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Frankfurt steht an der Seite der Ukraine

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Von: Thomas J. Schmidt

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Eindeutige Botschaften in Richtung Moskau sandten die Teilnehmer der Kundgebung an der Katharinenkirche: Sie forderten den sofortigen Abzug russischer Truppen aus der Ukraine.
Eindeutige Botschaften in Richtung Moskau sandten die Teilnehmer der Kundgebung an der Katharinenkirche: Sie forderten den sofortigen Abzug russischer Truppen aus der Ukraine. © Monika Müller

1500 Menschen nehmen an Kundgebung für den Frieden teil

Frankfurt -Eindeutiger hätte die Botschaft nicht sein können: Putin go home (Putin gehe nach Hause) oder "Mein Präsident ist ein Mörder" steht auf dem Plakat, das ein Teilnehmer der Friedenskundgebung gestern Abend an der Katharinenkirche an der Hauptwache hochhält. Der Ukrainische Verein in Frankfurt hatte nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zu der Veranstaltung aufgerufen. Rund 1500 Menschen - Deutsche, Russen, Ukrainer - waren gekommen, hielten ukrainische Flaggen in die Höhe und forderten von Putin, das Blutvergießen zu stoppen und die Truppen sofort abzuziehen. Die Solidarität der Frankfurter war gestern überall sichtbar, in Fenstern hingen Flaggen und Schriftzüge und das Stadion im Stadtwald leuchtete blau-gelb in den Nationalfarben der Ukraine.

Auch in sozialen Medien wie Facebook wurden Bilder von der Demonstration an der Hauptwache gepostet, die um die Welt gehen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte vormittags ein Statement gepostet: "Wir haben alle inständig gehofft, dass es nicht zu einer Eskalation des Konflikts in der Ukraine kommt. Diese Hoffnung wurde heute früh zerstört. Wie stehen mit ganzem Herzen an der Seite jener, die unter dem Krieg zu leiden haben. Frankfurt steht für Frieden."

Protest vor dem Konsulat

Das beweisen die Demonstranten eindrucksvoll. Laut Polizeiangaben gab es keine besonderen Vorkommnisse. Friedlich verliefen auch die Proteste vor dem russischen Konsulat. Abends hatten sich zahlreiche Menschen im Oeder Weg versammelt. Einige Demonstranten waren aber den ganzen Tag über schon hier. "Ich kann nicht zur Arbeit gehen, wenn das meinem Land passiert", sagt Stanislav, dessen Eltern in der Ukraine sind. Seit 9 Uhr früh ist er da. Bei dem Krieg gehe es nicht um Russland und die Ukraine, sondern um Demokratie und Menschlichkeit, führt er aus. Neben Stanislav haben sich zwölf weitere Menschen in der Eschenheimer Anlage mit Plakaten eingefunden. Manche reden, die meisten schweigen jedoch und lassen ihre Schilder für sich sprechen. Um 12.30 Uhr kommt ein Polizeiwagen und entfernt ein Schild, das am Zaun des Konsulats steckt. Es fordert: "Stand with Ukraine". Schilder dürfen nicht angebracht werden, erinnert ein Polizist die Protestierenden.

Für Antonia Martynenko ist der Protest nur durch Beruhigungsmittel möglich. Am Morgen habe sie eine Panikattacke gehabt, sagt die junge Russin. Ihre Eltern leben in Russland und die Familie hat Freunde in Kiew. Sie übersetzt die russische Botschaft auf ihrem Schild. "Russland ohne Putin ist eine Welt ohne Krieg."

Unterdessen stand das Telefon von Stepan Rudzinskyy vom Ukrainischen Verein in Frankfurt nicht still. Ukrainer wollten wissen, wie sie nach Deutschland kommen können. Der Dachverband der Ukrainischen Vereine sei schon dabei, alles vorzubereiten, soweit das möglich ist. "Wir können Dolmetscherdienste organisieren, wir könnten unter Umständen beitragen, dass Verwundete in Deutschland behandelt werden können." Er fordert von Europa, die härtesten Sanktionen aufzufahren. Einschließlich des sofortigen Boykotts von Öl und Gas aus Russland.

Nach Ansicht von Pavel Khaylin - die Eltern seiner Frau leben in der Ukraine - sei es schon zu spät, um Putin zu stoppen: "Er ist ein Psychopath mit Atomwaffen." Die Ukraine habe 1994 alle ihre Atomwaffen abgegeben an Russland. Der Westen habe dem Land zwischen Polen und Russland zuletzt, noch vor wenigen Tagen, die zur Verteidigung notwendigen Waffen verweigert. "Jetzt haben wir keine Chance mehr." Ebenso fassungslos zeigte sich Petro Bokanov, der Geistliche der ukrainisch-orthodoxen Gemeinde. "Ich bin nur noch am Telefon. Es herrscht offener Krieg. Viele Städte werden angegriffen. Wir machen uns große Sorgen." Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat gestern zum Gebet aufgerufen, die evangelischen Kirchen wollen in den kommenden Tagen um 12 Uhr die Kirchenglocken läuten.

Zeitgleich fanden gestern zahlreiche Demonstrationen in vielen Städten statt. Doch "Lichterketten halten keine Panzer auf", kommentierte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer auf Facebook. Der CDU-Politiker sieht den Westen vor der Herausforderung, Außenpolitik wieder als Realpolitik zu betreiben.

Thomas Schmidt/Greta Hüllmann

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