Torsten Schiller, Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, und Herbert Schmoll, Sprecher der BI "Sachsenhausen wehrt sich", sind sich einig: Der Verkehrsversuch nördliche Mainkai-Sperrung muss beendet werden, weil er Sachsenhausen mit Staus und Abgasen belastet. foto: sauda
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Sie sind sich einig: Der Verkehrsversuch nördliche Mainkai-Sperrung in Frankfurt muss beendet werden, weil er Sachsenhausen mit Staus und Abgasen belastet. Torsten Schiller von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße und Herbert Schmoll, Sprecher der BI "Sachsenhausen wehrt sich" fordern eine Änderung.

Stau am Museumsufer

Zu viel Stau und Abgase: Bürger wehren sich gegen Mainkai-Sperrung

Weil es am Museumsufer in Sachsenhausen vermehrt zu Staus kommt, fordert eine Bürgerinitiative das Ende der Mainkai-Sperrung in Frankfurt.

  • Am Sachsenhäuser Ufer in Frankfurt gibt es immer wieder Staus
  • Durch die Mainkai-Sperrung staut sich der Verkehr am Museumsufer in Sachsenhausen
  • Eine Bürgerinitiative will jetzt eine Änderung erreichen

Frankfurt - Torsten Schiller und Herbert Schmoll können nur mit dem Kopf schütteln, wenn sie sich die Situation am Sachsenhäuser Ufer in Frankfurt ansehen. "Hier staut sich immer wieder der Verkehr Richtung Osten, zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke ist es nachmittags dicht", berichtet Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße.

"Die Stadt bringt es fertig, wegen des gesperrten nördlichen Mainkais die Abwertung des Museumsufers in Kauf zu nehmen. Das Museumsufer, das ein Merkmal der Stadt Frankfurt ist und mit sehr viel Geld aufgebaut wurde, wird durch Staus und Abgase verschandelt. Ich kann es nicht fassen", regt sich Schiller auf. 

Stau in Frankfurt: Mainkai-Sperrung führt zu hohem Verkehrsaufkommen

Sachsenhausen, der bevölkerungsreichste Stadtteil Frankfurts, muss hintenanstehen, damit am Nordufer nichts weiter als eine Belustigung für Roller- und Radfahrer stattfinden kann." Wenn überhaupt ein Mainufer gesperrt werden soll, dann müsse es doch das auf der attraktiveren Sachsenhäuser Seite sein, wo die Museen zum Flanieren einladen, findet Schiller.

Zusammen mit Herbert Schmoll, Sprecher der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich", will er Druck machen auf die Politik im Römer. Geplant ist eine Flugblatt-Aktion, um bei den Menschen am südlichen Mainufer in Frankfurt dafür zu werben, dass die Mainkai-Sperrung beendet wird. Zudem sollen Schilder aufgestellt werden, genau wie am Nordufer, wo die Bürgerinitiative "Lebensqualität am Mainufer" ihrerseits mit Schildern für die Sperrung wirbt.

Mainkai-Sperrung: Versuch geht zulasten des Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen

Das Argument, stattdessen das Südufer zu sperren, sei zwar vertretbar, sagt Herbert Schmoll. Aber "ohne die vorherige Reduzierung des Verkehrs in der gesamten Stadt soll überhaupt kein Ufer gesperrt werden", fügt er hinzu. Denn das sei das Grundübel: "Die Mainkai-Sperrung kam unvorbereitet, mit keinerlei Maßnahmen zur Reduzierung oder Umleitung des Verkehrs", sagt Schmoll. 

Es sei absehbar gewesen, dass sich ein Großteil des Autoverkehrs nach Sachsenhausen verlagern würde. Eine Fortführung des Sperrungsversuchs, wie ihn SPD, Grüne und Linke im Römer fordern, sei deshalb sinnlos. "Wir fordern, dass der Versuch wie geplant Ende August zu Ende geht. Der Verkehr muss am Mainkai wieder frei fahren können", stellt Schmoll klar.

Bürgerinitiative: Verkehr soll am Mainkai-Ufer in Frankfurt wieder fahren können

Daran schließe sich die zweite Forderung an: "eine integrierte Verkehrsplanung, um die Anzahl der Autos, die in der Stadt fahren dürfen, zu reduzieren." Etwa so, wie es in Stockholm gemacht wurde: Dort wurde nach vielen Bürgerbefragungen und -diskussionen beschlossen, eine City-Maut einzuführen. Nur noch gegen Bezahlung darf in die Innenstadt gefahren werden, was den Verkehr erheblich reduziert habe.

"Wir brauchen außerdem einen zügigen Ausbau des ÖPNV, auch im Umland. S-Bahn- und U-Bahn müssten für Menschen in der Peripherie attraktiver und günstiger werden. "Die Tickets müssten in der Stadt und draußen im Umland gleich viel kosten, und zwar nicht mehr als der Preis einer Kurzstrecke." Zudem müsse für mehr Park-und-Ride-Parkplätze gesorgt werden.

Neues Verkehrskonzept gegen Stau in der Stadt Frankfurt

In Sachsenhausen, etwa an der Darmstädter Landstraße, könne Schmoll sich "zur Not" auch Pförtnerampeln vorstellen. "Aber dann gibt es dort Staus und mehr Umweltbelastung, das kann es auch nicht sein. Aber: Wenn, dann muss die Frankfurter Verkehrspolitik doch so schlau sein und den Stau vor der Stadt erzeugen und nicht mitten in der Stadt."

Was den Sachsenhäuser auch ärgert, ist, dass in Politik und Medien es oft so dargestellt werde, als trete die Bürgerinitiative gegen jegliche Verkehrsberuhigung ein. "Das stimmt nicht. Wir missgönnen niemandem eine ruhige Straße vor der Haustür. Aber das kann nicht zulasten anderer geschehen, die Lärm und Abgase dann aushalten müssen", argumentiert er.

Stau in Frankfurt: Straßensperrungen helfen nicht

Das Argument, der Verkehr werde sich automatisch durch eine Straßensperrung reduzieren, weil die Staus die Leute davon abhalten, ins Auto zu steigen, sei unhaltbar, weil leicht zu entkräften: "Dann hätte ja auch die Sperrung der Zeil im Jahr 1972 den Verkehr in der Stadt reduziert. Das Gegenteil war der Fall, und wir haben heute so viel Verkehr wie nie in der Innenstadt." Der werde von den vielen Parkhäusern in der Innenstadt angezogen.

Auch Vergleiche mit dem gesperrten Seine-Ufer in Paris, die gern gezogen würden, seien nicht haltbar. Paris sei nicht vergleichbar mit Frankfurt, da dort eine befahrene Straße oberhalb des Flusses entlangführe. "Und ein begrüntes Ufer hat Frankfurt schon jahrhundertelang. Da müssen wir nicht nach Paris schauen, die Franzosen lernen eher von uns", so Schmoll. 

Von Stefanie Wehr

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling geht davon aus, dass der Verkehrsversuch am Frankfurter Mainufer* Ende August nicht verlängert wird. Die Corona-Pandemie trägt dazu bei.

Kaum ein Thema hat in den vergangenen Monaten die Frankfurter so sehr bewegt wie die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr*. Kaum ein Thema hat so sehr polarisiert - auch beim FNP-Bürgerforum.

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