Die Werksbus-Linien im Industriepark Höchst fahren alle mit Wasserstoff. Nun will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling auch auf den städtischen Linien 30 und 36 solche Fahrzeuge einsetzen.
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Die Werksbus-Linien im Industriepark Höchst fahren alle mit Wasserstoff. Nun will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling auch auf den städtischen Linien 30 und 36 solche Fahrzeuge einsetzen.

Zweiter Anlauf

Frankfurt will Wasserstoffbusse kaufen: Das ist der Vorteil gegenüber Elektrobussen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Das Verkehrsdezernat will rund 20 Wasserstoffbusse für die Linien 30 und 36 in Frankfurt anschaffen. Erst Mitte Januar war eine Bestellung der Busse geplatzt.

  • Stadt Frankfurt setzt auf Wasserstoffbusse
  • Erster Anlauf im Januar war gescheitert
  • Wasserstoffbus hat Vorteile gegenüber Elektrobus

Frankfurt-Einen zweiten Anlauf zum Anschaffen von Wasserstoffbussen will die Stadt machen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) kündigt eine Ausschreibung über "rund 20" solcher Fahrzeuge an. Sie sollen auf den Linien 30 und 36 eingesetzt werden und dazu beitragen, die Schadstoffkonzentration der Luft in der Innenstadt zu verringern.

Erst Mitte Januar war eine gemeinsame Bestellung der Städte Frankfurt, Wiesbaden und Mainz von elf Brennstoffzellenbussen geplatzt, weil die 2016 bestellten Fahrzeuge nicht geliefert werden können. Die Städte hatten gemeinsam Fahrzeuge beim Lieferanten "ebe Europa" aus Memmingen geordert. Aus der gemeinsamen Beschaffung mit dem Projekttitel "H2-Bus Rhein-Main" wollte die Busverkehrstochter der städtischen Verkehrsgesellschaft VGF, In-der-City-Bus (ICB), drei Fahrzeuge übernehmen.

Wasserstoffbusse für Frankfurt: Probleme in der Industrie

Dass kein Hersteller in der Lage dazu sei, Wasserstoffbusse zu liefern, sei "in der Dramatik unsäglich für ein Automobilland wie Deutschland", schimpft Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Es sei unverständlich, dass es die Industrie nicht hinkriege zu liefern, wenn drei große Verkehrsunternehmen ein Produkt bestellten. Vor rund einem Jahr hatte die Hamburger Hochbahn ein Pilotprojekt mit vier Brennstoffzellenbussen von Mercedes-Benz beendet und sich von der neuen Technik wieder verabschiedet. Diese sei noch nicht ausgereift, hieß es, und der Hersteller könne die Busse noch nicht in Serie fertigen.

Wasserstoffbusse für Frankfurt: Gleiche Reichweite wie Dieselbusse

In Hamburg setzt man jetzt rein auf neue E-Busse - will aber 2021 zusätzlich eine Kombination beider Techniken testen. So will Mercedes-Benz nach eigenen Angaben in der nächsten Generation des vollelektrischen Modells eCitaro den Elektrobus mit einer zusätzlichen Brennstoffzelle versehen. Damit soll die Reichweite vergrößert werden. Regulär lieferbar sein soll das neue Modell "voraussichtlich ab 2022".

Die Reichweite ist bei Elektrobussen bisher das Problem: Sie ist deutlich geringer als bei Dieselbussen und sinkt zusätzlich, wenn die Fahrstrecke hügelig ist. Deshalb kommen E-Busse auch nicht für einen Dauereinsatz auf Linien wie der 43 zwischen Bornheim und Bergen in Frage. Elektrobusse rollen in Frankfurt stattdessen auf der kurzen Buslinie 75 zwischen Bockenheimer Warte undUni-Campus Westend.

Wasserstoffbusse hingegen kommen so weit wie Dieselbusse. Aus dem Auspuff strömt dabei aber nur Wasserdampf. Einen genauen Zeitpunkt für die neuerliche Ausschreibung kann Dezernent Oesterling noch nicht nennen. Sie richte sich danach, wann der Bund wieder eine Förderung solcher Projekte auslobe.

Wasserstoffbusse für Frankfurt: Dieselfahrverbote drohen ab 2021

Dass es diese geben solle, hatte die Bundesregierung im November 2019 angekündigt. Sie will gezielt jene Städte unterstützen, in denen Dieselfahrverbote drohen - wie in Frankfurt ab 2021. Brennstoffzellenbusse kosten etwa doppelt so viel wie Dieselbusse.

Zuversichtlich ist Klaus Oesterling, dass die nächste Ausschreibung erfolgreicher verlaufe und doch Wasserstoffbusse nach Frankfurt kommen. "Es gibt im Ausland ja schon Betriebe, die mit großen Stückzahlen fahren." Nicht nur dort: Aktuell flotten die Wuppertaler Stadtwerke zehn Brennstoffzellenbusse des holländischen Herstellers Van Hool ein. Acht Wasserstoffbusse besitzt der Omnibusbetrieb Winzenhöler aus Groß-Zimmern, vier stammen aus dem Hamburger Pilotprojekt. Die Busse rollen seit 2017 im Werksverkehr im Industriepark Höchst, seit 2019 auch auf regulären Linien rund um Darmstadt.

Der Praxisbetrieb von Winzenhöler zeige, "dass das machbar ist", findet der Verkehrsdezernent. Allerdings mit einer großen Einschränkung, auf die der Branchendienst "Der Rote Renner" hinweist: Weil es derzeit keine Serienproduktion gibt und damit keine Ersatzteilversorgung, müsse Winzenhöler zwei Fahrzeuge als Ersatzteilspender nutzen. 

DieElektro-Busse in Frankfurt legen bisher dagegen eher einen Stotterstart hin. Der Umbau der Flotte in Frankfurt kommt so nicht recht in Gang.

Währenddessen wartet man in Bad Homburg auf die Elektrobusse. Die Fahrgastlobby fordert mehr Tempo bei der Umstellung der Flotte. Die Stadt bereitet aber erst einmal einen Test vor.

Derweil sind Senioren über den neuen Bus-Fahrplan nicht begeistert: In Frankfurt fährt Linie 47 am Abend nicht mehr. 

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