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„Das ist eine Katastrophe“: Postfiliale am Frankfurter Südbahnhof macht zu

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Von: Stefanie Wehr

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Die Post-Kunden werden an einen Paket-Kiosk in der Gartenstraße verwiesen, die nächste Postbank ist dann am Roßmarkt in der Frankfurter Innenstadt.

Frankfurt - 20 Menschen stehen kurz vor 14.30 Uhr draußen auf der Treppe und bis runter auf den Bürgersteig vor dem Postgebäude an der Diesterwegstraße 34 in Frankfurt an. Sie haben Briefe in der Hand, manche wollen zum Geldautomaten, werden aber von den Anstehenden informiert, dass die Maschine defekt ist. Die Post hat noch zu: Seit November 2020 hat sie über Mittag zwei Stunden lang, von halb eins bis halb drei, geschlossen.

Die Schlange wird immer länger. Die Leute kommen ins Gespräch, Thema ist die baldige Schließung der Filiale, auf die ein neues Plakat an der Tür hinweist: "Schließung der Filiale am 27. Juni um 12.30 Uhr." Nicht nur die Postbank, sondern auch die Post macht damit endgültig zu.

"Das ist eine Katastrophe", regt sich ein Herr auf. "Dieses moderne Onlinezeugs, das ist für junge Leute, ich verstehe davon nichts. Das Leben wird immer komplizierter", klagt er: "Die Post ändert auch ständig ihre Gebühren. Ich bin hier, um 85-Cent-Briefmarken zu kaufen, kürzlich reichten noch 80 Cent für einen Brief."

Postfiliale am Südbahnhof Frankfurt schließt: „Es wird halt am Personal gespart“

Als die Post endlich nach der zweistündigen Mittagspause öffnet, strömen gut 25 Leute hinein. Auch drinnen ist der Geldautomat außer Betrieb. Eine Dame fragt ungläubig am Schalter, ob wirklich die Post, zu der sie seit Jahrzehnten geht, zumacht. "Ja, die Filiale schließt", lautet die kurze und knappe Antwort. "Tja, was soll man machen? Es wird halt am Personal gespart", sagt die Dame resigniert.

Obwohl reger Betrieb in der Post am Südbahnhof herrscht, schließt die Filiale zum 27. Juni
Obwohl reger Betrieb in der Post am Südbahnhof herrscht, schließt die Filiale zum 27. Juni © Michael Faust

Etwas ausführlicher als die Auskunft am Schalter, aber gänzlich wie Hohn klingt das, was die Postbank in einer Pressemitteilung zur Schließung der Post schreibt: "Für unsere Kundinnen und Kunden ändert sich dadurch nur wenig: Die Post- und Paketdienstleistungen können sie wie gewohnt in vollem Umfang nutzen. Dafür steht ihnen in unmittelbarer Nähe die Partner-Filiale der Deutschen Post in der Gartenstraße 79 zur Verfügung."

Frankfurt: Drei U-Bahnstationen bis zur nächsten Post

In der Gartenstraße 79 betreibt ein kleiner Kiosk einen DHL-Paketshop, nimmt Pakete und Briefe an. Der Laden liegt jenseits des Städel stadtauswärts. Die Postbankkunden werden sogar noch weiter weg geschickt: Als "nächstgelegene Filialen" von Post- und Postbank werden der Goetheplatz in der Frankfurter Innenstadt, der drei U-Bahn-Stationen und einen Fußweg von gut zehn Minuten entfernt liegt, und die Mainzer Landstraße 405, mit Straßenbahn und U-Bahn gute 20 Minuten entfernt, angegeben.

Zustellung per Rad statt per Auto

Die Post ist in Frankfurt immer häufiger mit dem Lastenrad unterwegs. Unsere Reporterin hat einen Zusteller auf seiner Tour begleitet.

In den sozialen Medien wie "Nebenan.de" ist die Aufregung bereits groß. "Das ist doch unglaublich, ja, zynisch! Was ist das denn für eine Art, mit Kunden umzugehen?", schreibt dort ein User. "Soll man auf die Filiale am Rossmarkt angewiesen sein, die ohnehin meist überlaufen ist?" "Unglaublich", sagt dazu auch Jochem Heumann, Vorsitzender der CDU Frankfurt-Sachsenhausen. "Als Sachsenhäuser wird man immer mehr im Service-Angebot eingeschränkt", moniert er, "und das in einem Stadtteil von der Größe einer Stadt, mit 60 000 Einwohnern." Vor Jahren schon seien von der früheren "Südpost" die Postfächer ausgelagert worden, an die Ludwig-Ehrhard-Anlage. "Da war nichts zu machen. Die Post ist kein Service-Betrieb mehr", stellt Heumann fest.

Filialschließung im Frankfurter Süden: Post verweist auf geändertes Kundenverhalten

Grund der Schließung liege aber im veränderten Verhalten der Kunden der Postbank, die in der Diesterwegstraße Mieterin ist - die Post sei dort nur Kooperationspartner, die Angestellten alle bei der Postbank beschäftigt, erklärt ein Sprecher. Der Betrieb der Filiale sei nicht mehr wirtschaftlich. Das Verhältnis zwischen reinen Post-Serviceleistungen oder Bargeldauszahlung und wertschaffendem Neugeschäft stimme in Frankfurt-Sachsenhausen nicht.

Die beiden defekten Geldautomaten würden aber noch vor Schließung repariert. Geldautomaten in der Nähe gebe es bei der Deutschen Bank, Schweizer Straße 28a/30, und an der Shell Tankstelle, Mörfelder Landstraße 16. Auch im Supermarkt könne mittels Cashback-Verfahren Geld abgehoben werden. (Stefanie Wehr)

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