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David Ardinast (43), Mitinhaber des Restaurants "Bar Shuka", sitzt in seinem Lokal an der Bar mit Blick auf das Bahnhofsviertel. Er freut sich schon auf die Bahnhofsviertelnacht, die am 15. August stattfindet.

Rotlicht und Drogenszene präsent

Sorgen um die Sicherheit - Bahnhofsviertel ein rechtsfreier Raum?

Israelisch, georgisch, pakistanisch - das bunte Gastro-Angebot rund um den Frankfurter Hauptbahnhof zieht viele, gut zahlende Gäste an. Doch auch Rotlicht und Drogenszene sind weiter präsent. Grund für Kritik an mangelnder Sicherheit sieht die Stadt aber nicht.

Frankfurt - In großen, roten Leuchtbuchstaben steht das Wort "Freundschaft" an der Wand, einmal auf Hebräisch und einmal auf Arabisch. Damit passt die israelische "Bar Shuka" sehr gut ins Frankfurter Bahnhofsviertel, den vielfältigsten Stadtteil der Mainmetropole. "Hier ist jeder willkommen, wir wollen die Menschen zusammenbringen", sagt Betreiber David Ardinast. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er noch ein weiteres Restaurant und eine Bar in dem Quartier und freut sich, dass die Straßen rund um den Hauptbahnhof unter Partygängern und Szenegästen immer beliebter werden.

Angelockt werden sie unter anderem vom bunten Angebot an Speisen aus allen Teilen der Welt: Es gibt asiatische, indische und türkische Köstlichkeiten ebenso wie georgische, japanische, pakistanische oder afrikanische. Und israelische: Die Betreiber der Ende vergangenen Jahres eröffneten "Bar Shuka" wollen ihren Gästen die moderne Küche aus der Metropole Tel Aviv näher bringen.

Bahnhofsviertel: Mehr Büros

Im Bahnhofsviertel gebe es immer mehr Büros und auch Wohnungen, das Viertel und die Gäste hätten sich verjüngt, sagt Ardinast. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sei auf den Straßen zwischen Bankentürmen und dem Main etwas los. Doch er kennt auch die Probleme des Stadtteils. Drogenabhängige seien sichtbarer als noch vor einigen Jahren. Früher hätten sie sich in dunklen Ecken verborgen. Die Szene gehöre eben zum Viertel dazu. "Hier trifft alles aufeinander, Banker auf Junkie, Hipster auf Familie." Unsicher fühle er sich deshalb nicht, sagt der 43-Jährige.

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Seit acht Jahren ist Jenny Blaine (39) clean. Sie ist im Methadon-Programm. Mit 12 fing sie an zu trinken. Mit 16 hing sie an der Nadel. Heute klärt sie imBahnhofsviertel auf, wie das Leben in der Drogenhölle ist. Das schreckt auch Jugendliche ab, in den Teufelskreis Droge zu kommen.

Eine andere Sicht hat Ulrich Mattner. Sowohl beim Thema Sicherheit als auch Sauberkeit äußert der Fotograf und Buchautor, der im Viertel wohnt und seit Jahren auch Stadtteiltouren anbietet, herbe Kritik. Ab 23 Uhr sei es vor allem für Frauen nicht mehr sicher. Er kenne eine Anwohnerin, die sich nur noch in alter Kleidung auf die Straße traue. Stellenweise seien die Straßen "übervölkert mit der Drogenszene". Polizeistreifen dagegen seien nicht zu sehen. "Es ist wirklich ein rechtsfreier Raum hier", sagt Mattner.

Bahnhofsviertel: "Viertel verlottert"

Die Stadt müsse sich dringend überlegen, was man anders machen könne. Bei der Bahnhofsviertelnacht, die kommenden Donnerstag wieder stattfindet, werde das Quartier alljährlich von der Stadt gefeiert. Tatsächlich tue sie aber viel zu wenig. "Das Viertel verlottert, es ist aufgegeben worden", sagt Mattner.

Dies bestreitet Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Er verweist unter anderem auf die Arbeit der eigens eingerichteten "Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit" (REE) der Polizei, die gegen Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofsviertel schon viel erreicht habe. So habe es in der B-Ebene des Hauptbahnhofs massive Probleme gegeben, diese seien gelöst. Die Szene konzentriere sich nun auf einige wenige Bereiche. Anderswo sei sie dagegen nicht mehr präsent.

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Frankfurt gehe als eine von wenigen Städten bundesweit den Weg, auf dem Drogenabhängigen von Sozialarbeitern und mit sogenannten Druckräumen geholfen werde. In diesen Räumen können Drogen unter Aufsicht konsumiert werden. Daran halte die Stadt fest, sagte Frank. "Hier leisten wir auch viel Arbeit, die andere Städte nicht leisten." Das Polizeipräsidium Frankfurt berichtet, Straßenraub sei zurückgegangen. Dass es mehr Kontrollen im Viertel gebe, zeige die steigende Zahl von Drogendelikten in der Kriminalstatistik. Stadt- und Landespolizei seien täglich, auch in zivil, im Viertel im Einsatz, auch an bekannten Drogenumschlagsplätzen. Am kommenden Donnerstag, 15. August, verwandelt sich das Quartier bei der Bahnhofsviertelnacht wieder in eine Partymeile. Zu der nun insgesamt zwölften Auflage des riesigen Straßenfests werden je nach Wetter um die 50 000 Menschen erwartet. Neben einem Bühnenprogramm mit Sängern der Frankfurter Oper und einem multireligiösem Friedensgebet gibt es an die 50 Anlaufpunkte. Kneipen, Kioske und Bars haben geöffnet. Auch ein Informationsangebot zum Thema Prostitution und Drogenpolitik wird vorbereitet, so hat ein Druckraum in der Niddastraße geöffnet (siehe Extra-Text).

Auch die "Bar Shuka" wird dabei sein, mit Bar und DJ auf der Straße und dem Gehweg. Innen ist ein ruhigeres Angebot geplant. "Damit sich unsere Stammgäste von dem Trubel draußen auch mal ausruhen können", sagt Betreiber David Ardinast.

von Isabell Scheuplein

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