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Bewohner eines Mehrfamilienhauses im Gallus-Viertel: Multikulturell war Frankfurt schon immer. Warum gerade heute so viele Menschen von überall her zum Arbeiten nach Frankfurt kommen, hat jetzt die Studie eines internationalen Jobportals herausgefunden.

Jobsuche

Frankfurt steht weltweit hoch im Kurs

Frankfurt rangiert in der Beliebtheitsskala der ausländischen Jobsuchenden weit oben, genauer gesagt mit 6,8 Prozent der Anfragen an dritter Stelle, direkt nach Berlin (8,3 Prozent) und München (7,9 Prozent). Dabei ist Frankfurt ziemlich in der Mitte von Deutschland und somit keine grenznahe Stadt zu einem Nachbarland. Warum ist Frankfurt also so beliebt?

Frankfurt rangiert in der Beliebtheitsskala der ausländischen Jobsuchenden weit oben, genauer gesagt mit 6,8 Prozent der Anfragen an dritter Stelle, direkt nach Berlin (8,3 Prozent) und München (7,9 Prozent). Dabei ist Frankfurt ziemlich in der Mitte von Deutschland und somit keine grenznahe Stadt zu einem Nachbarland. Warum ist Frankfurt also so beliebt?

Die Macher der Jobbörse indeed.com haben über die Grenzen geschaut und gefragt, wer im Ausland nach einem Job in Deutschland sucht. Die meisten Anfragen konnten die indeed-Marktbeobachter aus dem europäischen Ausland, aus Großbritannien, Österreich und der Schweiz registrieren. Das Plus für die Jobsuchenden sind die EU-Mitgliedschaft, die Nähe zum Heimatland sowie Kenntnisse der deutschen Sprache. Gesucht wurde vorwiegend nach Jobs für Ingenieure, Fachkräfte aus der Gesundheitsbranche wie Kranken- und Altenpfleger oder Physiotherapeuten.

Doch ob der Suche dann auch die Übersiedlung nach Deutschland folgt, das können indeed-Mitarbeiter nicht sagen. Das Suchverhalten sei ein Zeichen dafür, dass Jobsuchende darüber nachdenken, nach Deutschland zu ziehen, aber es gäbe Gründe schließlich doch nicht auszuwandern. Laut einer Befragung durch indeed.com überwiegen für viele, bei Freunden und Familie bleiben zu wollen, die Karriereaussichten oder einen spannenden Neuanfang in einem anderen Land zu wagen.

Interessant ist die Beobachtung, dass gerade die beliebten Städte zugleich hohe Besuchs- und Übernachtungszahlen aufweisen. International bekannte Tourismus- oder Messeziele fördern also die Anziehung für Arbeitssuchende. „Ein gutes Stadtmarketing könnte also nicht nur mehr Touristen anziehen, sondern auch mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland“, ist das Fazit der Studienautoren.

Für Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung Frankfurt ist klar, dass die Standortvorteile überzeugen: „Frankfurt bietet für internationale Fach- und Führungskräfte sowie Unternehmen ideale Standortbedingungen: Neben einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur garantiert der Flughafen die Anbindung an 262 Ziele in 100 Ländern weltweit.“ Frankfurt sei zugleich eine Stadt der kurzen Wege und verfüge über ein hervorragendes Angebot an internationalen Schulen und Kitas. Ebenso biete es kulturelle Vielfalt wie beispielsweise das größte English Theater in Kontinentaleuropa sowie etliche Bühnen und Museen. „Frankfurt ist die internationalste Stadt in der Bundesrepublik und vernetzt Deutschland mit der Welt“, sagt Schwebel.

Ulrich Kirsch, Pressesprecher der der Vereinigung der hessischen Unternehmen, VhU, freut sich über Frankfurts Beliebtheit. „So etwas hören wir als Unternehmerverband gern. Frankfurt ist ein wichtiger Industriestandort. Wir haben hier erheblich Chemie-, Auto-, Metall- und IT-Industrie.“

Und der Fachkräftemangel sei hier bereits deutlich zu spüren. Fachkräfte fehlen vor allem aus den so genannten MINT-Berufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. „In zehn bis 15 Jahren, wenn die Baby-Boomer aus dem Arbeitsmarkt aussteigen, wird das besonders eklatant.“

Die Branche Metall und Elektrounternehmen – Autoindustrie, Siemens, Autozulieferer – gehöre mit vier Millionen Beschäftigten und einem Jahresgesamtumsatz von einer Billion Euro zum größten Industriezweig in Deutschland, berichtet Kirsch. Metall und Elektrobranche sei einer der größten Treiber der IT-Wirtschaft. Frankfurter Unternehmen aus dieser Branche sind unter anderen Continental, Samson oder der Hessenchampion Nord-Micro. Auch in der Cloud-Technologie spielt Frankfurt vorne mit: Bei Interxion arbeitet der weltweit größte Datenknoten für deutsche Unternehmen.

