Bonames und haben ihren Lieblingsort im Stadtteil oder in der Stadt sowie ihren Lieblingsmenschen fotografiert oder in Gemälden und Zeichnungen dargestellt. „Wir haben im Mai begonnen. Es war ein offenes Angebot“, erzählt Projektleiterin Julia Müller-Hopf.

Ramin Bahri hat mit viel Interesse und Freude teilgenommen. Fünf seiner gemalten Bilder werden gezeigt – alle drehen sich um die Schönheit der Natur. „Das ist ein Vogel, den ich gesehen habe“, sagt er und zeigt auf eines seiner Bilder. „Und diese Blumen hier stehen bei uns in der Wohnung.“ Eine der fünf Arbeiten sticht besonders hervor. Bahri hat seine Frau und seinen Sohn gemalt, wie sie in den Feldern rund um Bonames im Sommer spazieren gehen – zu einer Zeit, als das Korn und die Sonnenblumen in voller Blüte standen. Im Hintergrund erheben sich die Hochhäuser des Ben-Gurion-Rings.

Carlos Henriques hat ebenfalls mitgemacht. Der Portugiese lebt seit zwei Jahren in Frankfurt – der Liebe wegen. Zu seinen Lieblingsorten gehört der Römerberg, den hat er gezeichnet. Ihm gefallen die Architektur, die Cafés und die ganz besondere Atmosphäre, sagt er. Das Glück für ihn ist seine Frau. Er kenne sie bereits seit Kindertagen. Geheiratet haben sie aber erst viele Jahre später. Ein Zufall führte sie wieder zusammen. Henriques fand sie über Facebook wieder. Damit sie zusammen sein können, kam er zu ihr nach Frankfurt.

Die Ausstellung im Evangelischen Familienzentrum Regenbogen Am Bügel, Ben-Gurion-Ring 39, kann bis Freitag, 17. November, zu den Öffnungszeiten heute von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 14 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter (069) 5 07 70 78 besichtigt werden.

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