Ein Kind wäscht sich in einer Kita die Hände (Symbolbild).
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Ein Kind wäscht sich in einer Kita die Hände: Laut einer Studie aus Frankfurt ist das Infektionsrisiko in der Kita eher gering (Symbolbild).

Corona-Forschung

Corona-Verbreitung in Kitas: Das Alter spielt eine große Rolle

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Nach Aussagen einer Virologin aus Frankfurt spielt das Alter eine große Rolle bei der Weiterverbreitung des Coronavirus, wie eine Studie an Kita-Kindern belegt.

  • Ein Team der Goethe-Uni Frankfurt hat über zwölf Wochen mehr als 800 Kita-Kinder immer wieder auf Corona getestet.
  • Bei keinem von ihnen konnte das Coronavirus* nachgewiesen werden.
  • Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek bezeichnet das Ergebnis als überraschend.

Frankfurt ‒ Das Corona-Infektionsrisiko in Kitas ist einer neuen Studie der Goethe-Universität Frankfurt zufolge nicht sehr groß. Die Uni hat die Studie zu Corona in Kitas in Zusammenarbeit mit dem hessischen Sozialministerium durchgeführt. Bei der repräsentativen „Safe-Kids-Studie“ waren über einen Zeitraum von zwölf Wochen 825 Kinder sowie 372 Mitarbeitenden in 50 Kitas in Hessen getestet worden. Das teilte die Universität am Mittwoch (04.11.2020) mit.

Hessens Sozialminister Klose erklärt auf Twitter, dass die Auswahl der Kitas für die Studie zufällig erfolgte: Demnach habe das Statistische Landesamt Hessen eine repräsentative Stichprobe von Kitas in Hessen gezogen. Dabei seien sowohl ländliche Regionen als auch Städte berücksichtigt worden. Eltern und Mitarbeitende hatten den Angaben zufolge einmal pro Woche einen Wangen- und einen Analabstrich bei ihren Kindern und sich selbst vorgenommen, um eine Ausscheidung von Sars-CoV-2 nachzuweisen.

Corona-Studie aus Frankfurt: Mehr als 800 Kita-Kinder zweimal wöchentlich getestet

„In den zwölf Wochen Beobachtungszeitraum hat sich wohl keines der mehr als 800 untersuchten Kinder infiziert“, sagte Studienleiterin Sandra Ciesek. Und das, obwohl mehr als 13.000 Abstriche mit einer PCR getestet wurden, die das Erbgut des neuartigen Coronavirus nachweist. Im Laufe der Studie seien insgesamt nur zwei Probanden positiv getestet worden – in beiden Fällen Erzieherinnen. Zuerst hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ über die Forschungsergebnisse des Teams um die Frankfurter Virologin berichtet.

Im Untersuchungszeitraum (18. Juni bis 10. September) sei die Rate an Corona-Neuinfektionen landesweit allerdings als niedrig einzustufen gewesen, heißt es. Daher seien die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf ein Umfeld mit hoher 7-Tage-Inzidenz übertragbar, wie es aktuell fast überall in Deutschland gegenwärtig ist. Zum Start der Studie war völlig offen, wie sich die Inzidenz des Virus Sars-CoV-2 entwickeln würde und welche Rolle Kitas dabei spielen können. Im Studienzeitraum hätten allerdings auch die hessischen Sommerferien und die Wochen danach gelegen, in denen es reisebedingt zu einem Anstieg der Fallzahlen kam.

Studie„Safe-Kids-Studie“
StudienleitungFrankfurter Virologin Sandra Ciesek
Untersuchungsgegenstand50 Kitas in Hessen: 825 Kinder sowie 372 Mitarbeiter:innen
Untersuchungszeitraum 18. Juni bis 10. September 2020 (12 Wochen)
DurchführungCorona-Test: Bei den Probanden wurde einmal pro Woche ein Wangen- und ein Analabstrich durchgeführt
ErgebnisDas Coronavirus wurde bei 0 Kindern und 2 Erzieherinnen nachgewiesen

Corona-Forschung in hessischen Kitas: „Wahrscheinlichkeit scheint extrem gering“

„Die Wahrscheinlichkeit scheint also extrem gering zu sein, dass sich Kinder anstecken“, so Ciesek. Überraschend sei dieser Befund insofern, als die meisten Infektionskrankheiten wie Erkältungen oder die saisonale Grippe sich sehr schnell in Kitas und Schulen verbreiteten, erklärte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Ausgerechnet bei Sars-CoV-2 scheint das aber nicht so zu sein.“

Sozialminister Klose stellt zur Einordnung der Ergebnisse klar: „Das heißt auf keinen Fall, dass sich Kinder oder Erzieher:innen in der Kita nicht mit dem Virus infizieren können! Auch heißt es nicht, dass es dort keine Ausbrüche gibt – natürlich gibt es die, selbst unter Hygieneauflagen.“ Dennoch könne man festhalten, dass das Risiko für die Kinder, sich in der Kita mit dem Coronavirus zu infizieren, relativ gering sei. Auch wenn sich kleine Kinder nicht immer an die AHA-Regeln halten können.

Corona in Schulen und Kitas: Alter spielt eine große Rolle bei der Verbreitung des Virus

Falls sich der schnelle Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland nicht bald beruhige und es wieder darum ginge, Kita- oder Schulschließungen zu diskutieren, empfiehlt die Virologin Ciesek aus Frankfurt, zunächst Oberstufenschüler nach Hause zu schicken. Das Alter spiele eine große Rolle bei der Verbreitung des Virus.

Die Studie war allerdings ausschließlich auf die Untersuchung der Corona-Infektionen in Kitas spezialisiert. Es können daher keine direkten Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen an Schulen gezogen werden. Das Hessische Kultusministerium und die Goethe-Universität Frankfurt teilen am Donnerstag (05.11.2020) bereits mit, dass die Zusammenarbeit des Landes mit der Universität auch im Hinblick auf die Forschung zu Corona an Schulen ausgeweitet wird. Die Ergebnisse der Frankfurter Forschung sollen noch gezielter zur Bekämpfung der Pandemie und für die weitere Organisation der Schulen und Kitas in der Corona-Krise* Anwendung finden.

„Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens sind wir immer wieder auf die Erkenntnisse der Wissenschaft angewiesen“, erklärte Kultusminister Alexander Lorz am Donnerstag in Wiesbaden. „Unter den aktuell sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen der Pandemie freue ich mich, dass uns ein so starker Partner wie die Goethe-Universität jetzt noch mehr mit seiner wissenschaftlichen Expertise unterstützt.“ (iwe) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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