+
Spätestens seit dem großen Erfolg der ZDF-Serie "Bad Banks" zählt Frankfurt bei den Filmemachern zu den beliebtesten Drehorten. 

“Perfekte Bühne“

Klein-Hollywood am Main: So oft werden in Frankfurt Filme gedreht 

Gelangweilte Millionäre springen per Basejump(-Double) vom Messeturm, junge Hip-Hop-Produzenten suchen im Musik-Haifischbecken ihr Glück, Detektive und Kriminalbeamte verfolgen Bösewichte, ausgebuffte Banker treiben ihr Big Business auf die Spitze. Frankfurt bietet für vielfältigste Filmproduktionen passende Schauplätze. 

Frankfurt - viele Filmemacher sind angetan. Frankfurt sei "die perfekte Bühne für menschliche Dramen um Geld, Macht, Liebe und Musik", lobt etwa der Berliner Dennis Schanz. Er hat die Drehbücher der neuen Netflix-Produktion "Skylines" mit drei Kollegen geschrieben. 

Die sechsteilige Serie mit dem deutschen Filmstar Richy Müller ("Tatort") in einer Hauptrolle widmet sich der Hip-Hop-, Immobilien- und Drogenszene von Frankfurt und beginnt am 27. September. Um (angeblich) leicht verdientes Geld im Escortservice dreht sich ein Film, den der Hessische Rundfunk unterm Arbeitstitel "Sugarbabe" bis Ende Juli in Frankfurt und Umgebung gedreht hat.

Frankfurt: Beliebtes Ziel für Filmproduktionen 

Das Thema Mieten-Wahnsinn und Gentrifizierung ist längst abgehandelt: David Nawraths Kinodebüt "Atlas" spielte im Bahnhofsviertel und im Nordend. Tatort-Kommissare ermitteln ebenso regelmäßig am Main wie ein Privatdetektiv (mit Hausboot) samt Anwalt ("Ein Fall für Zwei"). 

Auch Regiegrößen wie Doris Dörrie, Bernd Eichinger, Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder drehten hier. Matthias Schweighöfers Erfolgsfilme "Schlussmacher" und "What a Man" spielten unter anderem auf dem Eisernen Steg, vor der Alten Oper, auf dem Schweizer Platz, in der Eissporthalle, im Palmengarten, am Museumsufer und in der Schillerschule in Sachsenhausen.

Frankfurt: Netflix produziert "Skylines" 

Frankfurt hat der Filmindustrie viel zu bieten: Wolkenkratzer, Banken, Fluss, Brücken, Hafen, Rotlichtviertel, Bahnhof, Flughafen und dörfliches Idyll. Spätestens seit dem großen Erfolg der ZDF-Auftaktserie "Bad Banks", die 2018 Preise abräumte, ist die Stadt erneut als Filmkulisse gefragt. Waren es bislang fast nur deutsche Produktionen, könnte ab dem 27. September womöglich der internationale Durchbruch folgen: Der Streaming-Dienst Netflix wird die sechsteilige Serie "Skylines" in 190 Ländern anbieten. 

Dies und die Tatsache, dass auch prominent besetzte Spielfilm-Projekte im Land entstehen, lässt viele hoffen, dass die Filmstandorte Frankfurt und Hessen an Bedeutung zulegen. Denn: "Filme sind ein effektives Standortmarketing", sagt Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU).

Matthias Schweighöfer (r.) mit seinem Filmpartner Milan Peschel im Film der "Schlussmacher", der in Frankfurt gedreht wurde. Foto: obs/SAT.1

Etliche in Frankfurt ansässige Film-, Pre- und Postproduktionen, weitere Dienstleister und die Stadt selbst fördern das Genre, letztere unter anderem mit einem ausgeklügelten "Production Guide" für Filmschaffende. Drehgenehmigungen werden möglichst schnell erteilt, dafür wurde 2017 eigens eine zweite Stelle im Ordnungsamt geschaffen. 

