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Memory spielen macht Spaß, auch in der Schule: Frankfurts Bildungsdezernentin will die verschiedenen Programme für die Nachmittagsbetreuung zusammenführen. Es wird an einem Gesamtkonzept gearbeitet.

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Frankfurt: Startschuss für ein Gesamtkonzept für Nachmittagsbetreuung von Grundschülern

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Bei ihrem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hat sie es angekündigt, nun geht sie es an: Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) will ein Gesamtkonzept für ganztägig arbeitende Schulen erstellen. Damit soll Struktur in den Flickenteppich gebracht werden. Ein Beteiligungsprozess wurde jetzt gestartet.

Frankfurt - Erweiterte Schule Betreuung, Pakt für den Nachmittag, offene Frankfurter Ganztagsschule, Profil 1, 2 oder 3: In Frankfurt gibt es viele verschiedene Ganztagsprogramme an den Schulen. Während die eine Schule freiwillige AGs und Aktivitäten an ein paar Nachmittagen in der Woche anbietet, ist bei der anderen Schule das Angebot verpflichtend. Land und Stadt übernehmen dabei ebenso die Verantwortung wie Vereine, Kirchen und Wohlfahrtsverbände. Wirklich durchblicken tut da aber niemand mehr.

Nachmittagsbetreuung von Grundschülern: Start im Sommer 2020

Das will Bildungdezernentin Sylvia Weber (SPD) ändern. Sie hat jetzt den Startschuss für einen Beteiligungsprozess gegeben, um ein Gesamtkonzept für die ganztägig arbeitenden Schulen auf die Beine zu stellen. In Zusammenarbeit mit allen Akteuren rund um die Nachmittagsbetreuung – Stadtschülerrat, Staatliches Schulamt, freie Träger, Vertreter von Fördervereinen, Schulleitungen, Jugendhilfeausschuss und viele mehr – soll ein Plan entwickelt werden, der die bestehenden Landes- und Kommunalprogramme für ganztägig arbeitende Grundschulen sinnvoll zusammenführt und die Ressourcen „optimal“ nutzt.

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„Wir sind in der glücklichen Lage, nicht bei null anfangen zu müssen. Frankfurt verfügt bereits über vielfältige Angebote und Konzepte für die Betreuung unser Schülerinnen und Schüler“, sagte Weber. Mit dem Gesamtkonzept solle das Ziel erreicht werden, eine höhere Übersichtlichkeit und Transparenz des Angebots für Schulen, Träger und insbesondere Frankfurter Familien zu schaffen und alle bisher vorhandenen Angebote im Stadtteil miteinander zu verknüpfen. Wichtig sei ihr dabei eine gute Kooperation aller Akteure auf Augenhöhe. Bis Juni soll es verschiedene Workshops geben. Die Ergebnisse sollen in das Konzept einfließen. Für September ist eine Abschlussveranstaltung vorgesehen. Das Konzept selbst soll im Sommer 2020 umgesetzt werden.

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Bereits zu ihrem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren hatte Sylvia Weber in einem Interview mit dieser Zeitung ein Gesamtkonzept für die Nachmittagsbetreuung „aus einem Guss“ angekündigt. Zwar gibt es keinen Rechtsanspruch, aber die schwarz-rot-grüne Römer-Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2021 jeder, der sich einen Betreuungsplatz für sein Grundschulkind wünscht, auch einen bekommen soll. „Bis wir so weit sind, brauchen wir aber zusätzliche Betreuungsplätze“, sagte Weber damals im Interview. Deshalb wolle sie auch neue Hortplätze schaffen.

Eltern von Schulanfängern kennen das Problem: Seit Jahren wird der Nachwuchs in der Krippe und später im Kindergarten bis mindestens 16 Uhr betreut, Vater und Mutter gehen längst wieder arbeiten, vielleicht sogar in Vollzeit – doch mit der Einschulung ändert sich alles. Plätze in der Nachmittagsbetreuung sind rar – auch wenn die Bildungsdezernentin ihre Ankündigung wahr gemacht hat. Von 2016 bis 2018 sind in Frankfurt 184 Hortplätze sowie 1169 Betreuungsplätze in Schulen geschaffen worden. Insgesamt gibt es derzeit 9758 Plätze in Horten sowie 6438 an Schulen. Zusätzlich werden 153 Grundschüler von Tagesmüttern oder -vätern betreut.

Webers Gesamtkonzept: Kinder sollen im Zentrum stehen

Doch zurück zu Webers Gesamtkonzept. Im Zentrum sollen dabei die Frankfurter Familien stehen, insbesondere die Jungen und Mädchen: „Wir streben eine Bildungslandschaft an, die den Anspruch ,vom Kind her denken’ tatsächlich erfüllt und die Entfaltung individueller Potenziale ermöglicht. Eine Bildungslandschaft, die die Angebotsvielfalt der innerschulischen und außerschulischen Akteure repräsentiert, Chancengleichheit fördert und somit Bildungsbenachteiligung abbaut, so dass kein Kind zurückgelassen wird“, sagt Weber jetzt. Die Ganztagsschulentwicklung sei dabei ein ganz zentrales Thema. Zudem komme man mit der Erarbeitung eines solchen Konzepts dem Vorhaben, flächendeckend und bedarfsgerecht Betreuungsplätze anbieten zu können, einen bedeutenden Schritt näher. „Ich arbeite an dem Ziel, den berüchtigten ,Betreuungsknick’ bei der Einschulung abzuschaffen und dafür zu sorgen, dass jedes Grundschulkind, das einen Betreuungsplatz braucht, auch einen bekommt. Wir stellen hierfür jetzt die Weichen.“

Kommentar von Julia Lorenz:

Ohne Zweifel: Die Idee von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), ein Gesamtkonzept für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern zu erarbeiten, ist gut und wichtig. Bei den zahlreichen unterschiedlichen Angeboten, die es gibt, blickt einfach kein Mensch mehr durch.

Das oberste Ziel muss aber sein, weitere Betreuungsplätze für Grundschüler zu schaffen. Und zwar schnell. Denn auch wenn stets betont wird, man setze sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein, gibt es nicht genügend Betreuungsplätze. Schöne Konzepte auf dem Papier allein helfen den Eltern in Not da aber nicht weiter. Im schlimmsten Fall müssen sie nämlich ihren Job an den Nagel hängen. Und was bringt ihnen da ein wohlformuliertes, gut ausgearbeitetes Konzept? Richtig: nichts.

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