Weil Tochter Johanna (4) positiv getestet wurde, ist auch das Familienleben von Sara Steinhardt (CDU) durcheinander geraten. FOTO: Leo
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Weil Tochter Johanna (4) positiv getestet wurde, ist auch das Familienleben von Sara Steinhardt (CDU) durcheinander geraten.

Pandemie

Tochter (4) ist mit Corona infiziert: Lehrerin und Stadtverordnete hat drastische Forderung

  • VonGernot Gottwals
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Eine Stadtverordnete aus Frankfurt ist derzeit mit ihrer Corona-infizierten Tochter (4) in Quarantäne. Nun hat sie eine drastische Forderung.

Frankfurt – Seit einer Woche sehen Sara Steinhardt und ihre Familie ihren Stadtteil nur noch aus dem Fenster. Und hoffen, dass es nach dem erhofften negativen Testergebnis endlich vorbei ist. „Jeden Morgen fragt mich meine Tochter, ob sie noch krank ist, warum sie niemanden sehen darf, warum wir nicht raus können“, berichtet die Lehrerin, zugleich Kinderbeauftragte im Gallus, CDU-Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 1.

Vor einer Woche wurde ihre Tochter Johanna (4) positiv getestet, das Ergebnis tags darauf durch einen PCR-Test bestätigt. „Für einen Moment ist die Welt stehengeblieben und zusammengebrochen“, beschreibt Steinhardt ihre erste Reaktion auf diese Nachricht. Seitdem ist ihr Vertrauen in das Krisenmanagement der Ämter und Dezernate erschüttert. Vor allem vom schwer erreichbaren Gesundheitsamt fühlt sie sich im Stich gelassen.

Frankfurt: Ansteckung von Tochter (4) der Stadtverordneten Steinhardt wohl in der Kita

Johannas Ansteckung erfolgte wahrscheinlich in der Kita. Für die Familie hat sich der Tagesablauf seit der Diagnose grundlegend geändert: „Ich bin bislang wegen Johanna zu Hause geblieben, mein Mann und ich versuchen, uns und die Kinder so gut wie möglich voneinander zu trennen, damit sich ihr Bruder nicht auch ansteckt“, sagt Steinhardt. Außer Fieber und leichtem Husten zeigte Johanna wie viele kleine Kinder keine weiteren Symptome. Aber die Angst, dass sie an Long Covid erkranken könne, sei trotzdem da.

„Wir sind seit zwei Jahren extrem vorsichtig, alle Erwachsenen in unserer Familie sind geboostert“, betont Steinhardt. „In der Kita wird zu wenig getestet, was auch daran liegt, dass man dort das Geld für die Tests selbst vorlegen muss und erst am Jahresende erstattet bekommt.“ Wie berichtet beschwerten sich auch andere Eltern und Elternvertreter über das uneinheitliche Testkonzept in den Kitas in Frankfurt. „Und das, obwohl es durchaus Lollipop-Pool-Tests mit der Zuverlässigkeit von PCR-Tests auch für Kinder gibt“, wie Steinhardt betont.

Corona in Frankfurt: Keine verbindliche Auskunft vom Gesundheitsamt

„Besonders ärgerlich ist, dass wir im Gesundheitsamt vergangene Woche am Montag (13.12.2021) und Freitag (17.12.2021) mindestens eine halbe Stunde in der telefonischen Warteschleife verbracht haben“, klagt Steinhardt. „Am Ende konnte man uns keine rechtsverbindliche Auskunft geben und hat uns auf einen Brief vertröstet.“

Der aber nicht kam, da im Amt offenbar Namen und Daten verwechselt wurden. Steinhardt recherchierte selbst den frühestmöglichen Tag für eine Freitestung ihrer Familie, zumal sie von einer anderen positiv getesteten Mutter hörte, dass das Gesundheitsamt nur Briefe mit allgemeinen Informationen zu Corona verschicke, ohne die individuelle Situation der Getesteten zu berücksichtigen.

Große Sorgen macht sich Steinhardt auch, wie es mit Impfen und Schulbetrieb mit der Omikron-Variante weitergeht. „Da sich niemand in unserer Familie bei Johanna angesteckt hat, gehe ich mal davon aus, dass sie sich nicht mit der Omikron-Variante infizierte“, meint sie. Ihr positiver Test sei aber nicht durch eine Sequenzierung überprüft worden. „Ich würde alles dafür gegeben, meine Kinder impfen zu lassen. Ich bin sehr traurig, dass es für unter 5-jährige immer noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt“, klagt die Mutter.

Corona in Frankfurt: „Fordern schon lange den Luftfilter und Luftreiniger für Schulen und Kitas“

Auch in den Frankfurter Schulen gehe es mit den Hygienestandards nicht voran. „Wir fordern als CDU ja schon seit dem Sommer Luftfilter und Luftreiniger für die Schulen und im zweiten Schritt auch für die Kitas“, betont Steinhardt. Es sei einfach nur fahrlässig, dass das Schul- und Gesundheitsdezernat dieser Verpflichtung nicht nachkomme. „Wie können einem die Kinder so egal sein? Und wie kann man die Lehrkräfte immer nur aufs Lüften verweisen, da man doch bei diesen Temperaturen gar nicht vernünftig unterrichten kann, wenn alle 20 Minuten die Schüler schockgefrostet werden?“, fragt Steinhardt weiter.

Und dann die jüngste Wende: „Das Gesundheitsamt ruft nach einer Woche endlich an, teilt uns mit, dass wir uns zu früh freigetestet haben, den Test nochmal an der Messe durchführen sollen und deshalb einen Tag länger auf die Ergebnisse warten müssen.“ Selbst bei aller Rücksicht auf die Überlastung der Behörden dürfe so etwas bei moderner Datenerfassung nicht passieren.

Es bleibt die Hoffnung, den Umständen entsprechend wenigstens zu Weihnachten zu etwas Normalität zurückkehren zu können. Was Steinhardt angesichts der Omikron-Variante von einem Lockdown hält? „Mit Blick auf die Zustände und Maßnahmen in Großbritannien bräuchten wir den wenigstens während der Weihnachtsferien, um danach möglichst den Schulbetrieb zu sichern und vor die nächste Welle zu kommen“, betont sie abschließend. (Gernot Gottwals)

Auch die städtische Statistik für 2020 in Frankfurt steht im Zeichen der Corona-Pandemie. Ein Detail überrascht besonders.

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