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Pandemie

Frankfurt: Sicher schlummern im Hotelbett

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Nur wenige Herbergen in der Stadt sind über die Weihnachtsfeiertage geöffnet. Doch sie sind "Heimat" für all' jene, die es zum Fest nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen.

Frankfurt -Gäste dürfen über die Weihnachtsfeiertage in Hotels in Hessen übernachten, etwa wenn die Wohnungen der Familienangehörigen zu klein sind, um dort zu schlafen. Dies gilt dann nicht als touristische, sondern als familienbedingte Übernachtung - weil man Angehörige besucht. Indes, Hoffnung auf ein volles Haus hat sich kaum ein Hotelier gemacht. Und wenn, dann wurden sie gründlich enttäuscht.

So wurde bislang in der Luxusherberge Villa Kennedy lediglich ein Zimmer gebucht. "Ein Elternteil eines Mitarbeiters kommt über Weihnachten, vom 24. auf den 25.", sagte gestern Florian Steinmaier, Hoteldirektor. "Weitere Gäste haben sich noch nicht angemeldet - abgesehen von zwei Mitarbeitern der Börse, die es nicht mehr schaffen, vor Weihnachten nach London nach Hause zu fliegen, und zwei Mitarbeitern der Lufthansa, die auch nicht mehr wegkommen." In der Villa Kennedy ist, wie in allen Frankfurter Hotels, nur die Notbesetzung im Dienst. Restaurants und Bars sind geschlossen, nur Zimmerservice ist möglich. Auch das Steigenberger Frankfurter Hof hat durchgehend geöffnet, auch hier wird kein Geld verdient.

Ein Hotelier sagte: "Die Nachfrage ist sehr gering. Es sind schwere Zeiten für uns, ein schweres Umfeld." Immerhin, einige Hotels haben noch offen. Etwa das Leonardo auf dem Sachsenhäuser Berg - als eines der wenigen. "Die Situation ist nach wie vor schwierig für uns", sagt Generalmanagerin Viola Krome. "Wegen des Lockdown haben wir im Rhein-Main-Gebiet drei von fünf Hotels über die Feiertage geschlossen" - bis zum 10. Januar.

Das Leonardo Royal und das Leonardo City South bleiben mit eingeschränktem Service und einer Grundbesetzung geöffnet. "Beide Hotels haben aktuell über die Feiertage um die sechs bis acht Prozent Belegung", so Krome, "dies ist also nicht der Rede wert." Es gebe lediglich einzelne Buchungen von Gästen, die ihre Familien in der Nachbarschaft besuchen. "Die Reisebereitschaft ist und bleibt weiterhin sehr schwach, egal ob geschäftlich oder privat über die Feiertage."

Wie viele Hotels offen sind, sei unmöglich zu sagen, erklärt Bernhard Haller von der Frankfurt Hotel Alliance: "Die meisten dürften geschlossen sein." Die Übernachtungen über Weihnachten seien "allenfalls ein Zusatzgeschäft", wegen dem niemand eigens aufschließe. "Es ist ja ein sehr großer und teurer Aufwand, ein Hotel wieder zu öffnen." Grundsätzlich gelte, dass die Zahlen der Übernachtungen allenfalls die der Vorjahre erreichen könnten. Aber dies wird nicht erreicht werden.

Schon seit März ist das Intercontinental in der Wilhelm-Leuschner-Straße geschlossen. Das Radisson Blu ist ebenfalls zu.

Auch kleine Hotels öffnen nicht eigens für die Weihnachtstage, auch nicht jene in den Stadtteilen, wo Besucher in de Nähe ihrer Familien schlafen könnten. So haben etwa das Concordia in Praunheim und das Schmärrnche in Bornheim zu, ebenso das Hotel Maingau in Sachsenhausen. Dort berichtet Martina Döpfner: "Wir haben allerdings eine große Nachfrage an Weihnachtsgänsen gehabt, die die Kunden vor den Feiertagen abholen können. Hierfür nehmen wir keine Bestellungen mehr entgegen." Das Hotel für Gäste zu öffnen, sei derzeit unwirtschaftlich. "Es hat zu lange gedauert, bis die Politik das geklärt hat. Es ist ja ein großer Aufwand, und dann hat man für zwei Tage ein paar Gäste, die ja auch ein Frühstück erwarten, man muss die Corona-Regeln beachten und derlei mehr". Das lohne sich jetzt so kurzfristig nicht mehr.

Allenfalls ein Drittel der Hotels, schätzt denn auch Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Frankfurt, haben offen. Doch wer kurz entschlossen noch nach Frankfurt will, bekommt über die Feiertage in jedem offenen Haus ein Zimmer. Auch im Maritim.

Buchungen sind dort "für Verwandtschaftsbesuche in jedem Fall möglich", erklärt die Sprecherin Harriet Eversmeyer. "Bisher ist die Nachfrage jedoch verhalten, da ja die politischen Entscheidungen dazu sehr kurzfristig und dazu noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Es ist ja erst seit ganz kurzer Zeit klar, wo diese Aufenthalte nun möglich sind und wo nicht. Es ist also davon auszugehen, dass die Buchungen wenn, dann sehr kurzfristig in den nächsten Tagen vor Weihnachten erfolgen." Thomas J. Schmidt

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