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Auch vor der Deutschen Bank ist die Ampel in manchen Nachtzeiten auf gelbes Blinken eingestellt.

Verkehrssicherheit

Sollten Ampeln in Frankfurt auch nachts laufen? Thema wird heiß diskutiert

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Jede vierte Ampelanlage in Frankfurt wird nachts abgeschaltet. Das sei unnötig und gefährlich, heißt es aus dem Straßenverkehrsamt. Auch in den Ortsbeiräten sind die Ampelabschaltungen immer wieder Thema.

Frankfurt - Zwei Rödelheimer meldete sich zu Beginn der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 7 zu Wort. Sie beklagten, dass zwei Ampelanlagen im ihrem Stadtteil nachts abgeschaltet werden. Das führe dazu, dass Autofahrer sich dort regelrechte Wettrennen lieferten. Für Fußgänger sei das gefährlich, Anwohner litten unter dem Lärm.

Ortsvorsteherin Michaela Will (SPD) versprach, sich der Sache anzunehmen. Sie werde im Straßenverkehrsamt nachfragen, weshalb diese Ampeln nachts ausgeschaltet werden. Eventuell werde der Ortsbeirat dann beantragen, davon abzurücken. "Wir haben uns noch kein abschließendes Bild gemacht", sagte Will nun auf Nachfrage dieser Zeitung.

Die Rödelheimer Ampeln sind kein Einzelfall. 219 von insgesamt 826 Lichtsignalanlagen in Frankfurt werden nachts abgeschaltet. Jede vierte Ampelanlage ist also betroffen. Statt grün oder rot leuchtet dann nur ein blinkendes Gelblicht. Dabei gelten auf der Kreuzung die jeweiligen Vorfahrtsregeln.

Ampeln: Verwirrend für Fahrer

Im Straßenverkehrsamt steht man dem Wunsch der beiden Bürger aufgeschlossen gegenüber. "Wir könnten alle Anlagen nachts durchlaufen lassen", sagte Joachim Bielefeld, Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement vergangene Woche bei einem Besuch von CDU-Stadtverordneten in seiner Behörde. Aus seiner Sicht wäre das sogar wünschenswert. "Denn das ist eine Gefahrenquelle. Beim An- und Abschalten passieren die meisten Unfälle", sagte Bielefeld. An einem Beispiel erläuterte der Abteilungsleiter das Problem. "Ein Autofahrer nähert sich einer Kreuzung, die Ampel leuchtet rot. In dem Moment, wenn sie abgeschaltet wird, springt sie auf blinkendes Gelblicht. Der Autofahrer denkt, es wird grün und gibt Gas", gibt der Verkehrsmanager zu bedenken.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich zuletzt 2015 mit dem Thema beschäftigt. In einem Antrag forderten CDU und Grüne damals den Magistrat auf, zu prüfen inwieweit "vermehrt Verkehrsampeln an geeigneten Standorten" in der Nacht abgeschaltet werden können. "In verkehrsarmen Zeiträumen kann die Abschaltung von Verkehrsampeln auf den betreffenden Straßen zu einer Verstetigung der Verkehrsströme beitragen", hieß es seinerzeit zur Begründung. "Zudem ist davon auszugehen, dass sich über eine Verringerung der Zahl der Brems- und Anfahrvorgänge eine Reduzierung der Lärmbelastung für die Anwohner und des Kraftstoffverbrauchs der Kraftfahrzeuge erzielen lassen." Den beiden Anwohnern aus Rödelheim zufolge ist jedoch das Gegenteil eingetreten: Nicht weniger, sondern mehr Lärm sei die Folge der Nachtabschaltung, sagen sie.

Nächtliche Ampeln: "Nicht sinnvoll"

Ein weiteres Argument, dass Befürworter des nächtlichen Blink-Betriebs anführen, ist die Energieeinsparung. Doch das sei inzwischen kein Thema mehr, sagte Joachim Bielefeld vom Straßenverkehrsamt. "Wir nutzen stromsparende LED-Technik, da fällt der Energieverbrauch kaum ins Gewicht", erklärte er den CDU-Stadtverordneten.

Martin Daum, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, kann teilt die Kritik an der Ampelabschaltung hingegen nicht: "Ich halte es für vernünftig, wenn man nachts an bestimmten Kreuzungen nicht auf eine rote Ampel stößt, sondern auf eine gelbe blinkende und einfach weiterfahren kann" Aus Daums Sicht hat sich die Nachtabschaltung bewährt. "Alle Ampeln nachts durchlaufen zu lassen ist nicht sinnvoll."

Von Daniel Gräber

Kommentar von Dennis Pfeiffer Goldmann

Die Stadt schläft, und alle Ampeln leuchten? Würde Frankfurt das realisieren, wäre der Spott der Bevölkerung den Römer-Politikern sicher. Wird es wirklich lauter, weil der Verkehr nachts ohne Ampelbremsung flüssiger durch ruhige Nebenstraßen fließen kann? Sicher ist der Mehr-Lärm keine Halluzination der betroffenen Anwohner.

Jedoch stellt sich ebenso die Frage: Wird es ruhiger, wenn Autos nicht mehr schnell vorbei sind, sondern wieder mitten in der Nacht vor roten Ampeln an menschenleeren Kreuzungen stoppen, dann dort anderthalb Minuten mit laufendem Motor warten und dann erneut anfahren? Auch das Argument des Straßenverkehrsamtes leuchtet lediglich auf den ersten Blick ein: Dass es Unfälle gibt, wenn Ampeln vom Rot des Regelbetriebs auf den warnenden Gelbblinker umschalten, mag ja sein. Aber droht nicht auch Gefahr, wenn hirnlose Idioten die Sinnlosampeln an den nachts zumeist, aber eben nicht immer leeren Kreuzungen ignorieren?

Natürlich missinterpretieren heute Raser die nächtliche Freiheit auf der Gass' als Einladung zur Maßlosigkeit. Gegen sie aber hilft nur, wenn die Stadt auch bei Dunkelheit konsequent Jagd auf Temposünder macht. Eine neue nächtliche Regelwut in Rot, Gelb und Grün wird keinen PS-Protz ausbremsen.

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