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Daniel Sterner führt als Geschäftsführer der Sektion Frankfurt des Deutschen Alpenvereins (DAV) einen der mitgliederstärksten Frankfurter Sportvereine. Die Einnahmeausfälle seines Vereins bezeichnet er als "gewaltig".

Corona-Krise

Frankfurt: Sportvereine blicken sorgenvoll in die Zukunft

Die Corona-Krise setzt auch den Sportvereinen in Frankfurt zu. Denn obwohl Einnahmen wegbrechen, haben viele Vereine keinen Anspruch auf Landesmittel. 

  • Die Corona-Krise trift viele Sportvereine in Frankfurt hart
  • Denn obwohl Einnahmen für die Sportvereine in Frankfurt wegbrechen, haben viele Vereine keinen Anspruch auf Landesmittel
  • Deswegen blicken viele Leiter von Sportvereinen in Frankfurt mit großer Sorge in die Zukunft

Frankfurt -Die Situation ist für Roland Frischkorn ziemlich paradox. Der Sport in den Vereinen ruht seit Wochen, und dennoch sagt der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt: "Ich habe mehr zu tun als vorher." Der Sportkreis ist der Dachverband der 420 Frankfurter Turn- und Sportvereine und bekommt derzeit viele besorgte Anrufe. "Ich führe ganz, ganz viele Telefongespräche und versuche Übungsleiter bei Laune zu halten. Ich bin quasi seelsorgerisch tätig", erzählt Frischkorn. Die jetzt vom Land Hessen aufgelegte Soforthilfe für Vereine soll auch den Sportvereinen zugutekommen. Bis zu 10 000 Euro gibt es. "Das ist ein wichtiges Zeichen, aber ein Tropfen auf den heißen Stein."

Der Sportkreis hatte schon im März bei den Klubs angefragt, wie sehr sie das Ruhen des Vereinssports finanziell belastet. 60 Vereine antworteten sofort. "Das sind die, denen es auf den Nägeln brennt", ist sich Frischkorn sicher. Geantwortet hat zum Beispiel der Deutsche Alpenverein. Die Sektion Frankfurt ist mit ihren rund 11 000 Mitgliedern der drittgrößte Sportverein der Stadt.

Derzeit entfallen den Alpinisten Einnahmen aus der großen Kletterhalle, der Cafeteria, aus ausgefallenen Kursen oder den geschlossenen Alpenhütten. "Die Einnahmeausfälle sind gewaltig", sagt Daniel Sterner, der Vorsitzende der Sektion Frankfurt. Über die Soforthilfe des Landes müsste daher eigentlich Jubel ausbrechen. "Das ist für Vereine Gold wert", bestätigt Sterner, glaubt aber: "Für uns kommt es nicht infrage, weil wir keine Bedürftigkeit nachweisen können." Die Sektion zehrt noch von den Jahresbeiträgen ihrer 11 000 Mitglieder.

Sportvereine in Frankfurt während der Corona-Krise: Gewaltige Ausfälle

Welche Vereine überhaupt in den Genuss der Hilfe kommen können, blieb am Dienstag noch unklar. Laut den Regularien der Staatskanzlei dürfen sie nicht schon vor dem 11. März in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sein, müssen aber knapp sechs Wochen später einen "existenzbedrohlichen Liquiditätsengpass" nachweisen können, wie es auf dem Antragsformular heißt. Auf Nachfrage teilt das Ministerium für Sport mit: "Die Hilfe ist für kleine Vereine, die nichts auf der hohen Kante haben." Letztlich werde der sieben Millionen Euro große Hilfsfonds aus Steuergeld finanziert, gab der Sprecher zu bedenken.

Auch beim Höchster Tennis- und Hockeyclub herrscht noch Unklarheit, ob er die Hilfe in Anspruch nehmen kann. "Wir prüfen das", sagt Vorsitzender Wolfgang Hofmann. Der Traditionsverein hat sich in den vergangenen drei Jahren mächtig ins Zeug gelegt. Sechs Millionen Euro investierte er in den Bau einer neuen Anlage mit Hockeyfeld, Tennishalle und Tennisplätzen. Dafür muss der Verein einen Kredit bedienen und hofft auf steigende Mitgliederzahlen, mit denen sich die Investitionen amortisieren. Doch die Werbung dafür fällt schwer, wenn gar kein Sport betrieben werden darf.

Sportkreisvorsitzender

Schwierige Lage für viele Sportvereine in Frankfurt: Pläne durchgekreuzt

"Wir haben einen wohldurchdachten Plan, der gerade durchkreuzt wird", gesteht Hofmann. Mit seinen derzeit 600 Mitgliedern ist der THC sicherlich nicht klein, aber auf der hohen Kante hat er aus nachvollziehbaren Gründen auch nichts.

Laut Satzung dürfen gemeinnützige Vereine das ohnehin nicht haben. Für Frischkorn ein Zustand, der überdacht werden müsse: "Es ist eine der Lehren aus der Corona-Krise, dass wir den Vereinen erlauben müssen, künftig Rücklagen zu bilden", sagt der Sportkreis-Chef. Für ihn und seinen Dachverband mit den gut 40 Mitarbeitern ist diese Zeit doppelt schwer. Sie müssen sich nicht nur um die Vereine kümmern, sondern auch um das eigene Fortbestehen sorgen. Denn solidarische und zahlende Mitglieder, wie sie die Vereine haben, hat der Sportkreis nicht. "Wir werden zu 100 Prozent durch Sponsoren finanziert", erläutert Frischkorn. Daher wiege auch der Ausfall von Veranstaltungen wie dem Museumsuferfest oder der Bolzplatzliga für Vereine, aber eben auch für den Sportkreis Frankfurt schwer.

red

Nirgendwo in Hessen müssen Sportvereine mehr für die Hallennutzung zahlen als in Frankfurt. Im Januar werden die Gebühren noch einmal deutlich erhöht. Judoka und Handballer gehen auf die Barrikaden.

Kein Sportverein wie jeder andere: Der Verband Makkabi vereint 37 deutsche Sportvereine mit jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern. Sie betonen Toleranz und Sportsgeist - und müssen sich gegen Beschimpfungen und Attacken wehren.

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