Ein Soldat führt während eines Pressetermins in einem Pflege- und Altenheim den Schnelltest bei einer Mitarbeiterin durch. Die Bundeswehr hilft bei Corona-Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen. foto: dpa
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Ein Soldat führt während eines Pressetermins in einem Pflege- und Altenheim den Schnelltest bei einer Mitarbeiterin durch. Die Bundeswehr hilft bei Corona-Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen.

Corona

Frankfurt: Soldaten testen in Altenheimen

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Knappes Personal soll so von "pflegefernen" Tätigkeiten entlastet werden

Frankfurt -Bundeswehr-Kräfte helfen jetzt, zweimal wöchentlich das Personal in Frankfurter Altenheime zu testen, um die Bewohner besser zu schützen. Dazu verpflichtet das Land Hessen neuerdings alle Heimbetreiber. Infektionsausbrüche in Seniorenunterkünften, die in den vergangenen Wochen und Monaten in kaum einem anderen Bundesland so viele Todesopfer gefordert haben wie in Hessen, sollen so verhindert werden. Immer wieder verhängte das Gesundheitsamt für von Ausbrüchen betroffene Häuser Besuchsverbote, die Bewohner waren isoliert - von ihren Angehörigen und nicht selten auch innerhalb des Hauses von Mitbewohnern, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Einander nahestehende Menschen konnten sich überhaupt nicht sehen oder nur aus der Ferne. Besuche zu Weihnachten fanden, wenn überhaupt, außerhalb des Heimes auf einem Parkplatz statt - sofern die Senioren mobil waren. Unwürdig, unmenschlich, unmöglich empfanden das alle Beteiligten. Beschwerden darüber erreichten auch diese Redaktion.

Der Ethikrat hatte Mitte Dezember gefordert, die Lage der Menschen in Altenheimen zu verbessern. Mit dem Einsatz von Schnelltests sollte diese Forderung umgesetzt werden. Diese Tests sind spätestens seit Oktober vergangenen Jahres massenhaft verfügbar. Wohl weil wenig voran ging, signalisierte Mitte Januar das Bundeskanzleramt allen Kommunen: wir helfen, wo Personal für die Umsetzung fehlt.

Der Frankfurter "Corona-Krisenstab" unter Leitung von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) entschied sich in seiner Sitzung in der vorletzten Januarwoche, lieber Frankfurter Hilfsorganisationen um Unterstützung zu bitten. Gleichzeitig ermittelte das Haus von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) den Unterstützungsbedarf in den 46 Senioreneinrichtungen in der Stadt. "30 wünschten sich Unterstützung bei den Testungen", so eine Sprecherin des Sozialdezernats. Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter, Arbeitersamariterbund und Deutsches Rotes Kreuz hätten signalisiert, nicht "aus dem Stand" Personal bereitstellen zu können. Anfang dieser Woche forderte Frankfurt deshalb dann doch Soldaten an. Wieder einmal. Bereits im Oktober mussten Angehörige der Streitkräfte anrücken, um im Gesundheitsamt auszuhelfen.

Der Einsatz der Test-Truppe ist zeitlich begrenzt, auf drei Wochen. Anschließend übernehmen die lokalen Hilfsorganisationen, so die Sprecherin des Sozialdezernates. Auch die Arbeitsagentur akquiriert Test-Personal auf der digitalen Plattform: https://www.arbeitsagentur.de/corona-testhilfe. Da allerdings sehe es bislang wohl eher mau aus, hieß es jetzt aus dem Sozialdezernat.

Erleichtert über die Unterstützung durch Soldaten zeigt sich Frédéric Lauscher, Vorstand des Frankfurter Verbandes. Der größte Träger für soziale Einrichtungen in der Stadt unterhält sieben Altenpflegeheime und erlebte schon im April 2020, also im frühen Stadium der Pandemie, wie unerwartet Infektionsausbrüche Bewohner und Mitarbeiter erfassen. Als Lehre daraus hätten sich die 500 in der Pflege Beschäftigten "risikobasiert" einem PCR-Test unterziehen müssen: Die Pflegerin, die aus dem Urlaub, oder der Azubi, der aus dem Blockunterricht kam.

