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Mitten auf der Bockenheimer Landstraße in Frankfurt ist der Ein- und Ausgang zum Aufzug der U-Bahn-Station "Westend". Der Hauptkritikpunkt: Für Fußgänger ist es sehr gefährlich. Und es entstehen zusätzliche Wege, weil die Fahrbahn überquert werden muss.

Angst vor Verkehrschaos

Streit um Aufzug mitten auf Bockenheimer Landstraße: "Zu gefährlich" für Fußgänger

Ortsbeirat und Stadtverordnete haben den Aufzug vom Bahnsteig der U-Bahn-Station "Westend" auf eine Mittelinsel der Bockenheimer Landstraße mehrheitlich abgesegnet. Die Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) kritisiert das scharf.

Frankfurt - Eine logistische Herausforderung sieht Stefan Nikles vom Rewe-Markt in der Bockenheimer Landstraße, wenn der Aufzug in der U-Bahn-Station "Westend" wie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen nachgerüstet wird. Die Warenanlieferung für den Supermarkt über die Myliusstraße sei dann mangels Platz nicht mehr möglich, erklärte er gestern bei einem Ortstermin, zu dem die Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) eingeladen hatte. Die AGW-Mitglieder sprachen von einem Schildbürgerstreich.

Der Aufzug fährt direkt vom Mittelbahnsteig an die Oberfläche, der Ein- und Ausstieg ist mitten auf der Bockenheimer Landstraße. In Höhe der Myliusstraße ist deshalb eine gesicherte Mittelinsel geplant. Aus Platzgründen müssen aber Radweg und Fahrspur in Fahrtrichtung Bockenheim verschwenkt werden - vier Bäume müssen weichen.

Frankfurt: Aufzug auf Mittelinsel der Bockenheimer Landstraße geplant 

Der AGW-Vorsitzende Hans-Jürgen Hammelmann hat klare Worte. "Das muss verhindert werden." Diese Lösung sei zu gefährlich. Bei Drängeleien auf der kleinen Fläche drohten Menschen auf die Fahrbahn gestoßen zu werden. Weniger Beeinträchtigungen würden zwei getrennte Aufzüge von der C- zur B-Ebene und von der B-Ebene an die Oberfläche bringen. Auch wenn die Behindertenverbände diese Lösung abgelehnt hätten, sei sie doch sicherer. "An der Bockenheimer Warte funktioniert das seit Jahren prima", sagte Hammelmann.

Er kritisiert auch, dass die später durch den Radentscheid auf den Weg gebrachte mögliche Umgestaltung der Bockenheimer Landstraße - nur noch eine Fahrspur, im Gegenzug mehr Platz für Radfahrer - in den Plänen noch nicht berücksichtigt ist. Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) kann sich deshalb vorstellen, die Aufzugsplanung nochmals zurückzustellen und ein Gesamtkonzept auszuarbeiten.

Frankfurt: Widerstand gegen Aufzug - Oesterling sieht keine Probleme

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will aber nichts rückgängig machen. Die beschlossene Variante hätten die Behindertenverbände empfohlen - bei anderen Lösungen hätten behinderte Menschen in der B-Ebene umsteigen müssen. Bei anderen Varianten hätte es Probleme gegeben. "Züge hätten wegen der Bauarbeiten ein halbes Jahr nicht fahren können." Das Argument, Ein- und Ausstieg auf der Mittelinsel seien zu gefährlich, lässt Oesterling nicht gelten. In anderen Städten, etwa in Berlin, gebe es vergleichbare Lösungen.

Dass die Bockenheimer Landstraße später verengt werde und Radfahrer mehr Platz bekommen, ist laut Oesterling der Entwicklung der Verkehrszahlen in den vergangenen zwei Jahren geschuldet. Die Bockenheimer sei eine der Straßen, in der mit die meisten Radfahrer unterwegs seien. "Der Anteil der Radfahrer beträgt jetzt rund 20 Prozent in Frankfurt. Und es kommen noch die E-Scooter dazu. Die Autofahrer müssen in den sauren Apfel beißen."

Frankfurt: Eine Fahrspur weniger - "Autofahrer werden versuchen den Stau zu umfahren"

Hammelmann hat nichts dagegen, dass Radfahrer mehr Platz bekommen. Doch nicht nur er befürchtet, dass der Verkehr zusammenbricht, wenn eine Fahrspur auf der Bockenheimer wegfällt. Sibel Rath (AGW) rechnet mit dem Schlimmsten, die Leidtragenden seien Bewohner der Seitenstraßen. "Autofahrer werden versuchen, den Stau zu umfahren und dazu natürlich in die Seitenstraßen ausweichen. Das endet im Chaos", sagt sie. Ähnlich wird es während der Bauarbeiten für den Einbau des Aufzugs sein. Der, sagt sie, werde nicht 20 Monate dauern, sondern viel länger.

Von Matthias Bittner

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