Steffi Elbe, Ralf Bentzin und Pfarrer Anto Batinic (von links) beschäftigen sich mit der Zukunft der Gemeinde. Foto: Enrico Sauda
+
Steffi Elbe, Ralf Bentzin und Pfarrer Anto Batinic (von links) beschäftigen sich mit der Zukunft der Gemeinde. Foto: Enrico Sauda

Religion

Frankfurt: Tage der "Schiffskirche mit Bugkreuz" sind gezählt

  • vonGernot Gottwals
    schließen

Die katholische Großpfarrei Sankt Franziskus will einige marode Gebäude abreißen lassen. Das haben die übergeordneten kirchlichen Immobilienstrategen so beschlossen.

In zwei Jahren feiert die katholische Großpfarrei Sankt Franziskus den 60. Geburtstag der Kirche Sankt Christophorus. Doch die Kirchliche Immobilienstrategie (KIS), die auch den Abriss des Pfarrhauses in Sankt Albert (Dornbusch) und des Gemeindehauses mit Kindertagesstätte in Sankt Josef (Eschersheim) vorsieht, trifft den Kirchort Sankt Christophorus besonders hart: Denn hier sollen wegen schlechter Bausubstanz (mit Ausnahme der neuen Kita für die U3-Gruppen) sämtliche Gebäude einschließlich Kirche für ein kleineres Gemeindezentrum weichen.

Da die Corona-Krise die Kommunikation, Beschlussfassung und Bauplanung verzögert, wird die "Schiffskirche mit Bugkreuz" ihren 60. Geburtstag noch erleben. "Wir beraten bis November in den Ortsausschüssen, dann im Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat, so dass der Verwaltungsrat im Januar 2021 einen Beschluss fassen kann", erklärt Vorsitzender Ralf Bentzin. Wird das Konzept beschlossen, beginne die Bauplanung frühestens Mitte 2021. Frühestens ein Jahr später könnten die Bagger anrücken. So lange werden die Gebäude genutzt.

In diesen Tagen wird die KIS in Sankt Franziskus vorgestellt, Pfarrer Anto Batinic wird im Sonntagsgottesdienst in Sankt Christophorus noch einmal informieren. "Wir haben hart gerungen. Neben den emotionalen Bindungen vor allem an die Kirche kommt hinzu, dass Preungesheim ein großes Zuzugsgebiet ist", räumt Steffi Elbe ein, die Sankt Christophorus im Verwaltungsrat vertritt. Doch da der Kirchort ein neues Gemeindezentrum erhalte und der nächste Kirchort Herz Jesu Eckenheim nur einen Kilometer entfernt sei, sei das vertretbar.

"Die Bausubstanz von Kirche, Pfarrhaus, Gemeindezentrum und altem Kindergarten entspricht der Qualität der 60er Jahre. Hinzu kommt, dass der Marbach für zusätzliche Absenkungen sorgt", erklären Elbe und Annette Drux, Verwaltungsleiterin in Sankt Franziskus. Ein Eindruck, der so an keinem anderen Kirchort besteht, zu denen auch die Allerheiligste Dreifaltigkeit (Frankfurter Berg) und Sancta Familia (Ginnheim) gehören. Selbst dort, wo Gebäudeteile in den vergangenen Jahren für einigen Aufwand angehoben wurden, zeigten sich schon nach wenigen Monaten wieder Setzrisse in den Innen- und Außenwänden; auch in der Kirche. Auch die Flachdächer sind marode. Die Kirche werde vom Bistum Limburg nicht mehr in der Liste erforderlicher Gotteshäuser geführt, erklärt Pfarrer Batinic. Derzeit erhält Sankt Franziskus noch eine Zuweisung von 137 000 Euro jährlich für alle Gebäude, von denen 135 000 Euro für den Unterhalt und kleinere Reparaturen benötigt werden.

"Da wegen der Corona-Krise zusätzlich Einnahmen durch die Vermietung unseres Pfarrsaales wegfallen, können wir keine Rücklagen bilden", erklärt Elbe. "Und selbst wenn wir die Kirche erhalten könnten, würde ein Haus-in-Haus-Konzept mit Trennwänden zur Integration anderer Gemeinderäume wegen der durch die Schiffsform komplizierten Statik ausscheiden."

Somit bleibt für die Zukunft der Neubau der Kita für die Ü3-Gruppen mit Mehrzweck- und Gemeinderaum und ein Gebäude mit Andachtsraum, das die Schiffsform der Kirche aufnehmen könne. Auch eine Mitnutzung der evangelischen Kirche sei vorstellbar. Den Großteil der Baumaßnahmen finanziert das Bistum, zur Finanzierung des Eigenanteils zwischen 10 und 30 Prozent soll das Restgrundstück in Erbpacht zur Schaffung von Wohnraum abgegeben werden.

Natürlich werde die Trennung von der Kirche wegen familiärer Erinnerungen hart und es gebe in der Pfarrei auch die Möglichkeit zu Protest und Einspruch, räumt Bentzin ein. "Doch wenn wir die Zukunft unserer Großpfarrei im Gesamtzusammenhang sichern wollen, sind solche schmerzlichen Einschnitte unvermeidlich", betont Pfarrer Batinic. Und der 60. Geburtstag der Kirche werde dann wohl zusammen mit der Profanierung begangen. Gernot Gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare