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Hier im Allerheiligenviertel sollen neue Wohnungen entstehen. Der Investor plante aber keine Sozialwohnungen im Neubau ein. Deshalb sagte die Römer-Koalition Nein. Die Pläne müssen überarbeitet werden - und es werden acht Wohnungen weniger entstehen als vorgesehen.

Allerheiligenviertel

Große Enttäuschung: Stadtparlament lehnt Neubau ab – und will ein Exempel statuieren

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Das Stadtparlament hat den Bau von acht Wohnungen in Frankfurt abgelehnt - weil keine Sozialwohnungen darunter sind. Die Römerkoalition will ein Exempel statuieren.

  • Investor will Wohn- und Geschäftsgebäude in Allerheiligenviertel in Frankfurt bauen
  • Stadtparlament lehnt Bauvorhaben ab
  • Der Grund: Keine Sozialwohnungen

Frankfurt - Es ist eine der verruchten Ecken Frankfurts: das Allerheiligenviertel. Östlich der Konstablerwache florieren Kriminalität, Drogenprobleme, Prostitution. Dunkle Hinterhöfe, schäbige Häuser, Brachen. Längst hat die Stadt den Handlungsbedarf erkannt. Das Allerheiligenviertel gehört zu jenen Schwerpunkträumen, in denen in den nächsten Jahren Neues, vor allem neuer Wohnraum, entstehen soll. Das haben die Stadtverordneten vorgegeben, als sie voriges Jahr das Stadtentwicklungskonzept "Frankfurt 2030+" beschlossen.

Mitten im Allerheiligenviertel will der Frankfurter Bauträger "Maintraum" sein Projekt "Downtown21" realisieren: Wo sich zwei einstöckige Gebäude in die Albusstraße 19 und 21 ducken, sollen zwei große Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. "Dem Allerheiligenviertel gehört die Zukunft", wirbt das Unternehmen. Das "selbst wenigen Frankfurtern bekannte Quartier" liege im "Dornröschenschlaf" und werde 2019 "endlich wachgeküsst". Bisher gab es immer wieder Probleme in dem Viertel, 2018 hatte die Polizei Frankfurt im Allerheiligenviertel Videoüberwachung eingeführt. Das stößt auf Kritik*.  

Stadtparlament Frankfurt lehnt Neubau ab – es geht um acht Wohungen

Aus den schon fürs vorige Jahr erhofften 30 Wohnungen zwischen 50 und 100 Quadratmetern ist bisher nichts geworden. Dabei habe die Stadtverwaltung auf seinen Vorschlag hocherfreut reagiert, sagt Geschäftsführer Thomas Adami. Er schlug vor, die zwei Neubauten zu einem zusammenzufassen. Damit kann er sich ein Treppenhaus sparen. Was 400 Quadratmeter zusätzlich nutzbaren Raum ergibt, oder konkret: acht Wohnungen.

Ein Problem musste dafür gelöst werden: Das Grundstück 21 gehört Adami, das Grundstück 19 gehört der Stadt Frankfurt und Adami hat es über Erbbaurecht bis ins Jahr 2116 langfristig gepachtet. Der gemeinsame Lösungsvorschlag des Investors und letztlich auch von Baudezernent Jan Schneider (CDU): Die Stadt kauft das Grundstück 21 und fügt es in den Erbbauvertrag mit dem Nachbarareal ein.

Stadtparlament lehnt Bauvorhaben ab: Politiker fordern sozialen Wohnungsbau in Frankfurt

Das wäre unterm Strich ein gutes Geschäft auch für die Stadt Frankfurt. Sie müsste zwar zunächst knapp 1,6 Millionen Euro für das Grundstück hinlegen. Allerdings würde die jährliche Erbbaupacht, die Investor Adami zahlt, auf gut 68.000 Euro steigen. Beide Summen ergeben sich aus der standardisierten kommunalen Wertermittlung. Somit, hat Jan Schneider durchgerechnet, käme die Stadt insgesamt am Ende auf ein Plus von fast 3,4 Millionen Euro.

Schon im Februar war von Planungspolitikern von SPD und Linken die Forderung nach Sozialwohnungen aufgekommen, die "Maintraum" im Gegenzug für das Geschäft errichten solle. In ihrer jüngsten Sitzung lehnten die Stadtverordneten von Frankfurt das Vorhaben nun ab - wegen der Corona-Pandemie aber ohne Aussprache.

Stadtparlament lehnt Neubau in Frankfurt ab: Exempel statuieren

"Es gibt eine klare Vorgabe, dass bei einer Vergabe eines Grundstücks nach Erbbaurecht für ein Bauvorhaben auch geförderter Wohnraum entstehen muss", erklärt Holger Tschierschke (SPD), der Vorsitzende des Planungsausschusses in Frankfurt. Mindestens zwei Sozialwohnungen habe der Investor daher zusichern müssen, was er aber nicht gemacht habe.

Deshalb habe die Koalition aus CDU, SPD und Grünen auch Nein gesagt. Ebenso stimmten Linke und Ökolinx dagegen. "Das sieht vielleicht kleinlich aus", räumt der Sozialdemokrat ein, da es nur um "einen kleinen Fall" gehe. "Aber es soll zeigen, dass wir nicht umfallen", betont der Planungspolitiker. "Es geht ums Prinzip." Wenn die Stadt Frankfurt im Kleinen bereit sei, von ihren Vorgaben abzuweichen, "werden wir in näherer Zukunft viel größere Anfragen bekommen", fürchtet Tschierschke.

Die Forderung nach Sozialwohnungen fürs Allerheiligenviertel in Frankfurt sei schlicht unnötig, findet FDP-Planungsexpertin Elke Tafel-Stein. "Wir wollen dort doch eine bessere soziale Mischung, da ergibt frei finanzierter Wohnungsbau Sinn." Sie ist deshalb sauer über das Votum: "Wenn es das Ziel ist, Wohnungen zu verhindern, dann nur weiter so."

Bauvorhaben von Stadtparlament abgeleht: Investor enttäuscht

Offenbar lasse sich die Koalition von der SPD treiben - und diese sieht Elke Tafel-Stein "im Wettlauf mit der Linken um deren spinnerte Thesen". Die Linke hatte gefordert, die Stadt selbst solle dort bauen. Wie die Freien Demokraten stimmten auch AfD, BFF, "Fraktion" und "Frankfurter" für das Vorhaben.

Thomas Adami ist nun enttäuscht. Er hätte gern mehr Wohnungen im Allerheiligenviertel in Frankfurt entstehen lassen. "Je mehr neue Leute ins Allerheiligenviertel ziehen, umso besser ist das doch für die Mischung." Dass er dort Luxuswohnungen baue, müsse niemand befürchten. "Das werden schöne Wohnungen, aber man kann dort keine Westend-Preise realisieren."

Als zu dürftig bewertet der Investor die Kommunikation der Stadt Frankfurt mit ihm. "Wir haben nur generell gesprochen über sozialen Wohnungsbau, aber das ist nie konkret geworden." Mit dem Parlamentsvotum ist die laut Adami 125.000 Euro teure Planung fürs Doppelgebäude Makulatur. Gebaut werde dennoch, sagt er. Er habe nun zwei Bauanträge eingereicht, mit acht Wohnungen weniger. 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Der Bau wurde jetzt genehmigt: Frankfurt bekommt vier neue Hochhäuser. Sie sollen mitten in der Innenstadt gebaut werden.

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