So stellen sich die Grünen den Umbau der Berliner Straße vor: Sie bleibt eine leistungsfähige Hauptstraße, aber mit viel Raum für Radfahrer und Fußgänger sowie Bäumen und Grünflächen.
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So stellen sich die Grünen den Umbau der Berliner Straße vor: Sie bleibt eine leistungsfähige Hauptstraße, aber mit viel Raum für Radfahrer und Fußgänger sowie Bäumen und Grünflächen.

Kommunalwahl

Frankfurt: Grüne wollen Autoverkehr aus der City verbannen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Grünen rüsten sich für den Kommunalwahlkampf: Sie wollen mit einem Verkehrskonzept für das Stadtzentrum punkten, dass Autos nur noch auf wenigen Hauptstraßen zulässt.

  • Die Grünen wollen weniger Autoverkehr in Frankfurt durchsetzen.
  • Ein Konzept soll für den Kommunalwahlkampf taugen.
  • Wichtig ist der Partei ein ganzheitlicher Ansatz.

Frankfurt - Nur noch auf wenigen Hauptstraßen und den Zufahrten der Parkhäuser sollen in einigen Jahren Autos im Stadtzentrum fahren. Das sieht das City-Verkehrskonzept der Römerfraktion der Grünen vor. Anlass für die Vision der „Stadt am Main“ ist auch ein gescheiterter Verkehrsversuch - und die Lehren daraus.

Mainkai-Sperrung als Einzelmaßnahme in Frankfurt nicht sinnvoll

Nein, über die Mainkai-Sperrung wolle sie gar nicht sprechen an diesem Tag, sagt Grünen-Fraktionschefin Jessica Purkhardt. Aber „der Mainkai hat gezeigt, dass es nicht damit getan ist, eine Einzelmaßnahme umzusetzen“, wenn man den Verkehr in der Stadt reduzieren wolle.

Zusammen mit einer Handvoll Mitstreiter hat Wolfgang Siefert, Kreisvorstandsmitglied und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, das Konzept erarbeitet. Mit diesem will die Partei in den Kommunalwahlkampf ziehen. Da der Anteil des Autoverkehrs sinkt und Umwelt- und Klimaprobleme zunähmen, sei es an der Zeit, den Autos Raum zu nehmen und diesen neu zu verteilen. „Wir haben keine ausgeprägte Autophobie“, beteuert die grüne Sachsenhäuser Stadtverordnete Ursula auf der Heide. „Wir wollen weniger Autos, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, mehr Aufenthaltsqualität, mehr Grün und Klimaschutz sowie Handel, Gastro und Kultur stärken.“

In wenigen Jahren in Frankfurt Autoverkehr nur noch auf Hauptstraßen?

Binnen fünf bis zehn Jahren solle der Autoverkehr auf nur noch wenige Hauptstraßen reduziert werden, schlägt Siefert vor - darunter die Berliner Straße, auf der aber je eine Auto- zur Fahrradspur umgewandelt werden soll. Parkplätze an Straßen sollten komplett entfallen und Platz machen für die so dringend benötigten Lieferzonen. Mit 10 000 Plätzen böten die öffentlichen Parkhäuser im Zentrum genug Raum. So würden unnötiger Parksuchverkehr und die lautstarken Fahrten der Auto-Poser verhindert.

An der Berliner und zwei weiteren Straßen zeigen die Grünen beispielhaft, wie das aussehen könnte: Die Weißadlergasse könnte zur Fahrrad-, Flanier- und Restaurantmeile werden. In die asphaltstrotzende Kreuzung Walter-Kolb- und Elisabethenstraße in Sachsenhausen möchte die Partei durch massiven Rückbau von Fahrstreifen viele Grün- und Aufenthaltsflächen bringen.

Gesamtkonzept für grünen Verkehr in Frankfurt

Den City-Ring wollen die Grünen ebenso wie alle innerstädtischen Nebenstrecken zu Anliegerstraßen machen, frei für Anwohner und Lieferanten. Der Anlagenring soll eine zweispurige, in beide Richtungen befahrbare Straße werden. Dazu sollen die Autos ausgebremst werden: Tempo 40 soll Standard werden auf den innerstädtischen Hauptstraßen. Die durchschnittliche Radfahrer-Geschwindigkeit, Tempo 20, soll in Anliegerstraßen gelten, Tempo 30 im Bahnhofs- sowie den Nordsachsenhäuser Wohnvierteln.

Anders als bei der Mainkai-Sperrung als Einzelprojekt stecke hinter den grünen Ideen ein „gesamthaftes Konzept, das wir Stück für Stück umsetzen wollen“, erklärt Siefert. „Bisher wurde das andersherum gemacht.“

Änderungen an einer Stelle hätten jedoch meist Folgen an anderer Stelle. „Innenstadt und Bahnhofsviertel kann man nicht ohne Sachsenhausen-Nord denken“, betont der Verkehrspolitiker. Die Vorschläge seien deshalb auch auf andere Teile der Stadt wie Höchst, die Berger oder die Leipziger Straße übertragbar. Ursula auf der Heide unterstreicht: „Kein Bewohner soll mit mehr Lärm belastet werden als früher.“

Mehr Busse und Bahnen in und um Frankfurt

Dafür müssten Hauptstraßen „weiter leistungsfähig sein“, betont Siefert. „Wir werden ja nicht von heute auf morgen alle Autos aus der Stadt herausbekommen.“ Eine City-Maut sei zwar „die einfachste Lösung“, das Autofahren in der City unattraktiv zu machen, rechtlich aber bisher nicht möglich. Daher müssten Autofahrern Alternativen geboten werden, findet er. City-Busse sollen Kunden kostenlos aus den Geschäftsvierteln in die Parkhäuser bringen, neue Straßenbahnen vom Sachsenhäuser Berg über Untermainbrücke, Neue Mainzer Straße und Reuterweg zur Universität rollen. Aus dem Umland müssten Bahnstrecken ausgebaut werden, in der Übergangszeit bereits Expressbusse rollen.

Mit breiter Unterstützung fürs grüne Konzept rechnet Ursula auf der Heide: „Der Verkehr nervt jeden, deshalb ist die Bereitschaft hoch in der Bevölkerung, etwas zu ändern.“ Bisher habe es gefehlt an „Ideen und guter Werbung für die Verkehrswende“, findet sie. „Die Mainkai-Sperrung war es nicht.“ (Von Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Kritik an Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Bei einer Klage „wäre der Mainkai sofort wieder aufgemacht worden“

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