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Für ihre Schützlinge wie die schöne Katze Amanda immer genug Zeit zu haben, das ist für die Tierheimleiterin Petra Decken und ihre Mitarbeiter ein Herzensanliegen - gerade in der schwierigen Urlaubszeit fällt das allerdings nicht immer leicht.

Mehrere Gründe

In den Sommerferien platzen die Tierheime aus allen Nähten

Die Sommerferien sind für viele die Zeit, um die Seele baumeln zu lassen. Für die Mitarbeiter der Tierheime hingegen bedeuten die sechs Wochen oft mehr Arbeit und Probleme.

Es ist der Alptraum jedes Tierfreundes und das Sinnbild Gedanken- und verantwortungsloser Tierbesitzer: An Laternenpfählen oder Fahrradständer angebundene und für immer zurückgelassene Hunde oder irgendwo in der Stadt abgestellte Pappkartons mit Katzenkindern - wie weggeworfenes Spielzeug ihrem Schicksal überlassen.

Szenen, die Petra Decken, Vorsitzende des Tierschutzvereins Schwalbach und Frankfurt-West und Leiterin des Tierheims Nied seit vielen Jahren kennt. "In diesem Jahr haben wir solche Fälle zum Glück bislang noch nicht erlebt", berichtet sie. Dennoch stellen alle Jahre wieder die großen Sommerferien sie und ihre Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen.

Nicht kastrierte Katzen bekommen Junge – Wurf wird im Tierheim abgegeben

Genau genommen, so konstatiert sie, "waren wir schon zum Sommerfest, also eine Woche vor dem Ferienbeginn, brechend voll". Grund: "Das ist jetzt die Zeit, in der die Katzen, die von ihren Besitzern nicht kastriert wurden, Junge kriegen." So sei das Tierheim Nied mehr oder weniger mit einem Schlag um 27 kleine Kätzchen reicher geworden: Alle niedlich anzuschauen, aber auch sehr betreuungsintensiv. "Manche Besitzer stellen fest, dass sie doch nicht alle Tiere eines Wurfs verkaufen können - etwa über eBay-Kleinanzeigen." Sieben landeten dann bei den Nieder Tierschützern, bevor ihre Besitzer in Urlaub fuhren.

20 weitere seien gleich im Tierheim geboren oder mit ihren Müttern hergekommen. Insgesamt sei damit die Zahl der Katzen im Tierheim auf weit über 80 gestiegen. Da ist es kein Wunder, dass dies mitunter für ein krasses Ungleichgewicht zwischen Schützlingen und Pflegern sorgt: "Die letzten drei, vier Wochen waren wir hier nur zu zweit oder zu dritt", beklagt Petra Decken.

Mitarbeiter der Frankfurter Tierheime haben kaum Zeit fürs Streicheln

Konsequenz: Viel Rödelei für die Mitarbeiter - und kaum Zeit für Streicheleinheiten für die Schützlinge des Tierheims. "Zum Glück", berichten die Leiterin, haben wir den Luxus einer ehrenamtlichen Katzenstreichlerin, die uns ein- bis zweimal die Woche besucht." Doch auch in der Kleintierhütte passt kaum ein Salatblatt mehr hinein: Mit 70 Kaninchen sei auch hier nach Worten Deckens die Grenze erreicht.

Die Gründe dafür? Offenbar, so glaubt Petra Decken, machen sich viele neue Tierbesitzer kaum Gedanken darüber, was in der Urlaubszeit mit ihrem Hund, Kaninchen oder ihrer Katze geschehen soll - "auch die Zoogeschäfte klären sie nicht immer darüber auf". Manche Zeitgenossen riefen zwei Wochen vor der Fahrt in den Urlaub wegen eines Platzes bei der Tierpension an - und fielen dann aus allen Wolken, "weil die längst ausgebucht sind". Teils sei ihnen der Preis für die Unterkunft auch zu teuer: Für eine Katze bezahle man pro Tag immerhin zwischen 10 und 20 Euro. Am Ende stehe dann oft der Entschluss, "diesen Stress einfach nicht mehr haben zu wollen - und sich deshalb vom Tier trennen."

Doch noch andere Gründe können bei einer solchen Entscheidung eine Rolle spielen - Petra Decken zählt einige auf: "Die Kinder kümmern sich nicht wie erhofft um das Tier; der Vater entwickelt eine Heuallergie; die Mutter oder auch die neue Putzfrau reagieren empfindlich auf Katzenhaare." Oder aber es stünde nach dem Urlaub ein Umzug an - und der Vermieter dulde keine Haustiere.

Jüngst, erzählt sie, habe das Tierheim eine vermittelte Katze zurückbekommen, weil sie das Sofa ihrer Besitzerin zerkratzt hätte und der neue Lebensgefährte das nicht wollte. Eigentlich, findet Decken, sollte das aber kein Grund sein, sich vom Tier zu trennen. "Einige Katzen zerkratzen eben auch gerne das Sofa. In diesem Fall gibt es aber auch andere Möglichkeiten, etwa, das Möbelstück abzudecken."

Gerade für Wohnungskatzen kann ein Aufenthalt in einer Pension katastrophal sein

Der regelmäßigen Überfüllung während der Sommerurlaubsmonate sei es geschuldet, dass das Tierheim Nied nur noch im Notfall als Katzenpension diene - "und auch dann nur für solche Tiere, die wir vermittelt haben".

Das habe auch den Vorteil, dass die Fellpfoten die Umgebung schon aus der Vergangenheit kennen. Denn eine fremde Umgebung bedeute gerade für Katzen besonders viel Stress, den man nach Möglichkeit vermeiden sollte. Gerade für Wohnungskatzen, die keinen Umgang mit anderen Tieren mehr gewöhnt sind, kann der Aufenthalt in einer Pension katastrophal sein.

Im schlimmsten Falle erkrankten die Tiere sogar. Ein Katzensitter sei hier die beste Lösung, der ein- bis zweimal am Tag nach dem rechten schaut und Futter nachfüllt.

Und wie gehen die Tiere mit der sommerlichen Hitze um? Solange die Temperaturen nicht über 25 Grad betrügen, kommen die Tiere gut klar, sagt Petra Decken. Wenn die Quecksilbersäule jedoch in Richtung 40-Grad-Marke steige, gelte: "Schon morgens alle Fenster schließen - denn da kommt nur heiße Luft rein", empfiehlt sie.

Außerdem sollte man seinen Lieblingen kühle Stellen auf dem Boden einrichten, etwa mit Hilfe von "Decken aus Damast oder Baumwolle, bloß kein Vlies", empfiehlt sie. Ebenfalls hilfreich sei es, möglichst mehrere Wasserstellen einzurichten oder nasse Handtücher aufzuhängen, die ihre Feuchtigkeit an die Raumluft weitergeben.

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