Standortfaktoren mögen eine Rolle spielen, doch in erster Linie zählt der Job, den man annimmt. Izabela kommt aus Krakau und ist seit etwa eineinhalb Jahren in Frankfurt. Die Stadt war nicht ihr Ziel, sondern die Arbeit. Izabela ist lange mit Frankfurt nicht warm geworden. Es ist ihre zweite Stadt in Deutschland, in der sie lebt und arbeitet. Vor Frankfurt war Izabela einige Zeit in Berlin. Und von Zeit zu Zeit sucht sie in Frankfurt, was sie in Berlin so schätzte. Die Internationalität, das bunte Straßenbild, die Vielfalt der Bewohner. Die Germanistin schätzt an Frankfurt die Kompaktheit und die kurzen Wege. Mit dem Fahrrad kommt man schnell überall hin. „Was mich am Anfang wirklich erschreckt hat, ist, dass der materielle Status in Frankfurt so wichtig ist.“

Malik kommt aus Mesopotamien, „wo der Garten Eden liegt“, erzählt er stolz. Malik ist Bauingenieur, hat in der Türkei und in Deutschland studiert. Ursprünglich wollte er nach dem Studium zurück in die Türkei, doch die politische Situation hält ihn im Moment hier in Frankfurt. Pallavi und Vadiraj kommen aus Haidarabad in Indien. Es ist Zufall, dass sie in Frankfurt sind. Beide sind Ingenieure, doch zurzeit arbeitet nur Vadiraj für ein indisches Software- und Technologie-Unternehmen, während sich Pallavi um die gemeinsame zweijährige Tochter kümmert. Sie schätzen an Deutschland die Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, an Frankfurt den Palmengarten, den Opel-Zoo und den Weihnachtsmarkt. Letzteren vor allem wegen der Kartoffelpuffer. Und wann immer es jetzt im Winter die Zeit und das Wetter hergeben, gehen die drei in den Taunus zum Schlittenfahren.

Für Resat und Elif ist es ebenfalls reiner Zufall, dass sie in Frankfurt gelandet sind. Resat, der in der Türkei eine deutsche Schule besuchte, ist Wirtschaftsinformatiker und hat schon für einige Unternehmen in Europa gearbeitet. Elif ist Diplom-Chemikerin. Im Moment kümmert sie sich um den Sohn der beiden.

Anurag und Neha stammen aus dem Norden Indiens aus der Himalaya-Provinz Himachal. In Frankfurt schätzen sie die warmen Sommer. Anurag ist IT-Berater, und Neha, die gerade in der Babypause ist, ist Bankerin. Frankfurt, so finden sie, ist eine kleine Stadt, verglichen mit London oder Paris, mit einem „sehr guten Nahverkehrssystem“.

Joshua wuchs in Pretoria, Südafrika und bei Marburg in Hessen auf. Der Informatiker wollte explizit nach Frankfurt in die Nähe seiner „deutschen Familie“. Sein Vater, ein Pastor, lebte einige Zeit mit Familie in der deutschen Gemeinde. Die Stelle hat er 2014 gefunden, gekommen ist er allerdings erst 2015, da er so lange auf das Visum warten musste und bis sein Abschluss in Deutschland anerkannt wurde. Am liebsten isst Joshua Wiener Schnitzel mit Pommes und Bienenstich liebt er ebenso wie die Oper. An Frankfurt schätzt er die Internationalität der Stadt, die Messe, die viele Menschen in die Stadt bringt.

Was alle jedoch an die Stadt am Main bindet, ist, dass man hier so schnell wieder weg ist. „Man fährt mit der S-Bahn zum Flughafen und kann ein paar Stunden später zu Hause sein“.

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