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Eingezwängt zwischen Häusern verläuft die Bahntrasse am Südbahnhof Frankfurt – viel zu eng, um die Station auszubauen, erklärt die Stadt.

Bahnverkehr

Nachteile für Pendler: Stadt Frankfurt lehnt Südbahnhof-Ausbau ab

Den Südbahnhof zum zweiten Fernbahnhof in Frankfurt ausbauen, statt den Fernbahntunnel zu graben?  Fachleute lehnen das ab.

Frankfurt – Auf Dauer soll der Hauptbahnhof Frankfurt als einzige zentrale Umsteigestation in der Stadt bestehen bleiben. „Die Attraktivität Frankfurts im deutschen Fernverkehrsnetz ist die zentrale Umsteigemöglichkeit am Hauptbahnhof“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Diese solle mit dem Fernbahntunnel gestärkt werden - und nicht geschwächt, indem ein weiterer Fernbahnhof entsteht.

Statt des Tunnels lieber den Südbahnhof zu einem zweiten Fernbahnhof auszubauen, fordern einige Kritiker. So hatte die Initiative „Frankfurt 22“ um den Sozialwissenschaftler, Autor und Regisseur Klaus Gietinger den Tunnel zuletzt Ende September als „Milliardengrab“ gegeißelt. Oberirdisch gebe es genug Platz für neue Gleisführungen. Eine Ertüchtigung der Zufahrten zum Haupt- via Südbahnhof sei für nur rund 500 Millionen Euro realisierbar.

Frankfurt Hauptbahnhof (DB): Höhere Kapazität am Südbahnhof?

Den Tunnel taxiert der Bund als Bauherr auf 3,5 Milliarden Euro. Er soll vom Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs Frankfurt etwa sieben Kilometer weit unter der Stadt hindurch entweder Richtung Offenbach oder Hanau führen: zwei Gleise breit, ein viergleisiger ICE-Tiefbahnhof unterm Hauptbahnhof, Fertigstellung wohl zwischen 2030 und 2040.

Das weckt Erinnerungen an das vor gut zwei Jahrzehnten beerdigte Projekt „Frankfurt 21“. Dessen „Begleiterscheinungen“ hätten den „Protest gegen Frankfurt 21 potenziert“, erinnert Oesterling - etwa der drohende Wegfall von stark frequentierten Regionalzughalten am Süd- und Westbahnhof oder von S-Bahnen nach Bad Vilbel und Hanau. Der Fernbahntunnel jetzt habe ein anderes Ziel: „Der zentrale Unterschied ist, dass der Hauptbahnhof erhalten bleibt und nichts ersetzt wird“, so der Stadtrat. Daher rechnet er auch nicht mit breitem Widerstand.

Frankfurt Hauptbahnhof (DB) erweitern: Bebauung am Südbahnhof zu dicht

Die zusätzlichen Gleis-Kapazitäten will der Bund für eine Verdopplung des Fernverkehrs nutzen und der Rhein-Main-Verkehrsverbund für mehr Regionalzüge. Schon heute reicht die Kapazität im Hauptbahnhof Frankfurt nicht: Eine ICE-Linie nach Berlin kann alle zwei Stunden nur zum Flughafen- und Südbahnhof rollen, einige Regionalzüge für Pendler enden und beginnen am Südbahnhof. Eine Regionalexpresslinie aus Aschaffenburg fährt stets zum Stadion statt zum Hauptbahnhof. 

Einen Ausbau der Sachsenhäuser Station sehen Stadt und Fachwelt kritisch: „Der Südbahnhof ist in der Breite nicht erweiterbar“, sagt Oesterling. Die Bebauung sei „zu dicht“, sodass der Bahnhof „nicht signifikant erweitert werden könnte“, erklärt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte der Bahn-Infrastruktursparte DB Netz. Sollten dennoch mehr ICE dort halten, müssten Nahverkehrszüge weichen.

Frankfurt Hauptbahnhof (DB): Ausbau würde Südbahnhof für Pendler unattraktiver machen

„Dann wird es für Pendler unattraktiver“, für die der Südbahnhof aber sehr wichtig sei. Auch würden für viele Fahrgäste mehr Umstiege nötig, wenn sie zwischen den Fernbahnhöfen wechseln müssten und damit Reisezeiten erheblich länger, warnt Bolte.

Zudem fehlten am Südbahnhof gute Nahverkehrsanschlüsse wie am Hauptbahnhof Frankfurt*, ebenso die Infrastruktur im Umfeld, erläutert Oesterling. Beispiel: Massive Hotelneubauten in Sachsenhausen wolle er nicht. „Die Verlegung des Hauptbahnhofs an den Südbahnhof lehnen wir auch aus städtebaulichen Gründen ab.“

Der Dezernent erinnert auch daran, dass der Hauptbahnhof einst extra gebaut wurde, um mehrere Einzelbahnhöfe zusammenzufassen und das Reisen bequemer zu machen. „Es wäre ein Nachteil, wenn wir wieder in die Zeit vor 1888 mit mehreren Bahnhöfen zurückgeworfen würden.“

Laut Google Maps gibt es zwei Hauptbahnhöfe in Frankfurt: Neuer Hauptbahnhof an der Miquelallee*

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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