Die Hochhausschluchten an der Kreuzung Neue Mainzer Straße/Große Gallusstraße sind beeindruckend - und das erste Bild im Vorspann der ZDF-Erfolgsserie "Bad Banks". Klar, dass die Teilnehmer der Führung dort Station machen. Foto: Rainer Rüffer
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Die Hochhausschluchten an der Kreuzung Neue Mainzer Straße/Große Gallusstraße sind beeindruckend - und das erste Bild im Vorspann der ZDF-Erfolgsserie "Bad Banks". Klar, dass die Teilnehmer der Führung dort Station machen. Foto: Rainer Rüffer

Stadtführung

Frankfurt: Auf den Spuren der Bad Banks

  • vonKatja Sturm
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Ein Spaziergang zu den Drehorten der Erfolgsserie um Karrierefrau Jana Liekam im Frankfurter Bankenviertel.

Frankfurt. -Frankfurter kennen das: Ob "Tatort" oder "Ein Fall für zwei" - manchmal ist das spannendere Rätsel jenes zu ermitteln, an welchen Orten in der Stadt bestimmte Szenen entstanden sind. Michael Quaas geht das nicht anders. So hat der erfahrene Stadtführer aus den Ergebnissen, die er mit Hilfe der Produktionsfirma herausbekam, sogar eine eigene Tour zur ZDF-Erfolgsserie "Bad Banks" kreiert.

Schon das erste Bild des Vorspanns, von unten her an der Kreuzung Neue Mainzer Straße/Große Gallusstraße aufgenommen, die die einzige in Europa mit vier Gebäuden höher als 100 Meter an allen Ecken ist, spiegelt die besondere Faszination Frankfurts wider: die Hochhausschluchten der Skyline, die man nicht nur, aber vor allem den zahlreichen hier ansässigen Geldinstituten verdankt. An manchen Stellen in der City schirmen sie so gekonnt die Sonne ab, dass selbst beim Anblick eines Fotos die Kälte zu spüren ist.

Ein Moment voller Symbolkraft. Denn was sich hinter den Kulissen der glänzenden Fassaden abspielt, sind, will man den Autoren der ersten beiden Staffeln der deutsch-luxemburgischen Produktion Glauben schenken, rücksichtslos geführte und von Intrigen geprägte Geschäfte.

Der Blick ins Innere bleibt verwehrt

"Es wurde sehr genau recherchiert", betont Quaas vor der Gruppe, die Corona-bedingt an diesem Freitagabend nur eine kleine ist. Gerade mal ein halbes Dutzend Neugieriger hat sich ihm angeschlossen. Aus Aschaffenburg, Hanau, Darmstadt oder Eschborn kommend und erstaunlicherweise nicht nur aus hartgesottenen Fans der Karrierelaufbahn der jungen Investmentbankerin Jana Liekam bestehend, um die sich zweimal sechs Folgen lang alles dreht. Mitten hinein in die Zentralen des schwer durchschaubaren Business wird es für sie aus Sicherheitsgründen nicht gehen. Sie müssen sich, wie sonst auch, mit einem Blick von außen zufrieden geben.

Den allerdings kann Quaas mit Insiderwissen und Anekdoten würzen. Er habe sogar die Mobilnummer des Besitzers der Wohnung, in der Liekam alias Paula Beer während ihrer Zeit in Frankfurt lebt. Ein Appartement im Wohngebäude des Taunusturms, aus dessen riesigen Glasfenstern die Protagonistin einen herrlichen Ausblick auf die meist nächtliche Stadt genießt. Doktor F., so der Eigentümer, hat das Loft für 4000 Euro pro Tag zur Verfügung gestellt. Jetzt wolle er aber sicher seine Ruhe haben.

Den Sitz der Global Invest gibt es nicht

Das Bauwerk des Finanzriesen Global Invest, bei dem Liekam nach ihrem Rausschmiss bei der Crédit International Financial Group in Luxemburg anfängt, sucht man vergebens. An seiner Stelle befindet sich in der Taunusanlage 11 der Sitz einer Anwaltskanzlei, die ihre obersten beiden Etagen als Büros für die Finanzchefs wie die von Désirée Nosbusch dargestellte Christelle Leblanc oder Vorstand Quirin Sydow, den Tobias Moretti mimt, zur Verfügung stellte.

Viel näher kommt man den Verschwörern im Parkhaus Schillerpassage. Hier, ganz oben, kritisierte Leblanc Luc Jacoby für seine enttäuschende Arbeit. Wer will, kann sich am Geländer genauso positionieren wie Schauspieler Marc Limpach - Quaas macht's vor. Er hat genau aufgeschrieben, in welcher Staffel und Folge das passiert. Selbst Minutenangaben fehlen nicht. Natürlich gab es am Ausgangspunkt der Runde, passenderweise auf dem Börsenplatz und vor den das Auf und Ab der Kurse repräsentierenden Statuen von Bulle und Bär, eine Kurzzusammenfassung der Handlung für all jene, die sie nicht im Gedächtnis haben.

Zwischendrin wartet eine kleine Erfrischung. Fast ein Zwangsbier, möchte man sagen. Denn wenn man sich an den hohen Tischen der Kneipe "Zum Bitburger" in der Hochstraße niederlässt, die in dieser Form seit 35 Jahren existiert, sollte man die flüssige Spezialität probieren.

Bedienung Isabell Günther weiß nicht nur zu berichten, dass der bei Bänkern auch in der Realität beliebte Gastronomiebetrieb in der Serie als "Biburger" vorkommt, um Schleichwerbung zu vermeiden. Sie erzählt zudem, wie konzentriert Moretti seine Szene auf Englisch übte und wie sich ein Kollege von ihr darüber freute, mit dem verehrten "Kommissar Rex" zu tun zu haben.

Es gibt noch einige Drehorte mehr in der Nähe zu sehen, den Eschenheimer Turm etwa oder die Goethestraße, in der sich Escort-Dame Vicky beim Shoppen verlustierte. Andere Plätze, die in "Bad Banks" vorkommen, befinden sich zu weit ab vom Schuss, um innerhalb der festgelegten zwei Stunden hinzulaufen.

Zum gemütlichen Ausklang geht es per Glasaufzug hinauf in die 22nd Bar im Innside Hotel. Hier wurde zwar nichts gespielt, aber Bar Manager Ioannis Bismpas hält zwei verschiedene Cocktails bereit, die Existenz und Namen der Serie verdanken.

Endlich kann man sich alles auch mal von oben ansehen. Der Blick schweift hinüber zur Europäischen Zentralbank (EZB). Noch so ein Riese, der für die Finanzstadt steht. Von der Sonne beschienen wirkt sie harmlos.

Katja Sturm

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