René Moriggl steht in der Tiefgarage in der Nordweststadt. FOTO: Enrico sauda
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René Moriggl steht in der Tiefgarage in der Nordweststadt.

Nachhaltigkeit

Frankfurt bremst Elektroautos aus – trotz hoher Nachfrage

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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In Frankfurt kommt der Bau von Ladesäulen für Elektroautos auf Parkplätzen, in Garagen und Tiefgaragen nur schleppend voran. Ein Grund ist die fehlende Stromkapazität.

Frankfurt – Auf Lademöglichkeiten für Elektroautos in ihrer Nachbarschaft werden viele Bewohner von Mehrfamilienhäusern in Frankfurt wohl noch länger warten müssen. Der Bau von Ladesäulen auf Parkplätzen, in Garagen und Tiefgaragen von Wohnanlagen kommt nur sehr schleppend in Gang. Just die Stadt selbst hat die Handbremse voll angezogen.

René Moriggl (70) ist sauer. Gut 100 000 Kilometer hat sein Ford Fiesta auf der Uhr, der Kauf eines neuen Wagens steht an. "Vielleicht mein letztes Fahrzeug", sagt der Rentner und lächelt. Gefruchtet haben bei ihm die Appelle der Politik aus Bund, Land und Römer: Er würde gern ein Elektroauto kaufen. "Aber ich kann es nicht tanken", sagt Moriggl. In der Tiefgarage unter seinem Haus in der Nordweststadt, wo er seit 30 Jahren einen Stellplatz gemietet hat, fehlt eine Ladesäule.

Die wird es auch in absehbarer Zeit nicht geben. "Ich habe bei der Stadt angerufen." Die betreibt die Tiefgarage über die stadteigene Parkhaus-Betriebsgesellschaft (PBG). Er habe angeboten, den Einbau der Säule selbst zu bezahlen, sagt Moriggl. Doch die Antwort war ein Nein, weil der Einbauaufwand zu groß sei. Er habe nur den Tipp bekommen, er könne doch zum nahe gelegenen Baumarkt an die dortige Ladesäule fahren. "Das kann es nicht sein", sagt der Rentner. Schließlich gebe es ein gesetzliches Anrecht auf eine Lademöglichkeit.

Elektroautos in Frankfurt: "Das größte Problem ist die Stromkapazität"

Das bestätigt Gregor Weil, Geschäftsführer des Immobilienbesitzerverbandes Haus & Grund in Frankfurt. "Sondereigentümer und Mieter haben eine Anspruch." Das Bundesgesetz dazu gilt seit Dezember vorigen Jahres. Ablehnen dürfe es der Eigentümer der Garage oder Parkplatzanlage nur, "wenn damit ein sehr großer Aufwand verbunden wäre". Also hat ein Stellplatzmieter wie René Moriggl keine Chance, wenn der Vermieter sagt, dass die alten Elektroleitungen den Einbau nicht zuließen? Das sei als Ausrede nicht möglich, sagt Fachmann Weil. Es könne ja die Verkabelung erneuert oder ein neues Kabel verlegt werden. Das müsse natürlich der Antragsteller zahlen, räumt Weil ein. Der Fachmann von Haus & Grund empfiehlt daher, schon im Vorfeld mit einem Elektriker zu besprechen, was nötig ist. Es erhöhe die Erfolgsaussichten, wenn die Wallbox beim Eigentümer oder der Eigentümergemeinschaft möglichst konkret beantragt werde.

Eine Hürde gebe es aber: "Das größte Problem ist die Stromkapazität" im Stadtviertel, räumt der Haus & Grund-Experte ein. "Wenn die nicht ausreicht, hilft auch kein Rechtsanspruch." Ob das Stromnetz weitere Abnehmer verträgt, müsse mit dem Netzbetreiber - den Netzdienste Rhein-Main - abgesprochen werden. Der Netzbetreiber muss das Netz zwar, falls nötig, ausbauen. Das allerdings braucht seine Zeit.

Lademöglichkeiten für Elektroautos in Frankfurt: Mehrere Anfragen in der Woche

An der Kapazität des öffentlichen Stromnetzes hakt es auch in der Nordweststadt, erklärt Michael Bachmann, Geschäftsführer der für René Moriggls Tiefgarage zuständigen städtischen PBG. Man sei mit den Netzdiensten im Gespräch. "Die Infrastruktur muss ergänzt werden." Das betreffe auch die Tiefgaragen, die zwar 60 Jahre alt, aber nur "auf dem technisch notwendigen Stand gehalten" seien - also ebenso neue Stromkabel bräuchten. Allein: Bis wann die Tiefgaragen zum Beispiel in der Nordweststadt Lademöglichkeiten erhalten, "da haben wir keine Ziele gesetzt", sagt Bachmann. Auch von der Stadt gebe es keine Vorgaben, die Investition koste halt Geld.

Ein großes Thema sei das bisher aber auch nicht, sagt der PBG-Geschäftsführer. Es gebe für die Parkplatzanlagen bisher nur "vereinzelte Anfragen" von Mietern nach Lademöglichkeiten. Insgesamt in der Stadt sieht das anders aus: "Die Beratungsanfragen sind spürbar da, mehrere in der Woche", heißt es bei Haus & Grund.

Elektroautos in Frankfurt: Bund fördert private Ladesäulen mit 900 Euro

Bereits 800 Ladepunkte mit Wallboxen für Elektroautos habe die Mainova schon installiert, erklärt Ulrike Schulz, Sprecherin des Energieversorgers. Durch den Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos steige die Nachfrage nach Lademöglichkeiten. "Auch Mieter und Wohnungseigentümer erwarten zunehmend Lademöglichkeiten vor der Tür." Der Bund fördert private Ladesäulen mit 900 Euro. Wegen der großen Nachfrage schoss er gerade sogar 300 Millionen Euro in das Förderprogramm nach. Die Mainova bietet die Wallbox dadurch für den Kunden abzüglich der Fördergelder für knapp 1200 Euro an.

Dass man just im Römer in Sachen sauberes Fahren auf der Leitung steht, hat René Moriggl nun unter Strom gesetzt. Die Ablehnung wolle er sich schriftlich geben lassen, um dann dagegen vorgehen zu können. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Wie der Anbieter Qwello berichtet, wurden von 680 beantragten Ladesäulen bislang nur 30 genehmigt. Grund ist unter anderem eine aufwändige Standortprüfung, etwa auf Denkmalschutz. Bis 2030 soll es jedoch 7000 bis 8000 Ladesäulen geben, prognostiziert der Qwello-Chef.

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