Besucher dürfen nach wie vor nur nach Anmeldung und mit Schutzvorrichtungen zu ihren Angehörigen. Seitdem Schnelltests verfügbar seien, sagt Lauscher, würde jeder Besucher getestet. Und das Personal regelmäßig zweimal wöchentlich. "Auf eigene Kappe und eigene Kosten", fügt er hinzu. Und mit Bordmitteln, was das Personal angeht. Trotzdem gibt es immer wieder Bewohner, die unter Quarantäne stehen. In häusliche Isolation müsse jeder, der nach einer Behandlung aus dem Krankenhaus ins Heim zurückkehre, so Lauscher. Und hofft wie alle, dass die Impfung eine gewisse Entspannung mit sich bringt. Die Erstimpfung hätten bereits alle Bewohner erhalten. "Ende Februar sind wir mit dem zweiten Durchgang komplett durch", so Lauscher. Die Impfquote beim Personal sei von Haus zu Haus unterschiedlich, betrage im Schnitt etwa 50 Prozent.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) setzt in ihren zwei Senioreneinrichtungen und dem Haus in Oberursel die neuen Anforderungen an die Teststrategie etwas anders um. Besucher, die nach Anmeldung ihre Angehörigen in einem der Heime besuchen möchten, müssen demnächst einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen. "Besucher testen wir demnächst nicht mehr", sagt Jörg Wilhelm, Geschäftsführer der Awo-eigenen Johanna-Kirchner-Stiftung, mit Hinweis auf die neue Landesverordnung. Sie müssten sich selbst um ihre Testung kümmern. "Wir als Betreiber kontrollieren dann lediglich das Ergebnis." Wilhelm kritisiert, dass diese Regelung im Widerspruch zur Bundestestverordnung stehe, die den Heimbetreibern das Testen der Besucher auferlege. Der Planungsstab Pflege soll nun im hessischen Sozialministerium für Klarheit sorgen. "Bis dahin werden wir das alte Testkonzept beibehalten und Besuchern bei Bedarf den Test entgeltlos abnehmen", sagt Wilhelm. Angehörige seien unzufrieden über das Hin und Her - und die Aussicht, sich künftig selbst um einen Test kümmern zu müssen. "Eine Testung ist unbedingt sinnvoll", so Wilhelm, "darf aber nicht zu einer Art Besuchsverbot führen." Andererseits sei die Entlastung des Personals von "pflegefernen Tätigkeiten" unbedingt notwendig. "Unser Kerngeschäft ist die Pflege, nicht das Testen. Die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte ist ohnehin schon am Limit." Aus diesem Grund wolle die Awo für das regelmäßige Testen der rund 650 Mitarbeiter einen externen Dienstleister in Anspruch nehmen. Auch in den Awo-Heimen war es in den vergangenen Monaten mehrfach zu Infektionsausbrüchen gekommen, auch zu Todesfällen. Jetzt, sagt Jörg Wilhelm, sei die Lage "zufriedenstellend". Es gebe in einer Einrichtung aktuell zwei Corona-Fälle. Weniger zufriedenstellend ist aus seiner Sicht die Impfsituation für die insgesamt 550 Senioren in den drei Awo-Heimen. Trotz des sehr frühen Impfbeginns Ende 2020 seien in den beiden Frankfurter Heimen bislang 100 Impfportionen verabreicht worden, während im Oberurseler Haus alle 125 Bewohner geimpft werden konnten.

Der Caritasverband soll dem Vernehmen nach für seine Heime keine Unterstützung fürs Testen beim Sozialdezernat angefordert haben. Auf Anfrage dieser Zeitung gab die Sozialeinrichtung keine Auskünfte. "Aus Kapazitätsgründen", wie es hieß. enz

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