Paketdienste wie DHL verstopfen die Straßen? Studie aus Frankfurt überrascht
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Paketdienste wie DHL verstopfen die Straßen? Studie aus Frankfurt überrascht

Verkehr in der Stadt

Verstopfte Straßen in Frankfurt: Verkehrsteilnehmer ärgern sich

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Straßen in Frankfurt sind oft verstopft. Sind DHL und andere Paketdienste verantwortlich? Forscher gehen der Frage auf den Grund – mit überraschenden Ergebnissen.

  • Viele Verkehrsteilnehmer ärgern sich: Die Straßen in Frankfurt sind voll und verstopft.
  • Wer ist für die angespannte Situation verantwortlich? Paketdienste wie DHL, Hermes und Co?
  • Forscher der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) kommen auf ein überraschendes Ergebnis.

Frankfurt – Immer stärker verstopft der Wirtschaftsverkehr die Innenstadt in Frankfurt. Die Fachhochschule, die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS), untersucht die Lage seit einigen Jahren. Daraus haben die Forscher jetzt Handlungsempfehlungen formuliert, die durchaus überraschen.

Kein Parkplatz zu finden? Darunter leiden Anwohner ebenso wie Besucher in der Innenstadt in Frankfurt. Überall stehen Lieferanten, Handwerker und Paketdienste wie DHL. Und blockieren sich damit auch gegenseitig. Zwar sind drei Viertel der Lieferfahrzeuge klein, meistens sind es Autos oder Transporter, haben UAS-Forscher herausgefunden. Doch nur 40 Prozent der Fahrer nutzen Parkplätze. 36 Prozent halten auf der Fahrbahn, 14 Prozent auf Gehwegen.

Keine Parkplätze in Frankfurt: Pakettransporter von DHL und Co. sind allgegenwärtig

Wie sich der Wirtschaftsverkehr verträglicher gestalten lässt, untersuchen die Forscher seit fünf Jahren. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Pakettransporter von DHL und Co. sind zwar allgegenwärtig, doch sie machen nur rund zehn Prozent der Halte- und Parkvorgänge des Wirtschaftsverkehrs in Frankfurt aus. Sie „sind nicht das Riesenproblem“, sagt Petra Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung und einer der Köpfe des Research Lab for Urban Transport, des Forschungslabors für städtischen Verkehr an der UAS. „Das hat uns selbst gewundert“, sagt Schäfer.

Hingegen bilden Lieferanten mit 40 Prozent die größte Gruppe im Wirtschaftsverkehr in der City – vor Handwerkern mit 22 Prozent. Hier muss also eingreifen, wer die Situation verbessern will. Ihre Erkenntnisse und Empfehlungen haben die Forscher inzwischen Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vorgestellt. Eine gezieltere Steuerung sei Sache der Stadt Frankfurt, sagt Schäfer. Sie „muss es wollen und umsetzen“.

Frankfurt: Paketdienste wie DHL sind am schnellsten greifbar

Weil Paketdienste mit nur wenigen, großen Anbietern (DHL, Hermes, UPS, etc.) am einfachsten greifbar sind, haben die Forscher neue Wege für Lieferungen ausprobiert. Da fuhr 2019 die Paket-Straßenbahn für Hermes durch Frankfurt. 2017 wurde für die Lieferanten von UPS ein Mikrodepot in der Meisengasse nahe der Freßgass eingerichtet. Dorthin bringen Transporter morgens Pakete, Mitarbeiter liefern sie per Sackkarre und Lastenfahrrad im Umfeld aus.

So werden in Frankfurt viele Transportfahrten und damit Abgase vermieden. Auch bleibt den Lieferanten der Stress bei der Suche nach Anmeldemöglichkeiten erspart. Besonders für Fußgängerzonen in Frankfurt sei die zweistufige Anlieferung sehr verträglich, so die Forscher. Sie empfehlen, in der City Mikrodepots als „Lieferinseln“ einzurichten, auch für mehrere Anbieter zugleich. Sie ließen sich etwa bei Neubauprojekten auch gut im Stadtraum integrieren, so Schäfer.

Lieferanten in Frankfurt: Experten empfehlen „Viel mehr Parkplätze in Lieferzonen umzuwandeln“

Lieferanten, die größte Gruppe, „sind nicht so leicht zu greifen“, sagt die Forscherin. Routen werden ad hoc zusammengestellt, führen zu unzähligen Lieferpunkten – Einzelhandel, Apotheken, Blumenläden, Restaurants. Deshalb empfehlen die Forscher, viel mehr Parkplätze in Frankfurt in Lieferzonen umzuwandeln und Fahrstreifen temporär von 9 bis 11 Uhr als Lieferzonen freizugeben. Privatautos sollten über Preis- und Zeitanreize in Tiefgaragen und Parkhäuser gedrängt werden. Gebe es mehr Platz für Lieferanten, habe das auch einen positiven Umwelteffekt, betont Schäfer: „Dann sind die Fahrer happy, parken länger und laufen zu den Lieferpunkten.“ Die Transporter verwandeln sich so zu Mikrodepots.

Und dann sind da noch die Handwerker, die – so die Erkenntnis der Forscher – schon mal in den Zonen für Lieferanten in Frankfurt parkten. „Der Handwerkerparkausweis wird als Freibrief gesehen, sich überall hinstellen zu dürfen“, erklärt Petra Schäfer. Ab früh morgens stehen die Fahrzeuge den ganzen Tag lang dort, wo eigentlich Lieferanten und Paketdienste ab dem Vormittag halten können müssten.

Fachhochschule Frankfurt fordert „Kurzzeit-Parkplätze“ für Lieferanten

Natürlich müssten lokale Handwerker gefördert werden, sagt die Forscherin. Auch müssten sie in der Nähe ihrer Einsatzstelle parken können, da sie ihre Fahrzeuge oft als rollende Werkstatt benötigten. Die Forscher schlagen daher pragmatisch vor, vor den regulären, meist quer angeordneten Parkplätzen für Handwerker noch Kurzzeit-Längsparkplätze für Lieferanten einzurichten. „Die stehen da meist nur kurz, und wenn jemand rausfahren möchte, muss er nicht lange warten.“

Eine Alternative könne eine bereichsweise Kontingentierung der Menge der Handwerker in der Innenstadt sein. Das werde in den Niederlanden erfolgreich praktiziert, erläutert die Professorin. Über eine App ließe sich so etwas auch einfach steuern. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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