Auch sind immer wieder Filmexperten und Stars am Main zu Gast, entweder im Deutschen Filmmuseum, bei Filmfestivals wie "Lucas", "Lichter" oder "Nippon" sowie bei Veranstaltungen wie dem Live Entertainment Award (LEA), der seit 2006 jährlich vergeben wird und seit 2010 den Auftakt der Frankfurter Musikmesse bildet. Auch Events wie die "Effie-Gala" des in Frankfurt ansässigen Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA) oder die "Gameplaces" der Videospielbranche schätzt Stadtrat Frank: "Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Film- und Kreativbranche hier wohlfühlt und hierher kommt."

Frankfurt: Skyline, Museumsufer, Bahnhof und Palmengarten beliebt 

Das Geschäft mit den bewegten Bildern ist beliebt, bringt es neben Geld doch auch Glamour ein und kann das Image von Städten, Dörfern und Regionen befeuern. Das weiß man auch bei der vor rund drei Jahren neu aufgestellten Filmförderung des Landes, der Hessen Film und Medien GmbH, kurz HessenFilm. Sie hat ihren Sitz in Frankfurt, die Geschäfte führt Hans Joachim Mendig. Er sagt: "Wir liegen seit 2019 bei einem Jahresbudget von rund 11,5 Millionen Euro (2014 waren es 8 Millionen Euro) und haben damit zu den anderen Länderförderern aufgeschlossen". 

Davon werden Dreharbeiten, Postproduktionen, Dokumentarfilme, Filmfestivals, Programmkinos und Nachwuchsfirmen unterstützt; die Darlehen sind entweder verzinst oder zinsfrei zurückzahlbar. Meist ist daran auch die Bedingung geknüpft, dass das Geld nur in Hessen ausgegeben werden darf. Die rund 500 000 Euro Zuschuss für die zweite Staffel von "Bad Banks" etwa wurden nur unter der Auflage bewilligt, dass die Produzenten für mindestens 750 000 Euro Aufträge an hessische Unternehmen und Freiberufler vergeben.

Steigende Nachfrage nach Drehgenehmigungen in Frankfurt

Filmexperte Mendig schätzt, dass jeder Euro, der in die Filmförderung gesteckt wird, drei bis fünf Euro einspielt. Der Image-Gewinn für die Drehorte komme hinzu. Die HessenFilm fördert auch darum den Nachwuchs in der Film- und Medienbranche in den Bereichen Regie, Produktion, Drehbuch oder Postproduktion. Sie will nachhaltige Strukturen schaffen und arbeitet derzeit an einem Stipendienprogramm für unterschiedliche Ausbildungsberufe. 

Hintergrund ist laut Geschäftsführer Mendig auch der Mangel an Fachpersonal: "Wir wollen, dass junge talentierte Filmemacher in Hessen ihre ersten großen Projekte realisieren und am Standort bleiben." Nur so könne der Filmstandort nachhaltig wachsen. Auch darum lehrt er seit diesem Sommersemester an der Darmstädter Fachhochschule am Fachbereich Film/Medien und bietet Jour fixes in Frankfurt an.

Frankfurt noch hinter Berlin

Insgesamt gehen die Zahlen nach oben, der Umsatz der Branche ist in Hessen in sieben Jahren um rund 26 Prozent gewachsen. Zudem verzeichnete die Stadt Frankfurt in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage nach Drehgenehmigungen und Straßensperrungen für die Aufnahmen. 

Besonders gern filmen die Teams auf den Brücken, das beliebteste Motiv neben der Skyline ist die Häuserschlucht an der Neuen Mainzer Straße. Mendig sagt offen: "Nach meinem Geschmack könnten die positiven Seiten der Stadt noch etwas stärker in den Focus rücken - etwa die Berger Straße, der Schwedlersee oder das Dichterviertel."

Ist die Bankenmetropole also "Klein-Hollywood" am Main? Sicher nicht. Berlin ist nach wie vor die deutsche Filmhauptstadt. Aber eine kleine, rührige Szene in Frankfurt arbeitet daran, die Stadt auf die internationale Leinwand zu bringen. Die Macher sind gut vernetzt. Seit 2010 geht es stetig aufwärts, ein Auslöser des Booms ist die finanzielle Förderung. 

