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Im Neubaugebiet in Nieder-Erlenbach gibt es Ärger um die Regelung des Erbpacht-Rabatts für Häuslebauer.foto: Leonhard Hamerski

Hausbau

Frankfurt: Spekulanten im Visier, Familien getroffen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Erbpachtregelung sollte Geschäfte verhindern - Käufer klagen jetzt über unerwartete Kosten.

Frankfurt -Eigentlich will die Stadt Familien großzügig per günstiger Erbpacht und Kinderrabatt fördern, wenn sie sich ein eigenes Häuschen bauen. Doch sie stellt dabei hohe Nebenkosten in Rechnung, was die Familien in die Bredouille bringt. Weitere Betroffene melden sich nun zu Wort. Und auch im Römer kommt Bewegung in die Sache.

Ein eigenes Reihenhäuschen am Ortsrand von Nieder-Erlenbach im Baugebiet "Am Ohlenstück": Dass sie sich das einmal leisten können, haben sich Julia (30) und Fabio (29) nicht zu träumen gewagt. Dennoch bauen die beiden Polizisten nun ein neues Heim für ihre Familie. Töchterchen Alessia (2) soll ebenso einziehen wie ein weiteres Kind. Geburtstermin: Anfang November.

Völlig unerwartet allerdings wird das Projekt Hausbau aktuell zum Problem. Eigentlich war alles durchgerechnet: Weil die Stadt das 294 Quadratmeter große Grundstücke in Erbpacht zur Verfügung stellt, sinken die Kosten soweit, dass auch eine weniger begüterte Familie wie das Polizisten-Ehepaar bauen kann.

Schwierig wurde die Finanzierung dennoch, weil die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG, die die Projekte für die Stadt abwickelt, einige Nebenkosten separat abrechnet und ausgezahlt bekommen möchte. Dazu zählt etwa ein Kaufpreis für das Erbbaurecht. Statt so etwas günstig über den Gesamtkaufpreis zu finanzieren zu können, muss das Polizisten-Ehepaar hohe Einzelsummen überweisen. Auch andere Familien trifft das hart - Familie Rakow hatte das Problem in dieser Zeitung öffentlich gemacht.

Auch für ihre künftigen Nachbarn Julia und Fabio kam das böse Erwachen. Sie haben den versprochenen Rabatt von 20 Prozent je Kind auf die Erbbau-Pacht einkalkuliert. Weil der Rabatt bei der knappen Finanzierung "ein nicht unwesentliches Thema" sei, hätten sie im Gespräch bei der ABG ausdrücklich nachgefragt, "ob die Erbpacht unmittelbar reduziert wird", erinnert sich Fabio. "Dies wurde bejaht."

3000 Euro, die nicht einkalkuliert waren

Bloß: Das städtische Amt für Bau und Immobilien (ABI) berechnete die Erbpacht dann doch voll. Der Rabatt könne erst gewährt werden, sobald die Familie das Haus bewohne, hatte die Stadt bereits im Fall von Familie Rakow erklärt. Schließlich könnten die Besitzer doch nicht selbst einziehen, sondern ihre Immobilie lukrativ weiterverkaufen.

Neben den 1400 Euro Miete für ihre bisherige Wohnung und den Raten für die Finanzierung fällt beim Polizisten-Paar die Belastung nun während der Bauphase noch höher aus als befürchtet. Denn ihnen fehlen derzeit 20, ab November dann 40 Prozent Kinderrabatt bei der Erbpacht.

Das dürfte in Summe wohl um die 3000 Euro ausmachen bis zum Einzug Anfang 2022. "Das haben wir absolut nicht einkalkuliert", sagt Vater Fabio. Und es wird zum handfesten Problem, da die Hausfinanzierung die Möglichkeiten der beiden Staatsdiener ohnehin schon auf den letzten Cent ausreizt. Wichtig ist der Rabatt auch deshalb, weil Mama Julia ab November für zwei Jahre in Elternzeit geht. "Dann ist unser Einkommen stark dezimiert."

Sie seien nicht die einzige Familie, die sich bereits gemeldet habe, erzählt Fabio von einem Telefonat mit dem ABI. Der Polizist vermutet, dass die ABG auch andere nicht ausreichend in ihren Gesprächen informiert hat. "Weshalb den Familien nun finanzielle Mehrkosten entstehen, mit welchen nicht kalkuliert wurde."

Inzwischen liegt das Thema beim Immobiliendezernenten Jan Schneider (CDU) auf dem Tisch. "Das Problem ist erkannt", erklärt sein Sprecher Günter Murr. Die Stadtverordneten hätten mit der Regelung des Rabatts erst ab Einzug Spekulationsgeschäften vorbeugen wollen - aber nicht bezweckt, dass eine Doppelbelastung für die Familien entstehe. "Das wollen wir vermeiden", beteuert Schneiders Sprecher.

Der Dezernent will nun mit den Familien direkt sprechen. Und man prüft im Römer, welcher Weg rechtlich einwandfrei aus dem Dilemma herausführt, erklärt Günter Murr. "Wir streben an, eine kluge und familienfreundliche Lösung zu finden." Auf die fiebern Julia und Fabio sowie die kleine Alessia und bald auch ihr Geschwisterchen bereits hin. Dennis pfeiffer-Goldmann

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