Essen, Getränken und Kleidung

Coronakrise: Street Angel kümmern sich weiter um Bedürftige in Frankfurt

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Mehrmals in der Woche versorgen die Street Angel Bedürftige in Frankfurt mit Essen, Getränken oder Kleidung. Wegen der Corona-Pandemie müssen sie nun kreativ werden.

  • Die Street Angel kümmern sich um Bedürftige in Frankfurt
  • Wegen der Coronakrise müssen sie kreativ werden
  • In Bahnhofsviertel und Innenstadt nehmen viele Menschen das Angebot wahr

Frankfurt - Aus der Ruhe bringt Sabi Uskhi kaum etwas. Auch nicht, wenn er von heute auf morgen das Konzept für die Versorgung Bedürftiger umstellen muss. „In Corona-Zeiten ist Flexibilität gefragt“, sagt er. „Street Angel e.V.“ steht auf dem schwarzen Truck, vor dem er steht. „Wir helfen dort, wo andere wegsehen.“ Vor dem Truck stehen Plastikkisten. Alle paar Minuten kommen Passanten mit Einkaufstüten. Bananen, Milchbrötchen, Saft, Schokolade, Wurst, Käse, Traubenzucker, Dosenfisch und Feuchttücher sind darin. 

Die Einkaufsliste haben die Street Angel über die Sozialen Medien veröffentlicht. „Das sind Dinge, die Menschen auf der Straße brauchen“, sagt Annette Starke, die sonst für die Bedürftigen kocht. Ein Mann bringt gleich drei Tüten. „Ich wollte nicht hamstern und bin halt in drei Läden gegangen, damit für alle genug da ist“, sagt er. Er ist von Sachsenhausen zum Dornbusch gekommen, um Lebensmittel abzugeben.

Street Angel trotz Corona für Bedürftige in Frankfurt da

Aus ganz Frankfurt kommen die Leute. Nach vier Stunden stapeln sich mehr als 300 Tüten im Truck. Uskhi kann es nicht glauben. „Damit habe ich nicht gerechnet, dass so viele kommen“, sagt er. Morgens hatten sie noch gespendetes Obst und Gemüse am Scheck-In Center Ostend abgeholt. Bäckereien spenden Brötchen. „Die schmieren wir noch für jeden“, so Starke.

Seit sechs Jahren gibt es den Verein. Seit sechs Jahren kochen die Street Angel in Frankfurt für Bedürftige und verteilen Eintöpfe oder Suppen. Da das wegen Corona nicht mehr möglich ist, verteilen sie ihre Tüten im Bahnhofsviertel. Es warten schon etwa 70 Leute an der Ecke Nidda-/Moselstraße. Die meisten halten Abstand und beobachten, wie Street Angel Vasi mit Klebeband Linien auf den Bürgersteig klebt und Querstriche für 1,5 Meter Abstand. Er war selbst obdachlos, hat es geschafft, herauszukommen. Und er kennt die Menschen, die auf der Straße leben und ihre Probleme. 

Normalerweise gibt es von den Street Angels auch Zeit zum Reden. Heute nicht. Es muss schnell gehen, damit die Abstände eingehalten werden. Uskhi und Vasi tragen Handschuhe, Masken und ihre Erkennungswesten. Sie bitten freundlich und bestimmt um Abstand und Geduld. „Jeder bekommt was“, verspricht Uskhi. Starke und vier weitere Street Angel geben den Leuten Tüten in die Hand.

Street Angel in Frankfurt: Bedürftige teilen in Corona-Krise miteinander

In 45 Minuten sind 300 Tüten verteilt. Manche der Empfänger haben Tränen in den Augen, andere strahlen. Alle zehn Minuten fährt die Polizei im Schritttempo vorbei. Die Beamten nicken anerkennend, weil sich alle an die Regeln halten. „Gut, dass es Vereine wie die Street Angel gibt, die helfen“, sagt ein Beamter.

Als der Wagen leer ist, kommt eine Frau angerannt. Sie weint, als sie hört, dass alles weg ist. Uskhi findet noch etwas für sie. Die Tränen versiegen. Ein weiterer Mann kommt zu spät. Die Frau kramt in ihrer Jackentasche und gibt ihm ihre angebrochene Tafel Schokolade. „Wir müssen zusammenhalten. Wir müssen teilen“, sagt sie. Uskhi dreht sich weg. „Auch wenn wir helfen, tut mir jedes Mal das Herz weh, wenn es nicht für alle reicht. Dass dann ausgerechnet die, die am wenigsten habe, noch ihr Letztes teilen, berührt mich sehr.“

Noch etwas bekümmert ihn: „Die Obdachlosen haben keinen Ort für Rückzug. Jetzt in der Corona-Krise noch weniger. Es macht mir Sorgen, dass die Hotels nicht sofort für sie geöffnet werden. Ich habe gehört, dass Infizierte einen Platz bekommen, aber es wäre schön, wenn es nicht so weit kommen muss.“ 

Am Samstag steht der Truck der Street Angel wieder in Frankfurt-Dornbusch, Ecke Eichendorfstraße. Wer mag, kann von 14 bis 18 Uhr Geflügelwurst, Thunfisch in Dosen, Käse, Milchbrötchen, Schokolade, Multivitaminsaft oder Bonbons, Feuchttücher, Traubenzucker und Bananen vorbeibringen. Weitere Infos gibt es auf der Facebook-Seite von Street Angel.

Von Sabine Schramek

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