Zudem studieren an den verschiedenen Hochschulen der Region potenzielle Nachwuchskräfte. Auch die Vertriebsschiene wird in Frankfurt bedient, das beweist die an der Darmstädter Landstraße ansässige Deutschlandzentrale von "20th Century Fox". Hinzu kommt die Frankfurter Buchmesse mit dem wichtigen Lizenzhandel für Bücher - einer der Stoffe, aus dem Filme entstehen.

Im Jahr 2018 wurden laut Stadtrat Markus Frank (CDU) knapp 450 Drehgenehmigungen in Frankfurt erteilt. Im Jahr 2016 waren es 364 gewesen.

450 Drehgenehmigungen für Frankfurt 

Die Filmbranche erwirtschaftete 2015 in der Stadt rund 541 Millionen Euro. Damit trug sie rund zehn Prozent zum Umsatz der gesamten Frankfurter Kultur- und Kreativwirtschaft bei, der rund 5,5 Milliarden Euro betrug.

Seit dem Jahr 2011 ist der Umsatz um 17 Prozent gestiegen. Gut elf Prozent der etwa 37 000 Beschäftigten in der Kreativwirtschaft arbeiteten im Jahr 2015 in der Film-, TV- und Videowirtschaft.

In Frankfurt waren im Jahr 2015 rund 1000 Personen in der Filmwirtschaft erwerbstätig, darunter etwa 720 als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 120 als Unternehmensinhaber. Gegenüber dem Jahr 2011 ist die Zahl der Beschäftigten bis 2015 um 4 Prozent gestiegen.

Das Förderprogramm Hessen Invest Film (Förderfonds) wird seit 2002 aufgelegt. Zwar wünschen Filmschaffende, dass die Stadt Frankfurt Gesellschafterin einer Film- und Medien GmbH werden solle. Laut Stadtrat Markus Frank (CDU) ist es jedoch in Deutschland nicht üblich, dass eine Stadt Gesellschafterin wird bei einer Landesförderinstitution, wie die Filmförderungen es sind. Hamburg und Berlin seien aufgrund ihres Stadtstaaten-Status an den regionalen Förderungen Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und Medienboard Berlin-Brandenburg beteiligt.

Partnerschaft mit Toronto 

Stadtrat Frank ist Mitglied im Beirat der "Gamearea Hessen". Wenn eine hessische "Gamesförderung" kommen sollte, was er für die Entwicklung der Frankfurter Gamebranche begrüßen würde, kann er sich Modelle vorstellen, an denen sich auch die Stadt beteiligt - ähnlich wie beim digitalen Gründerzentrum, dem TechQuartier.

Anlässlich des 30. Bestehens der Städtepartnerschaft Frankfurts mit Toronto (Kanada) will Frank im September mit einer Kreativwirtschaftsdelegation dorthin fliegen und unter anderem auch das Toronto International Film Festival (TIFF) dort besuchen. uve

Wir wollen, dass junge talentierte Filmemacher in Hessen ihre ersten großen Projekte realisieren.  Von Ute Vetter

Mehr zu Frankfurt:

Kaufen bis um Mitternacht: So lange haben Rewe, Tegut und Edeka geöffnet

Einkaufen bis Mitternacht: So haben Supermärkte wie Rewe, Tegut und Edeka in Frankfurt geöffnet - das hat Vor- und Nachteile.

In Frankfurt geht eine Frau spazieren. Nach einem Schlag in den Nacken wird sie bewusstlos. Drei Stunden später wacht sie woanders auf und sieht, was passiert ist. 

Schmuggelversuch am Flughafen Frankfurt: Passagier mit 48.000 Zigaretten geht Fahndern ins Netz.

Im jüngsten Frankfurter Tatort gab es viel Klischee und kleine Späßchen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare