Einem Schlachtfeld glich die Unfallstelle an der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend am Abend des 21. November vergangenen Jahres. Zwei Männer starben, eine Frau wurde schwer verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den 38 Jahre alten Fahrer erlassen.
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Einem Schlachtfeld glich die Unfallstelle an der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend am Abend des 21. November vergangenen Jahres. Zwei Männer starben, eine Frau wurde schwer verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den 38 Jahre alten Fahrer erlassen.

Haftbefehl

Tödlicher Raser-Unfall im Ostend: SUV-Fahrer soll Opfer in Kauf genommen haben

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Ein Gutachten bringt neue Erkenntnisse zum tödlichen Unfall mit einem SUV in Frankfurt: Der 38-jährige Fahrer soll Opfer billigend in Kauf genommen haben.

Frankfurt – Jetzt also Mord: Der 38-jährige Mann aus Frankfurt, der am 21. November vergangenen Jahres in seinem 600 PS starken SUV über die Oskar-von-Miller-Straße (Ostend) gerast war und dabei zwei Menschenleben ausgelöscht sowie eine junge Frau schwer verletzt hatte, wurde am Donnerstag festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl wegen Mordes, wegen gefährlicher Körperverletzung und verbotener Autorennen erlassen. Bislang hatte sie wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr gegen den Beschuldigten ermittelt. Nun die Wende.

Neue Erkenntnisse hätte ein unfallanalytisches Gutachten gebracht, sagte gestern eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler gingen nun davon aus, dass der Fahrer sich mit einem anderen Autofahrer ein illegales Rennen geliefert habe. Die dramatischen Folgen seiner riskanten Fahrweise habe er billigend in Kauf genommen.

Tödlicher Unfall mit SUV in Frankfurt: Stabilisierungssystem abgeschaltet

Eine der entscheidenden neuen Erkenntnisse aus dem nun vorliegenden Gutachten ist für die Ermittler, dass der Fahrer das eingebaute Stabilisierungssystem seiner gut zwei Tonnen schweren, hochmotorisierten Geländelimousine vor der verhängnisvollen Fahrt ausgeschaltet hatte. Auf der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend in Frankfurt soll er an zwei Ampeln stark beschleunigt und sich mit einem anderen Autofahrer ein Rennen geliefert haben. In einer Kurve soll er das Gaspedal seines SUV nahezu vollständig durchgetreten und einen "Drift" eingeleitet haben. Mit diesem Manöver habe er "eine höchstmögliche Geschwindigkeit erreichen" und "anderen Verkehrsteilnehmern durch sein riskantes Fahrverhalten imponieren" wollen, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Die Folge sei gewesen, dass das Heck seines tonnenschweren Fahrzeugs ausbrach, auf einen Radfahrstreifen schleuderte und dort mit einer Geschwindigkeit von 82 Kilometern pro Stunde drei unbeteiligte Menschen erfasste: einen 27 Jahre alten Fahrradkurier und einen 61 Jahre alten Fußgänger, die noch an der Unfallstelle wiederbelebt wurden und später im Krankenhaus starben. Eine 31-Jährige, Tochter des getöteten Fußgängers, wurde schwer verletzt. Sie trug laut Staatsanwaltschaft neben einer Beckenfraktur mehrere potenziell lebensbedrohliche Verletzungen davon.

Etliche Augenzeugen hatten seinerzeit zu Protokoll gegeben, dass der SUV-Fahrer mit erkennbar überhöhter Geschwindigkeit gefahren war. Ein Polizeisprecher hatte mitgeteilt, der Fahrer habe zunächst beschleunigt, dann in der Kurve die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft zunächst wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr ermittelt.

Mit einem SUV durch Frankfurt gerast: Tödliches Imponiergehabe

Gestern wurde der nun wegen Mordes Beschuldigte dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der Unfall in Frankfurt hatte Anwohner nachhaltig aufgewühlt. Sie starteten umgehend eine Online-Petition, mit der sie den Verkehrsdezernenten aufforderten, ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde und eine Tempokontrolle mittels Blitzeranlagen einzurichten. Auch der Ortsbeirat hatte sich hinter diese Forderung gestellt.

Dem schweren Unfall mit einem SUV im Ostend folgte Mitte Februar ein weiterer, diesmal in Sachsenhausen, bei dem ebenfalls zwei Unbeteiligte getötet wurden. Ein 38-jähriger Autofahrer war mit überhöhter Geschwindigkeit über die Mörfelder Landstraße gerast, hatte an der Kreuzung Oppenheimer Landstraße ein rotes Ampelsignal missachtet und zwei Fußgänger erfasst. Die beiden Unfallopfer, 31 und 40 Jahre alt, starben im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen.

Der Raser hatte nach dem Aufprall die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, war gegen ein anderes Auto gestoßen und hatte sich schließlich überschlagen. Schwer verletzt hatte er sich aus dem Wrack seines Autos befreit und wollte zu Fuß flüchten. Augenzeugen des Geschehens hatten sich ihm jedoch in den Weg gestellt und ihn schließlich der Polizei Frankfurt übergeben. Neun Tage nach dem folgenschweren Unfall war der aus Darmstadt stammende Fahrer per richterlichem Beschluss in eine Klinik für forensische Psychiatrie eingewiesen worden. Ob der Raser während seiner verhängnisvollen Fahrt unter Drogeneinfluss stand, ist Teil der Ermittlungen. Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen sowie der Verkehrsunfallflucht ist noch nicht abgeschlossen. (Sylvia Amanda Menzdorf)

Kommentar: Das Urteil abwarten

Zwei Männer bezahlten die Horrorfahrt des SUV-Fahrers im Ostend mit ihrem Leben, eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt. Waren die Opfer arg- und wehrlos? Ist ein mit 600 PS motorisiertes, rund zwei Tonnen schweres und seiner Sicherungssysteme beraubtes SUV ein gemeingefährliches Mittel? Kennzeichnen den Fahrer, der aus Imponiergehabe das Gaspedal bis zum Anschlag durchtritt, um mit qualmenden Reifen und filmreifem Anfahrmanöver auf sich aufmerksam zu machen und anderen zu imponieren, niedere Beweggründe? Wer diese Fragen vorbehaltsfrei mit Ja beantwortet, sieht drei wesentliche Mordmerkmale erfüllt. Diese Mordmerkmale waren es vor allem, die, nach jahrelangem Prozessieren durch alle Instanzen, Berliner Richter als gegeben sahen und einen Teilnehmer eines illegalen Autorennens auf dem Kurfürstendamm, bei dem ein unbeteiligter Autofahrer ums Leben kam, wegen Mordes zu lebenslanger Haftstrafe verurteilten. Welche Parallelen und Analogien der Fall des Rasers vom Ostend in Frankfurt zu dem in Berlin aufzeigen könnte, ist noch unklar. Das Ermittlungsverfahren dauert an, Anklage vor dem Landgericht ist noch nicht erhoben. Die Berliner Rechtsfindung zog sich über fünf Jahre. Auch wenn der Frankfurter Beschuldigte nun seit zwei Tagen in Untersuchungshaft sitzt, ist dies nicht vorweggenommene Strafe. Es gilt für ihn weiterhin die Unschuldsvermutung. Bis zum rechtskräftigen Urteil. (Sylvia Amanda Menzdorf)

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