1. Startseite
  2. Frankfurt

Ärger um Salsa-Tänzer auf jüdischer Gedenkstätte: Stadt Frankfurt reagiert

Erstellt:

Von: Erik Scharf, Vincent Büssow

Kommentare

Salsa-Tänzer am Osthafen in Frankfurt am Main.
In Frankfurt fanden regelmäßig Salsa-Veranstaltungen vor einem jüdischen Denkmal statt. Damit ist jetzt Schluss. (Archivbild) © Arne Dedert/dpa

Nach den umstrittenen den Salsa-Events ist der Magistrat der Stadt ist dem Tenor von Betroffenen und Politik gefolgt. Neben dem Tanzverbot sollen künftig weitere Sachen nicht erlaubt sein.

Update vom Montag, 20.12.2021, 17.17 Uhr: Das Tanzverbot auf der Gedenkstätte vor der Europäischen Zentralbank ist so gut wie offiziell. Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat in der letzten Sitzung vor Weihnachten beschlossen, das Deportationsmahnmal in die „Gefahrenabwehrverordnung“ aufzunehmen. Das berichtet die Bild am Montag (20.12.2021).

Die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung ist zwar in deren Sitzung am 27.01.2022 noch notwendig, sie gilt laut Bild aber als Formsache. Damit würde der Platz an der EZB, auf dessen Steinpflaster an rund 10.000 deportierte Frankfurter erinnert wird, nicht mehr als öffentlicher Weg zählen. Wird der Beschluss abgesegnet, ist auf dem Platz zusätzlich zum Tanzverbot auch Musik und Alkoholkonsum nicht mehr erlaubt. Im Sommer 2021 hatten Salsa-Tänzer auf dem Mahnmal vor der EZB in Frankfurt großen Ärger ausgelöst (siehe Erstmeldung).

Frankfurt: Salsa-Tänzer verlassen jüdische Gedenkstätte an EZB - „Finden es unangemessen“

Erstmeldung vom 18.09.2021, 15.11 Uhr: Regelmäßig trafen sich bis zu 500 Tänzer und Tänzerinnen nahe der Europäischen Zentralbank, um unter freiem Himmel Salsa-Partys zu feiern. Das Problem: Der Veranstaltungsort ist am Denkmal Großmarkthalle, das an deportierte Juden aus Frankfurt erinnert. Die Tanz-Events wurden deshalb von der jüdischen Gemeinde sowie der Politik heftig kritisiert, wobei sich jetzt ein Kompromiss gefunden zu haben scheint.

„Wir finden es unangemessen und pietätlos, dass hier Tanzveranstaltungen stattfinden“, schrieb das Jüdische Museum in einer Stellungnahme bereits im August. Auch der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker sprach sich gegen die Zusammenkünfte aus. Unter der Überschrift „Keine Tanzschritte am Ort deportierter Frankfurterinnen und Frankfurter“ forderte er die Tänzer dazu auf, die Salsa-Nächte am Denkmal zu beenden*. Die Organisatoren kamen der Forderung nach, wenn auch wehmütig. An einem Runden Tisch mit der Stadt Frankfurt wurde jetzt ein neuer Ort für die Veranstaltung gefunden, mit dem aber nicht alle zufrieden sind.

Frankfurt: Neue Tanzfläche für Salsa-Tänzer - Schon gibt es das erste Problem

Die neue Salsa-Tanzfläche soll auf dem Campus Bockenheim liegen. Die Tanzfreudigen hatten dort sogar schon ein Probe-Event gestartet, wie die Hessenschau berichtet. Dieses war jedoch nur mäßig erfolgreich, da um 22 Uhr die Polizei wegen Ruhestörung gerufen wurde. Obwohl sich die Stadt Frankfurt zufrieden mit dem Kompromiss zeigte, soll die Suche deshalb noch weitergehen. Eventuell findet sich ein Ort, mit dem wirklich alle beteiligten zufrieden sind, der alte Platz vor dem Denkmal ist nun allerdings tanzfrei.

Während kleinere Veranstaltungen wie die Salsa-Partys wieder stattfinden können, wurden vor Kurzem zwei beliebte Feste in Frankfurt abgesagt. (vbu/esa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare