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Nachdem bereits die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden der Awo in Skandale verwickelt sind, gibt es neuen Ärger. Es geht um zwei Pflegeheime in Hessen. 

Nach Frankfurt und Wiesbaden

Awo-Affäre: Zweifelhafte Geschäfte mit Pflegeheimen in Hessen

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Nachdem bereits die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden der Awo in Skandale verwickelt sind, gibt es neuen Ärger. Es geht um zwei Pflegeheime in Hessen. 

  • Der Awo-Skandal weitet sich aus
  • Der Bezirksverband Hessen-Süd soll in zweifelhafte Machenschaften mit Pflegeheimen verstrickt sein 
  • Zuvor machten die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden Negativschlagzeilen

Frankfurt - Der Finanzskandal bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) weitet sich aus. Nachdem zuletzt die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden Schlagzeilen gemacht hatten, ist nun offensichtlich auch der Awo-Bezirksverband Hessen-Süd in zweifelhafte Machenschaften verstrickt. Es geht um den Verkauf zweier Altenheime in Langgöns (Landkreis Gießen) und in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis). 

Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt dem Hessischen Rundfunk (HR) bestätigte, ermittelt sie aufgrund einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue. Zentrale Figur ist der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Torsten Hammann aus Pfungstadt. Er war von 2016 bis Mitte vergangenen Jahres Generalbevollmächtigter der Awo Hessen-Süd. Unter seiner Führung verkaufte der Wohlfahrtsverband die Immobilie St. Ulrich-Ring 10–12 in Langgöns, Sitz des Awo-Sozialzentrums „Heinz-Ulm-Haus“ mit knapp 80, größtenteils vollstationären Pflegeplätzen, an eine Immobiliengesellschaft. An dieser war Hammann selbst beteiligt. 

Frankfurt: Auch Ärger um Awo-Bezirksverband Hessen-Süd – Zweifelhafte Geschäfte mit Pflegeheimen

Die Altenpflegeeinrichtung der Awo verblieb in der Immobilie – als Mieterin. Kurz vor Hammanns Übernahme der Geschäfte bei der Awo Hessen-Süd, war der Verkauf des Awo-Sozialzentrums in Bruchköbel in ähnlicher Manier über die Bühne gegangen. Auch dort verblieb die vollstationäre Pflegeeinrichtung mit 88 Plätzen für alte Menschen als Mieterin im Haus, das an ein privates Immobilienunternehmen veräußert worden war. Mit geltendem Recht dürften solche Deals eher nicht in Einklang stehen. 

Das Bürgerliche Gesetzbuch verbietet ausdrücklich sogenannte „Insichgeschäfte“, die immer dann vorliegen, wenn jemand als Vertreter eines anderen mit sich selbst ein Rechtsgeschäft abschließt. Der Awo Hessen-Süd soll Hammann laut HR-Informationen den Verkauf der Altenheime nahegelegt haben, weil beide sanierungsbedürftig gewesen seien, die Awo aber aus eigener finanzieller Kraft die Modernisierung der beiden Häuser nicht leisten konnte. Seinen Kompagnons in der Immobiliengesellschaft soll Hammann eine Rendite von sechs Prozent für das Investment bei den Awo-Häusern in Aussicht gestellt haben. Eine Anfrage dieser Zeitung bei der Awo Hessen-Süd, ob sich die Kosten für die Bewohner dieser Einrichtungen, vor allem die Investitionszulage, nach dem Besitzerwechsel erhöht haben, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. 

Frankfurt: Awo-Bundesverband prüft Immobiliengeschäfte mit Pflegeheimen im Bezirksverband Hessen-Süd

Der Bundesverband der Awo, seit Mitte Dezember damit beschäftigt, überzogene Gehaltsgestaltungen und undurchsichtige Finanzströme in den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden aufzuklären, hat nun, nach einem externen Hinweis, auch die Immobiliengeschäfte im Bezirksverband Hessen-Süd eingehend geprüft. Das Ergebnis: Sie stellen eine Verletzung der für die Awo verbindlichen Geschäfts- und Verhaltensregeln dar. Weil diesem Kodex zu Folge Verantwortliche für den Sozialverband keine Insichgeschäfte mit gewinnorientierten Gesellschaften machen dürfen, die sie selbst gegründet haben. Das Handelsregister des Amtsgerichts Darmstadt indessen weist Hammann als Gründer der Immobiliengesellschaften aus, die in Bruchköbel und Langgöns zum Zuge kamen. 

Mitte des vergangenen Jahres veränderte die Awo Hessen-Süd ihre Organisationsstruktur. Die Spitzenposition des Generalbevollmächtigten wurde in der Satzung gestrichen, die neue Position des Verbandsgeschäftsführers geschaffen, die seitdem der Rechtsanwalt und SPD-Politiker Ansgar Dittmer innehat. Beim Kreisverband Frankfurt war er Vorsitzender des ehrenamtlichen Präsidiums, das unter dem Druck der Vorwürfe von Kontrollverlust und Bereicherung im Dezember zurücktrat. Der Vorwurf des Kontrollverlustes trifft Dittmer auch als Geschäftsführer des Bezirksverbandes Hessen-Süd. Dieser hätte die Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt kontrollieren und allzu enge Verflechtungen verhindern müssen. Tatsächlich war Dittmer aber offenbar selbst Teil eines auf Gewinnerzielung gerichteten Geflechtes. 

Frankfurt: Herta Däubler-Gmelin (SPD) prüft Awo-Vorgänge um Pflegeheime

Torsten Hammann ist derzeit als Berater bei der Awo Hessen-Süd tätig. Dort soll nun eine „unabhängige Task-Force“ Vorkommnisse und Verhältnisse aufklären und „transparent machen“. So heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. Als Galionsfigur dieses Prozesses präsentiert man bereits seit Dezember und nun erneut die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), die „alle Hinweise auf Defizite, Versäumnisse und Probleme prüft und bewertet.“

Von Sylvia A. Menzdorf

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