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Verkehr

Frankfurt: Stadt räumt Mainkai wieder für Autos frei

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Mainkai wird wieder für den Autoverkehr freigegeben. Die Vorbereitungen laufen - im Radwegnetz entsteht jedoch eine Lücke.

Frankfurt - Im Licht völlig gegensätzlicher Forderungen laufen am Mainkai die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung für den Autoverkehr. Zum 1. September endet der von den Stadtverordneten beschlossene, umstrittene Verkehrsversuch. Im Laufe dieses Tages sollen wieder Autos auf der Ost-West-Straße rollen. Just für Radfahrer wird es auf der Gass' dann wieder recht unangenehm.

Heute in einer Woche, am späten Nachmittag oder Abend des 1. Septembers, dürfte es so weit sein: Dann würden Mitarbeiter der Verkehrspolizei ihre Einsatzfahrzeuge zur Seite fahren und die Durchfahrt über den Mainkai wieder für Autos, Lastwagen, Busse, Motorräder freigeben. Das sieht die Planung vor, erklärt Hans Preißl, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Mainkai in Frankfurt: Hoffnung, dass nicht jeder zurück umsteigt

Das Dezernat habe darauf geachtet, dass alle Veränderungen "rückholbar" seien. "Am 31. August wird die TCF die Betonsperren entfernen", erläutert Preißl. Die Klötze der Tourismus + Congress GmbH hätten am Wochenende noch das Museumsuferfest gesichert, wären dann ohnehin am Montag abgeräumt worden. Wegen Corona aber entfällt das größte Stadtfest Deutschlands.

Die Betonklötze waren im vorigen Juli zu Beginn der 13-monatigen Sperrung aufgestellt worden. Bis zur Wiedereröffnung sollen mobile Absperrungen die Durchfahrt unterbinden. Am Tag der Wiederöffnung stelle die Firma Siemens die Schaltung der Ampeln um, welche die Stadt auf die veränderten Verkehrsströme hatte anpassen lassen, erklärt Preißl. Das Umweltdezernat entferne Bänke und Grüne Zimmer. Ebenfalls am Montag und Dienstag werde die Beschilderung geändert. Teilweise würden Hinweisschilder im größeren Umfeld aus Zeitgründen aber nur abgeklebt und erst später demontiert, erläutert er.

Mit der Wiederöffnung endet die Sperrung ohne valides Ergebnis. Die vergleichende Verkehrszählung im März war wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen nicht aussagekräftig. Trotzdem gewinnt man der Sperrung im Verkehrsdezernat etwas Gutes ab: "Ich kann mir vorstellen, dass es Auswirkungen hat, weil Pendler Alternativen gefunden haben wie die Straßenbahn in der Braubachstraße oder das Radfahren", sagt Preißl. "Wir haben die Hoffnung, dass nicht jeder zurück aufs Auto umsteigt."

Seine Ahnung speist er aus Rückmeldungen, etwa von Eltern der Erasmus-Schule an der Sonnemannstraße östlich des Mainkais. Weil die Anfahrt dorthin komplizierter geworden sei, hätten Eltern mit ihren Kindern neue Wege ausprobiert. "Sie fahren nun mit der S-Bahn statt dem Elterntaxi", sagt Preißl. Die S-Bahn-Station Ostendstraße liegt nebenan.

Mainkai in Frankfurt: Tempo 30 wegen Straßenschäden

Ist auf dem Mainkai dann vom 1. September an alles wie früher? Nicht ganz: Statt Tempo 50 wird Tempo 30 gelten, kündigt Preißl an. Nicht wegen Lärmschutz, sondern wegen Straßenschäden: "Es ist notwendig, die Straße grundhaft zu erneuern." Das verschiebe das Dezernat auf die Zeit nach der Kommunalwahl im März 2021, wenn die neue Parlamentsmehrheit entscheide.

Den Mainkai zu sanieren, "wäre jetzt rausgeschmissenes Geld", wenn er ohnehin umgestaltet werde, sagt Preißl. Das haben alle aktuellen Koalitionspartner vor, CDU, SPD und Grüne - wenngleich in ganz unterschiedlichem Umfang. Ein Kuriosum droht dennoch: Auf der inzwischen auf fast acht Kilometern durchgehend mit Fahrradspuren und -wegen ausgestatteten Ost-West-Strecke zwischen Westhafen und Fechenheim klafft ausgerechnet am Mainkai eine Lücke. Auf gut einem Kilometer zwischen Untermainanlage und der Schönen Aussicht - die gerade erst ihren nagelneuen, leuchtend roten Fahrradstreifen erhalten hat - müssen Radfahrer auf den normalen drei Spuren mitfahren.

"Da wird erstmal nichts passieren", habe Klaus Oesterling entschieden, erklärt Hans Preißl. Der Dezernent wolle die Diskussion darüber in der Politik abwarten. Fahrradspuren am Mainkai fordert die CDU, während SPD und Grüne eine Vollsperrung des Mainkais für alle Fahrzeuge außer Fahrräder wollen.

Radspuren dort hinzubekommen sei simpel, betont der Referent. "Das lässt sich schnell und kostengünstig auch als temporäre Markierung in Gelb auftragen." Allerdings hat Klaus Oesterling andere Fakten schaffen lassen: Die alten, abgenutzten Weiß-Markierungen der drei Fahrspuren wurden erst vorige Woche frisch aufgepinselt. Dennis Pfeiffer-Goldmann

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