Peter Balzer hält eine Batterie mit Feuerwerkskörpern in den Händen. Verkaufen kann er sie nicht.
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Peter Balzer hält eine Batterie mit Feuerwerkskörpern in den Händen. Verkaufen kann er sie nicht.

„Lager sind voll“

Silvester in Frankfurt - Familienunternehmen bangt wegen Böllerverbot um Existenz

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Auch in diesem Jahr gilt in Deutschland ein Böllerverbot an Silvester. Für ein Familienunternehmen aus Frankfurt ist das Verkaufsverbot existenzbedrohend.

Frankfurt – Das Feuerwerk wird auch in diesem Jahr ausfallen. Es war bereits im vergangenen Jahr in Frankfurt so, 2021 wiederholt es sich: Zu Silvester wird der Verkauf von Feuerwerkskörpern und Böllern deutschlandweit verboten, hat die Ministerpräsidentenkonferenz entschieden. Außerdem soll am 1. Januar ein Versammlungsverbot gelten.

Schon wieder also fällt eine Saison aus. Für das Familienunternehmen Feuerwerk Schwab in Bergen-Enkheim ist es, wie für die anderen Feuerwerker in Frankfurt, eine Katastrophe. „Wir machen unseren Umsatz in den drei Tagen vor Silvester“, sagt Peter Balzer. Er führt das Unternehmen gemeinsam mit seiner Mutter Ursula.

Böllervebot an Silvester trifft Frankfurter Unternehmen: „Die Lager sind voll“

„Die Lager sind voll, noch vom Vorjahr. Wir haben Raketen und Batteriefeuerwerk und können es nicht verkaufen“, sagt er resigniert. Jetzt komme alles darauf an, wie die Hilfen aussehen, die der Bund plant. „Im vergangenen Jahr war es ganz in Ordnung. Natürlich hatten wir Verluste, natürlich mussten wir Investitionen zurückstellen, mussten die Rücklagen angreifen. Jetzt droht uns das wieder“, sagt der 47-Jährige. Er ist, nachdem seine Eltern die Firma übernommen haben, gewissermaßen zwischen China-Böllern und Sternregen groß geworden und hat nach seiner Ausbildung immer in der elterlichen Firma gearbeitet. So etwas wie jetzt, in den vergangenen beiden Jahren, hat er noch nicht erlebt. Seine Mutter auch nicht. Und so geht es auch vielen anderen. Der Interessenverband der Pyro-Industrie (VPI) ist besorgt. „Mit dem zweijährigen Verbot von Feuerwerk stehen 3.000 Beschäftigte nun endgültig vor dem Aus“, schreibt der Verband, wie bw24.de* berichtet.

„Normalerweise haben wir zwei Standbeine. Das eine ist der Verkauf an Endkunden in den letzten drei Tagen des Jahres. Das andere sind Veranstaltungen, bei denen wir das Feuerwerk ausrichten. Etwa am Mainfest, beim Höchster Schlossfest, bei der Dippemess‘. Aber auch da ist in diesem Jahr fast nichts gelaufen.“ Und jetzt die Entscheidung, auch in diesem Jahr den Verkauf von Feuerwerk zu verbieten. Peter Balzer, seine Mutter und die Mitarbeiter auf Minijob-Basis sitzen gewissermaßen auf den Paketen mit Batterien.

Frankfurt: Böller-Verbot an Silvester sorgt bei Hädlern für Probleme

„Andere, beispielsweise Friseure, hatten nicht solche Probleme wie wir. Denn die Leute kommen vier Wochen später, nach dem Lockdown. Bei uns ist der Umsatz eines Jahres weg, wenn wir in den drei Tagen nicht verkaufen können.“ Auch Gastronomen und Messebauer seien, wie Feuerwerker, stark betroffen von Corona. Dabei hat Balzer Verständnis dafür, dass die Pandemie eingedämmt werden muss. Was er nicht versteht: Dass noch am 25. November die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ beendet worden sei, obwohl die Zahlen gestiegen sind. „Das sind Fehler, die die Politik zu verantworten hat“, sagt Balzer.

Jetzt steht er wieder da, wie im Vorjahr. „Im Vorjahr hat man uns zwei Wochen später als in diesem Jahr verboten zu verkaufen. Das ist der einzige Unterschied.“

Böllerverbot: Unternehmen aus Frankfurt lebt von Rücklagen – „Lange darf das nicht mehr so gehen“

Problematisch sei es für die Hersteller. In diesem Jahr schon hat Balzer nicht mehr viele Bestellungen getätigt, denn die Bunker auf dem Grundstück waren noch voll. „Aber es nützt uns ja nichts, dass wir nicht so viele Einkauf-Kosten hatten. Wir müssen Umsatz machen.“ Bislang lebt das Unternehmen noch von den Rücklagen. „Vieles, was man anspart über die Jahre, weil mal ein neues Auto gekauft werden muss oder so, ist jetzt aufgebraucht. Lange darf das nicht mehr so gehen“, warnt Balzer. Nicht, dass die Insolvenz bevorstünde. So schlimm ist es noch nicht. „Aber das kann kein Dauerzustand sein, was wir in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben“, warnt er.

Wer nicht noch ein paar Böller von 2019/2020 im Keller hat, für den fällt die Knallerei aus. Fans der Feuerwerkerei hingegen bekommen in Balzers kleinem Verkaufsraum große Augen. „Bei uns bekommt der Kunde, was er in den Supermärkten nicht bekommt. Etwas Besonderes“, erläutert er, während er eine der Batterien in den Händen hält. „Das wiegt etliche Kilogramm“, sagt er. Andere Pakete sind noch schwerer. Eines bietet 276 Schuss, wiegt 16 Kilogramm, kostet 235 Euro, und bis es abgefeuert ist, vergehen mehr als drei Minuten: 210 Sekunden.

Normalerweise drängen sich die Besucher in den letzten drei Tagen. „Sie stehen draußen Schlange“, sagt Balzer. „Manche kaufen Kinderfeuerwerk und Wunderkerzen für zwölf Euro, andere geben 500 Euro aus.“ Doch auch in diesem Jahr wird bei Balzer wieder traurige Ruhe herrschen. (Thomas J. Schmidt)

In Hessen und Frankfurt stellen auch andere Corona-Regeln, wie 2G oder 3G, Einzelhändler und Verkehrsbetriebe vor Probleme.

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