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Spitzenverdiener: Diesem Boss zahlt die Stadt Frankfurt das meiste Geld

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So viel zahlt Frankfurt seinen Spitzenverdienern. Ein Boss übertrifft alle. Die Stadt Frankfurt mischt in über 500 Unternehmen in der Mainmetropole mit.

  • Die Stadt Frankfurt ist an vielen Unternehmen beteiligt
  • Spitzenverdiener in Frankfurt ist der Fraport-Chef Stefan Schulte
  • So viel verdienen Frankfurts Top-Verdiener

Frankfurt - Zum wirtschaftlichen Erfolg der Mainmetropole tragen auch die zahlreichen Firmen bei, an denen die Stadt beteiligt ist. In 573 Unternehmen mischte Frankfurt 2018 mit, das sind acht mehr als im Vorjahr. An 228 dieser Firmen hält Frankfurt direkt oder indirekt mehr als 20 Prozent.

Frankfurt: Stadt Frankfurt mischt bei einigen Unternehmen mit

Eines von ihnen, der Flughafenbetreiber Fraport AG, ist sogar im Börsensegment M-DAX notiert. Frankfurt besitzt 20,03 Prozent der Anteile am Flughafen, das Land Hessen 31,31 Prozent. Die Fraport AG ist damit mehrheitlich im Besitz der Öffentlichen Hand. Das Fraport-Management gehört zu den Spitzenverdienern unter den Unternehmen, bei denen städtische Vertreter im Aufsichtsrat sitzen. 2018 erhielt Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte (seit 2003 im Amt) 2,75 Millionen Euro (Vorjahr 2,37 Millionen Euro, seine Vorstandskollegen Anke Gießen 1,83 Millionen Euro (Vorjahr 1,49 Millionen Euro) und Matthias Zieschang 2,3 Millionen Euro (Vorjahr 1,78 Millionen Euro), Michael Müller 1,81 Millionen Euro (Vorjahr 1,48 Millionen Euro. Für die Aktionäre blieb trotzdem noch etwas übrig. Für das Jahr 2018 schüttete die Fraport AG 2,0 Euro je Anteilsschein aus. Das entsprach einer Dividendenrendite von 3,2 Prozent.

Stefan Schulte (2.v.li.), Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, ist der Top-Verdiener der Stadt Frankfurt.

Auch bei der ebenfalls international operierenden Frankfurter Messe wurden 2018 tolle Gehälter geboten, auch wenn sie gegenüber dem Vorjahr stagnierten: Wolfgang Marzin: 575 000 Euro (Vorjahr 580 000 Euro, Uwe Behm: 542 000 Euro (Vorjahr 548 000 Euro, Detlef Braun: 538 000 Euro (Vorjahr 535 000 Euro). Die Messe gehört zu 60 Prozent der Stadt, das Land Hessen besitzt die restlichen 40 Prozent.

Frankfurt: Fraport ist Spitzenreiter bei den Gehältern

Von solchen Gehältern können Frankfurts Spitzenpolitiker nur träumen. Oberbürgermeister Bürgermeister Peter Feldmann (SPD), verheiratet, zwei Kinder, erhielt 166 113 Euro. Da ist es gut, dass seine Ehefrau Zübeyde ein Spitzengehalt als Kitaleiterin bei der Awo bezog. Rund 4500 Euro brutto im Monat plus ein Dienstwagen der 40 000-Euro-Klasse besserten die gemeinsame Kasse im Hause Feldmann auf. Noch besser gestellt ist Awo-Geschäftsführer Jürgen Richter. Der Kümmerer um sozial Benachteiligte und Hilfsbedürftige verdiente rund 275 000 Euro brutto im Jahr.

Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) in Gehaltsgruppe B 9, ebenfalls verheiratet, zwei Kinder, bezog 2018 insgesamt 140 883 Euro brutto (Vorjahr 136 514 Euro). Möchte da der Bürgermeister nicht auch so viel verdienen, wie der Awo-Chef? "Nein, dessen Gehalt ist maßlos übertrieben", findet Becker. Mit seiner Aufgaben und seinem Gehalt ist Becker "dennoch hochzufrieden". In der freien Wirtschaft seien die Gehälter höher, aber als Bürgermeister könne er viel mehr gestalten. "Das wiegt mehr auf als der eine oder andere Euro, den es anderswo mehr gibt."

Aber wird Becker in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender städtischer Tochtergesellschaften von den Geschäftsführern nicht behandelt wie die arme Verwandtschaft vom Lande? "Den Geschäftsführern ist die jeweilige Rolle bewusst", sagt Becker. "Es ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe, keine Frage des Gehalts."

Als Aufsichtratsvorsitzender des städtischen Energiekonzerns Mainova entscheidet Becker auch über die Vorstandsbezüge. Die können sich sehen lassen: 2018 verdiente Vorstandschef Constantin Alsheimer laut Geschäftsbericht 606 084 Euro, (Vorjahr 581 576). Sein Vorstandskollege Norbert Breidenbach erhielt 494 635 Euro, (Vorjahr 473 904 Euro) .Lothar Herbst 475 415 Euro, (Vorjahr 448 344 Euro).

Frankfurt: So vielen verdienen die städtischen Spitzenverdiener

Auch die Kunst ist nicht immer brotlos: 2018 verdiente Opernintendant Bernd Loebe 391 000 Euro, sein Kollege Anselm Weber vom Schauspiel erhielt 264 000 Euro. Stephan Pauly, Geschäftsführer der Alten Oper, 211 000 Euro. Stadtverordnete im Aufsichtsrat der Alten Oper wie Renate Wolter-Brandecker (SPD), Nina Teufel (CDU) oder Sebastian Popp (Grüne) erhalten dagegen nur "Peanuts": 35,79 Euro pro Person und Sitzung. 

Feldmann und Becker sind im Aufsichtsrat von Fraport. Die Aufsichtsratsmitglieder erhalten dafür 35 000 Euro im Jahr. Aber nicht Feldmann und Becker. Nach der Verordnung über die Nebentätigkeit der hessischen Beamten müssen sie alles, was über 6150 Euro im Jahr liegt, an die Staatskasse abführen. Vielleicht ist Feldmann deshalb so selten bei den Sitzungen zugegen.

Auch bei kleineren städtischen Gesellschaften lässt sich gut verdienen. 2018 gab es für Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH 179 000 Euro, Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung erhielt 150 000 Euro, Frank Müller von den Bäderbetrieben (BFF) 142 000 Euro. 

von Thomas Remlein

Kurzstreckenflüge sind ein sehr umstrittenes Thema, Frankfurter Fluglärmgegner fordern eine Verlagerung der Ultrakurzstreckenflüge auf die Schienen. Auch in der Politik wird das lang und breit diskutiert - doch wie sieht es im Frankfurter Römer aus? Wie oft fliegen die Politiker selbst?

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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