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Susanne Fröhlich: „Ich habe mein Leben entrümpelt und erstaunliche Sachen gefunden“

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Von: Enrico Sauda

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In Susanne Fröhlichs neuem Roman "Heimvorteil" geht es um eine 68-jährige Frau, die sich von allen Erwartungen und Konventionen freischwimmt.
In Susanne Fröhlichs neuem Roman "Heimvorteil" geht es um eine 68-jährige Frau, die sich von allen Erwartungen und Konventionen freischwimmt. © Enrico Sauda

Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Und auch in Susanne Fröhlichs neuem Roman "Heimvorteil" geht es um eine Frau, die dem Leben eine unerwartete Wende gibt.

Frankfurt – Sie ist glücklich. Nicht ständig und immer, aber doch im Augenblick. Ein Grund könnte sein, dass Susanne Fröhlich ihr neuestes Buch in Händen hält. "Heimvorteil" heißt es. Aber auch ihr Leben läuft gut. Sie ist umgezogen. "Ich habe mein Leben entrümpelt und erstaunliche Sachen gefunden, die ich lange gesucht hatte."

Und auch, weil sie "es" nicht hatte. "Viele um mich rum hatten es. Aber ich will es nicht", sagt die Autorin und Moderatorin und klopft auf Holz. "Auf Dauer ist das ätzend. Die ganze Zeit keine Lesung. Die Buchmesse entfällt. Ich bin ein sehr geduldiger Mensch, aber es reicht jetzt ein bisschen. Und dann noch dieses Wetter", sagt sie und schaut aus dem Fenster. "Genug gejammert."

Frankfurt: Die Protagonistin in Susanne Fröhlichs neuem Buch sollte weg von der klassischen Heldin

Ja. Reden wir über etwas Schönes. Über Susanne Fröhlichs "Heimvorteil". "Ich hatte Lust auf eine Protagonistin, die ein wenig älter ist. Weg von den klassischen Frauenromanen und weil ich die Frage interessant finde: ,Wo geht die Reise hin?'" Ihre, aber auch die anderer Frauen. "Du denkst dir immer, da ist noch ganz viel Zeit. Aber das könnte plötzlich ganz anders sein. Deshalb würde ich mir gern selbst überlegen, wie ich mir mein Leben im Alter vorstelle."

Deshalb lässt sie ihre Protagonistin, Jutta, in zehn Tagen mehr erleben als in ihren 68 zuvor durchlebten Jahren. Und darum geht's: Juttas erwachsene Kinder wollen ihre verwitwete Mutter aus dem Eigenheim komplementieren - weil sie das Haus selbst nutzen möchten. Mama meint, dass sie jetzt erst mal ganz in Ruhe durchs Land reist und sich die unterschiedlichsten Alterswohnsitze anschaut. Unterwegs findet Mama neue Freunde, verliert ihr Herz und hat eine grandiose Idee, was sie mit ihrem "viel zu großen" Haus anfangen will.

"Jutta ist für mich eine ganz durchschnittliche Frau", sagt sie über ihre Hauptdarstellerin. "Sie kommt aus kleinen Verhältnissen und hat sich hochgearbeitet, bis zur stellvertretenden Filialleiterin. Aber sie hat ein ganz bescheidenes Naturell. Leute wie sie kommen immer zuletzt, denken an alle anderen zuerst. Sind Säulen der Gesellschaft", so Fröhlich weiter. "Sie weiß, dass nicht jeder alles erreichen kann, was er will. Sie kennt ihre Möglichkeiten und entwickelt sich trotzdem weiter."

Susanne Fröhlich aus Frankfurt: "Ich hab's schön, ich kann wirklich nicht meckern"

Hat sie was mit der Protagonistin gemein? Und ob! Sie lernte spät Kraulen. "Ich habe mit 58 Jahren endlich Kraulen gelernt", freut sie sich. "Jutta ist nicht schön, aber sie hat was", beschreibt sie sie. "Oft lebst du dein Leben so vor dich hin. Hinterfragst nichts großartig, sondern lebst so in den Tag hin."

Susanne Fröhlichs Leben ist alles andere als eintönig. "Ich hab's schön, ich kann wirklich nicht meckern." Aber auch sie bekomme in ihrem Umfeld vermehrt mit, dass Kinder nicht per se davon ergriffen seien, was Eltern in sie investiert hätten. "Da wächst eine Generation heran, die denkt, es stünde ihr zu. Das ist ein Phänomen, dass Kinder auf der einen Seite von ihren Eltern nicht genervt werden möchten, aber auf der anderen alles haben wollen", beobachtet Fröhlich, selbst Mutter zweier erwachsener Kinder.

Aber zurück zur Schriftstellerei: "Ich brauche von der Idee bis zur Umsetzung ungefähr ein Jahr. Aber ich muss immer Druck haben", sagt sie. "Das ist schlimm." Unnötig zu erwähnen, dass sie bereits am nächsten Buch sitzt, im Herbst soll es erscheinen. (Enrico Sauda)

Auch Nele Neuhaus hat vor kurzem ein neues Buch veröffentlicht. Der inzwischen zehnte Teil der Taunus-Krimis stellt ein fiktives Verlagshaus aus Frankfurt in den Mittelpunkt.

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