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Gehören zur Stadt und haben doch kein rechtes Zuhause: Stadttauben. Zwei von ihnen sitzen im Regen auf dem Eisernen Steg.

Vergrämung

Tauben ohne Heimat: Stadt Frankfurt vertreibt Vögel unter Brücken

Zutritt für Tauben verboten, heißt es inzwischen auch an der Eisenbahnbrücke an der Galluswarte in Frankfurt. Tierschützer kritisieren das.

  • Tauben unerwünscht heißt es künftig an der Galluswarte in Frankfurt
  • Tierschützer kritisieren Vorgehen der Stadt Frankfurt
  • Hauptwache: Neues Tauben-Drama droht

Frankfurt - An der Galluswarte ist inzwischen auch die stadteinwärts rechts gelegene Seite der Eisenbahnbrücke von unten mit Metallblechen verschalt. Wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite wollen Stadt und Deutsche Bahn damit verhindern, dass sich Tauben an der Unterseite der Brücke niederlassen, über den Köpfen der Passanten. Andernorts sind ähnliche Schritte unter großen Brücken geplant.

"In der Schweizer Straße wurden bereits Vorarbeiten geleistet", berichtet Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE). "Hier werden nur die oberen Bereiche der Widerlager mit Blechen geschlossen." Gleiches hat das ASE seit Herbst in der Voltastraße vor. Außer den oberen Widerlagerzonen sperren die Handwerker die Bereiche oberhalb der Gehwege mit Blechen. Über der Fahrbahn dürfen die Tauben weiterhin unter der Brücke sitzen.

Tauben suchen sich neue Orte in Frankfurt

Gudrun Stürmer, die Vorsitzende des Vereins Stadttaubenprojekt, kritisiert die Stadt aus zwei Gründen für dieses Vorgehen. Erstens bewirke diese Form der "Vergrämung" stets nur, dass die Tauben sich in der Nähe einen neuen Ort suchen. "An der Galluswarte sitzen sie jetzt schräg gegenüber und kacken dem Imbiss auf die Tische", sagt Stürmer. "Ob das Sinn der Sache war?"

Zweitens müssen die Arbeiter beim Verkleiden der Brückenunterseiten regelmäßig Küken umsiedeln, die sie dort finden. Die bringen sie dann zum Stadttaubenprojekt, obwohl brütende Vögel laut Naturschutzgesetz nicht gestört werden dürften, kritisiert Gudrun Stürmer.

Frankfurt: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Amtsleiterin Kraft sieht sich dabei nicht in der Verantwortung. "Hierzu wurde uns immer vom Stadttaubenprojekt gesagt, dass die Tauben ganzjährig brüten würden", sagt sie. "Es gibt demnach keinen perfekten Zeitpunkt."

An der Galluswarte soll demnächst auch die letzte Lücke mit Netzen geschlossen werden: über der Straßenbahnhaltestelle. Dafür wartet man in Abstimmung mit der Verkehrsgesellschaft auf eine Betriebspause der Tram.

Frankfurt: Das nächste Tauben-Drama bahnt sich an der Hauptwache an

Dann soll keine Taube mehr die Menschen unter der Brücke belästigen - aber sie werden ein paar Meter weiterziehen und bleiben, ist Stürmer sicher. Sie hat der Stadt vor einiger Zeit ein Brückenkonzept vorgelegt: Der Verein würde wie in seinen Frankfurter und Wiesbadener Taubenhäusern die Vögel versorgen und ihre Eier gegen Gipsattrappen austauschen - eine nachhaltigere Lösung als das Vergrämen, ist das Stadttaubenprojekt sicher, denn es würde die Zahl der Tauben begrenzen und zugleich Tierleid vermeiden. "Wenn man den Willen dazu hätte", sagt Stürmer, "gäbe es die Taubenküken gar nicht, die jetzt leiden." Dann wären sie schon als Ei aus dem Verkehr gezogen worden.

Immerhin: Die Alte Brücke habe der Verein nun offiziell zur Betreuung erhalten. Aber das nächste Drama bahne sich an der Hauptwache an, wo Tauben vertrieben werden sollen. Stürmer ärgert sich besonders über die Haltung, die ihr vielerorts begegne: "Wenn die will, dass die Tauben geschützt werden, soll sie sich auch drum kümmern." ill

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