Bei den Fahrgästen beliebt: die Straßenbahnen. Foto: Hamerski
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Bei den Fahrgästen beliebt: die Straßenbahnen. Foto: Hamerski

Verkehr

Frankfurt: Straßenbahn erlebt enorme Renaissance

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Öffentliche Verkehrsmittel in Frankfurt verzeichnen 35 Prozent mehr Fahrgäste seit 2010. Große Zuwächse gab es auch bei den U-Bahn-Linien U1, U4 und U8.

Frankfurt -Deutlich mehr Menschen sind mit U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse unterwegs. Die Fahrgastzahl ist von 2010 bis 2019 um 35 Prozent gestiegen. Selbst wenn die Corona-Pandemie aktuell zu weniger Menschen in den Bahnen und Bussen führt: Die Stadt rechnet bald wieder mit normaler Nachfrage. Auf einigen Linien sind bereits wieder 80 Prozent der Vor-Corona-Zahlen erreicht. Alle aktuellen Daten im Überblick:

U-Bahn plus 25 Prozent

Hier wird Masse gemacht: Die Fahrgastzahl in den U-Bahnen ist binnen zehn Jahren um ein Viertel gestiegen. Auf der A-Strecke geht es sogar um 50 Prozent nach oben auf nun 117 000 Fahrgäste jeden Tag: 38 Prozent Plus zählt die U1, 37 Prozent mehr die U8, 16 Prozent die U2 und 14 Prozent die U3. Die am stärksten frequentierte Linie, die U4, zählt mit plus 21 Prozent bald 60 000 Fahrgäste am Tag, die U5 gewann 18 Prozent. Um 26 Prozent ging es bei der U7 hinauf und um 14 Prozent bei der U6.

Neue Liebe zur Elektrischen

Vor 40 Jahren sollte sie noch aus der Innenstadt verbannt werden. Doch die Frankfurter lieben ihre Elektrische. Um 37 Prozent hat die Fahrgastzahl der Trams seit 2010 zugenommen, allein um 15 Prozent im vorigen Jahr. "Eine Renaissance der Straßenbahn" sieht Tom Reinhold, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsorganisation Traffiq. "Ein ganz gigantischer Zuwachs". Das stärkste Plus verzeichnen die Linien 11, 14 und 21 auf der Mainzer Landstraße mit plus 23 Prozent östlich der Galluswarte. Vor allem die seit einem Jahr verkehrende 14 stemmt diese Zuwachs. Sie entlastet die am stärksten nachgefragte Linie 11 Fechenheim-Höchst, die täglich mehr als 16 500 Menschen transportiert.

Starke Zuwächse hat auch die Linie 18 nach Preungesheim, deren Fahrgastzahl seit Betriebsstart 2012 um 59 Prozent stieg. Ebenso 59 Prozent Plus gibt es auf der Linie 21 zwischen Stadion und Nied. Die Linie 17 Neu-Isenburg-Rebstockbad kommt auf 44 Prozent mehr Fahrgäste.

Stetig mehr fahren Bus

Ein Plus von 40 Prozent an Fahrgästen in den Bussen hat Traffiq von 2010 bis 2019 gezählt, auf den am stärksten nachgefragten Linien sogar 52 Prozent. Besonders die Linien 53, 55 und 59 im Westen sowie die 79 in Niederrad haben starke Zuwächse. Die Linie 34 Gallus-Bornheim sei trotz Gelenkbussen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt.

Was sind die Ursachen?

Zum einen seien neue Wohngebiete die Ursache für die Steigerungen, erklärt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) - zum Beispiel der Riedberg fürs Plus der U8, der Frankfurter Bogen für das auf der 18, die neuen Quartiere im Gallus für die dortigen Linien. Zum anderen mache sich einfach die wachsende Stadt bemerkbar - schließlich ist Frankfurt in jener Dekade um 100 000 Einwohner größer geworden. Hinzu kommt: Weil das Angebot besser wurde, etwa durch den Nachtverkehr, sei der Nahverkehr generell attraktiver, locke Menschen aus dem Auto heraus.

Wie sich Corona auswirkt

Waren zum Höhepunkt der Kontaktbeschränkungen um 80 Prozent weniger Menschen in Bussen und Bahnen unterwegs, sei inzwischen im Schnitt wieder die Hälfte der üblichen Fahrgastzahl erreicht, sagt Tom Reinhold. Dabei fehlten die Verkehrsspitzen am Morgen - wohl weil viele Menschen im Homeoffice arbeiteten. Auf den Arbeiterlinien 11, 14 und 21 in der Mainzer Landstraße seien 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht. "Das wird sich wieder normalisieren in Richtung der alten Zahlen", schätzt Klaus Oesterling - sobald es den Impfstoff gebe.

So reagiert die Stadt jetzt

"Die Stadt wird weiter prosperieren, die Verkehrsnachfrage wird weiter zunehmen", schätzt der Verkehrsdezernent. Deshalb müsse der Nahverkehr weiter ausgebaut werden. Vom Herbst an sollen 22 U-Bahn-Wagen geliefert werden, um Züge zu verlängern - vor allem auf der U2 und der U7. Von Dezember an soll die U8 öfter fahren. Zudem hat die Stadt 45 Straßenbahnen bestellt. In zwei Wochen will Oesterling ein neues Tram-Konzept vorstellen: Damit soll es auf dem bestehenden Schienennetz drei weitere Linien geben.

Wie das alles gezählt wird

Wie sich die Zahlen entwickeln, ermittelt Traffiq seit 2004 mit Fahrgastzählungen im Herbst in den Bussen und Bahnen. In Zukunft erledigen das automatische Zählsysteme in den Türbereichen. Die neue Technik sei jetzt einsatzbereit, sagt Reinhold. Sie ermittele sogar bereits für die aktuellen Änderungen durch Corona. Dennis Pfeiffer-Goldmann

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