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Begleitet von großem Medienrummel durchtrennt Oberbürgermeister Peter Feldmann zur offiziellen Eröffnung der neuen Altstadt ein Band aus rotem Samt. Stadtrat Mike Josef, Ehrenbürgerin Petra Roth, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und SPD-Fraktionschefin Ursula Busch (v. li.) assistieren.

Neue Altstadt eröffnet

Frankfurt ein Stück Seele zurückgegeben

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Sechseinhalb Jahre sind seit der Grundsteinlegung vergangen, rund 200 Millionen Euro geflossen. Gestern hat Oberbürgermeister Peter Feldmann die neue Frankfurter Altstadt offiziell eröffnet.

Ein breites Band aus rotem Samt spannt sich vom Krönungsweg hinüber zur Häuserzeile. Fanfarenklänge hallen über den Hühnermarkt und verheißen Großes. Dann ist er da, der Moment: Mit einer riesigen Schere durchtrennt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) das samtene Band und eröffnet – symbolisch – die neue Altstadt. Symbolisch auch deshalb, weil Frankfurter und Touristen das Quartier längst erobert haben, seit im Mai die Bauzäune gefallen sind. 7000 Menschen strömen schon jetzt täglich durch die neu gestalteten Gassen zwischen Dom und Römer. „Die Menschen haben es einfach nicht mehr ausgehalten“, freut sich Feldmann, dass das neue Quartier so gut angenommen wird. Am vergangenen Wochenende sei es derart voll gewesen, man habe glauben können, das Altstadtfest sei schon in vollem Gange.

Doch gefeiert wird erst an diesem Wochenende. Gestern zunächst ganz förmlich mit einem großen Festakt in der Paulskirche, musikalisch umrahmt von der Neuen Philharmonie Frankfurt. „Wir geben dieser Stadt ein Stück Herz und ein Stück Seele zurück“, sagte Feldmann in seiner Ansprache. Sein besonderer Dank gelte dem Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft Michael Guntersdorf wie auch dem Vorsitzenden des Gestaltungsbeirats, Christoph Mäckler. Für beide Männer gab es vom Paulskirchenpublikum einen Sonderapplaus.

Architekt Mäckler hatte denn auch die Ehre, die Festrede halten zu dürfen. „Dieser Neubau hat weit über die Grenzen der Stadt Vorbildfunktion“, betonte Mäckler. Das gelte nicht nur für die Idee, ein Stück Stadtgeschichte wieder erlebbar zu machen. Das gelte auch für die Art und Weise, wie das 200-Millionen-Euro-Projekt umgesetzt wurde – und für den Mut zu dieser Investition.

Beispielhaft am Altstadtprojekt sei der Umgang mit dem öffentlichen Raum, der heutzutage in der Stadtplanung viel zu wenig beachtet werde, kritisierte Mäckler: „Moderne Stadtplanung bietet keine Räume, keine Plätze.“ Dabei sei der öffentliche Raum „das Wohnzimmer der Städte und Gemeinden“. Und „wenn die Eintracht die Bayern im DFB-Pokal besiegt, wird sie auf dem Römerberg gefeiert und nicht auf dem Riedberg.“

Eine zentrale Rolle spielten in diesem Zusammenhang die Fassaden der Häuser, betonte Mäckler. Nicht nur für die neue Altstadt habe sich der Wettbewerb zur Fassadengestaltung gelohnt, auch die benachbarte Braubachstraße sei vor 120 Jahren auf diese Weise gestaltet worden. Nur fehle ihr der damals wohl bedachte, im Zweiten Weltkrieg aber zerstörte Abschluss: das Spitzdach auf dem nördlichen Rathausturm (siehe Bericht unten). „Wir sollten das ändern“, lässt Mäckler durchblicken, dass er das nächste Projekt schon im Blick hat, betont aber gleichzeitig: „Wir brauchen nicht noch mehr Altstadt.“ Die Rekonstruktion, so wie sie nun umgesetzt sei, ergebe ein stimmiges Bild. Hier verbinde sich das Neue mit dem Alten, die Moderne mit der Geschichte.

Insgesamt 35 Häuser wurden seit der Grundsteinlegung am 23. Januar 2012 auf der etwa sieben Hektar großen Fläche zwischen Dom und Römer – zum Teil originalgetreu – wieder aufgebaut. Große Teile der Frankfurter Altstadt waren im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Daran und an die Opfer des Krieges gedachten die Gäste in der Paulskirche in einer Schweigeminute.

Die neue Altstadt jedenfalls macht der alten alle Ehre und hat sich schon lange vor der offiziellen Eröffnung zu einem Touristenmagnet entwickelt. Die städtische Tourismus und Congress GmbH hofft, noch in diesem Jahr die Marke von 10 Millionen Touristen in Frankfurt knacken zu können. Spätestens aber 2019.

Für dieses Wochenende werden bis zu 250 000 Besucher erwartet. Gefeiert wird dann nicht mehr in der altehrwürdigen Paulskirche, sondern auf den Gassen und Plätzen der Altstadt.

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