Frankfurt bekommt mehr Straßenbahnen.
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Frankfurt bekommt mehr Straßenbahnen.

Ausbau und Reaktivierung

Drei neue Linien für Frankfurt: Straßenbahn-Netz wird größer

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Frankfurt rüstet sich für neue Einwohner: Dafür soll das Straßenbahn-Netz ausgebaut werden. Wachsen kann das Angebot aber zunächst nur auf vorhandenen Gleisen.

  • Das Straßenbahn-Netz in Frankfurt soll ausgebaut werden.
  • Zwei alte Strecken werden reaktiviert.
  • Mit dem ausgebauten Netz soll der wachsenden Einwohnerzahl Rechnung getragen werden.

Frankfurt – In den nächsten Jahren will die Stadt Frankfurt das vorhandene Gleisnetz komplett ausreizen, um das Angebot der Straßenbahn zu erweitern. Zwei Betriebsstrecken sollen wieder fahrplanmäßig bedient, Linienäste neu verknüpft werden, neue Direktverbindungen entstehen. 5,3 Millionen Fahrgäste im Jahr zusätzlich erwartet die Stadt. Doch wird es noch einige Zeit dauern, bis alles Realität wird.

Das Straßenbahnkonzept hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Montag (06.07.2020) vorgestellt. Das Stadtparlament muss es noch beschließen. Es sieht nur in minimalem Umfang den Bau neuer Gleise vor. Große Neubauten wie die Ringstraßenbahn seien frühestens in zehn Jahren fertig, schätzt der Stadtrat. Daher sollen nun mehr Verbindungen auf den vorhandenen Gleisen die "maximal mögliche Erschließung" bieten und zehn Prozent mehr Fahrgäste locken.

So soll das ausgebaute Straßenbahn-Netz in Frankfurt aussehen.

Ganz neu ist nur eine Linie: Die 13 vom Gutleutviertel zum Industriehof durch Bockenheim. Mit ihr erhalten die nur als Betriebsstrecken genutzten Abschnitte in der Mannheimer und der Schlossstraße planmäßigen Betrieb. "Die einfachste Art der Investition", frohlockt der Dezernent. Sie beschert Anwohnern ein neues Angebot und kürzere Fußwege zu Haltestellen. Dazu gehört auch das Schönhof-Viertel in Bockenheim, wo 2000 Wohnungen entstehen sollen.

Einheitlicher Takt für alle Straßenbahn-Linien in Frankfurt

Mit dem neuen Netz in Frankfurt werde auch der Takt vereinheitlicht, erläutert Tom Reinhold, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsorganisation Traffiq. Alle Linien fahren fortan alle zehn Minuten, bisher fuhren einige alle 7,5 Minuten. Wo der Zehnertakt nicht ausreicht, soll in Zukunft eine zweite Linie unterwegs sein, damit so ein 5-Minuten-Takt entsteht.

Dafür werden zwei Linien neu geschaffen: die 19 vom Gravensteinerplatz nach Oberrad und die 20 von der Bürostadt Niederrad zum Rebstockbad. Sie fahren wie die vorhandenen Linien, sind aber auf anderen Außenästen verbunden. Auch fährt die 15 nach Fechenheim statt Oberrad. So entstehen neue, umsteigefreie Verbindungen wie aus dem Nordend nach Oberrad, von Niederrad zur Messe, von Sachsenhausen in die Hanauer Landstraße. Die 14 wird im Westen verlängert, damit das Angebot für Nied nicht geringer wird.

Um die Züge gleichmäßiger auszulasten, tauschen mit 16 und 21 zwei Linien ihre westlichen Endpunkte: Die 16 fährt nach Nied und Höchst, die 21 nach Ginnheim. Auf der am stärksten frequentierten Strecke in der Mainzer Landstraße sinkt die Zahl der stündlichen Fahrten zur Innenstadt hin aber von 22 auf 18. Kein Problem, findet Tom Reinhold: Auf den Linie 11 und 16 sollen jene neuen Straßenbahnwagen fahren, die von 30 auf 38 Meter verlängert werden und rund ein Viertel mehr Platz bieten. Auch werde die U5 im Europaviertel von 2024 an einige Fahrgäste von der Tram abziehen.

Elf weitere Langzüge müssen für Straßenbahn in Frankfurt bestellt werden

In Höchst, Nied, Griesheim, Niederrad, Fechenheim, der City West, im Nord- und Ostend fährt die in Zukunft öfter. Doch es gibt auch Verlierer: Zweimal weniger pro Stunde rollt die Elektrische nach Neu-Isenburg, zum Gravensteinerplatz, durch Altstadt und Mörfelder Landstraße. Sonst bleibt das Angebot gleich.

Ohne die 45 schon bestellten neuen Straßenbahnwagen der Baureihe T ist das Ausweiten des Angebots in Frankfurt nicht möglich. 22 davon kommen in der Langversion für die 11. Damit auch die 16 Langzüge bekommen kann, müssen sogar noch elf weitere bestellt werden. Der Lieferbeginn verspätet sich jedoch von Dezember bis Juni 2021, nachdem bei Hersteller Alstom wegen Corona die Produktion zwischenzeitlich ruhte.

Frühestens im Sommer 2022 könne die 20 als erste neue Linie hinzukommen, erklärt Klaus Oesterling. Das sei besonders wegen der vielen neuen Wohnhäuser in Niederrad, am Rebstock und in der City West nötig. Zuvor würden noch die letzten nicht barrierefreien Fahrzeuge ersetzt.

Das neue Netz kann laut Reinhold in mehreren Schritten bis 2024/25 Realität werden. Dafür müssen aber einige kurze Gleisstrecken ergänzt werden, zum Beispiel Wendestellen nördlich der Friedberger Warte, in der Bürostadt Niederrad und ein Bahnsteiggleis am Industriehof neben dem U-Bahnsteig. Elementar ist der Ausbau der Station Hauptbahnhof von zwei auf vier Gleise, um genug Kapazität für die neuen Züge zu schaffen.

So soll das neue Straßenbahn-Netz in Frankfurt aussehen:

Linie 11Höchst- Hauptbahnhof-Altstadt-Ostendstraße-Fechenheim (unverändert) mit Langzügen
Linie 12Schwanheim-Hauptbahnhof-Altstadt-Konstablerwache-Bornheim-H.-Junkers-Straße (unverändert)
Linie 13 neuHeilbronner Straße- Hauptbahnhof-Festhalle/Messe-Kurfürstenplatz-Schönhof-Industriehof
Linie 14 verlängertNied-Ordnungsamt-Hauptbahnhof-Altstadt-Ostendstraße-Ernst-May-Platz
Linie 15 verändertHaardtwaldplatz-Sachsenhausen-Lokalbahnhof-Ostendstraße-Fechenheim
Linie 16 verändertHöchst-Hauptbahnhof-Sachsenhausen-Lokalbahnhof-Oberrad, mit Langzügen
Linie 17Neu-Isenburg-Hauptbahnhof-Rebstockbad (unverändert)
Linie 18Gravensteinerplatz-Konstablerwache-Lokalbahnhof-Louisa (unverändert)
Linie 19 neuGravensteinerplatz- Konstablerwache-Lokalbahnhof- Oberrad
Linie 20 neuBürostadt Niederrad-Hauptbahnhof-Rebstockbad
Linie 21 verändertStadion-Hauptbahnhof-Ginnheim

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