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Schlange stehen an der Zapfsäule: Frankfurt tankt noch einmal voll

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Von: Thomas J. Schmidt

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Der Tankrabatt läuft aus, die Preise für Benzin und Diesel steigen wieder. Kunden an den Zapfsäulen in Frankfurt sind genervt.

Frankfurt – Noch einmal schnell zur Tanke, bevor der Sprit noch teurer wird: An Zapfsäulen in Frankfurt herrschte gestern Hochbetrieb - es war der letzte Tag des Tankrabatts. Wie schnell der Preis für Benzin und Diesel tatsächlich steigt, bleibt abzuwarten. Alexander von Gersdorff, Sprecher des Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) zufolge hänge es davon ab, wie viel des niedriger versteuerten Sprits die rund 14 000 Tankstellen in Deutschland noch in ihren Lagern haben. "Wir haben eine historisch einmalige Situation", sagte er.

Die Spritpreise sind jedoch schon länger auf dem Weg nach oben. "Ich habe heute morgen schon an einer Tankstelle gesehen, dass dort der Liter Diesel 2,16 Euro kostet", berichtete gestern Taxifahrer Akeari Beanam. "Ich habe vor aufzutanken, ehe der Tag zu Ende ist", versicherte er, schließlich werde der Sprit jetzt wieder deutlich teurer, erwartete er.

Frankfurt hängt an der Zapfsäule: Tankpreis-Entspannung am Nachmittag möglich

Die Preise schwanken immer. Günstig ist es früh morgens, dann steigen die Preise bis Mittag, fallen am Nachmittag manchmal und steigen abends wieder. Jeden Tag ist es ein wenig anders. Stephan Zieger, Geschäftsführer beim Bundesverband freier Tankstellen, rechnet damit, dass Punkt Mitternacht die Preise drastisch steigen. "Ob die Konzerne das durchhalten oder im Konkurrenzkampf die Preise wieder senken, muss man abwarten", sagte er. Am Nachmittag könnte es möglicherweise wieder eine Entspannung geben.

Viele Frankfurter haben gestern noch einmal voll getankt, vor allem früh morgens und abends im Feierabendverkehr. Gegen Mittag hingegen war es ruhig an den Tankstellen. Auch bei "Mr. Wash", eine der günstigsten Tankstellen in der Stadt, wie auch Taxifahrer Beanam bestätigte. "Trotzdem, es ist viel los", sagte die junge Frau an der Kasse. Mehr jedenfalls als sonst in der Mittagszeit. Viele kommen, um noch eben vollzumachen. Ein Fiat-Panda-Fahrer mit 500 Kilometern Reichweite füllt den noch halbvollen Tank und zahlt für 14 Liter E-5-Kraftstoff etwa 26 Euro. "Das reicht für circa 240 Kilometer", sagt er.

Noch einmal schnell volltanken, bevor der Sprit noch teurer wird: An den Tankstellen in der Stadt war in den vergangenen beiden Tagen viel los. Es war die letzte Gelegenheit, vom Tankrabatt der Bundesregierung zu profitieren. Von heute an werden die Spritpreise kräftig anziehen, erwarten Experten.
Noch einmal schnell volltanken, bevor der Sprit noch teurer wird: An den Tankstellen in der Stadt war in den vergangenen beiden Tagen viel los. Es war die letzte Gelegenheit, vom Tankrabatt der Bundesregierung zu profitieren. Von heute an werden die Spritpreise kräftig anziehen, erwarten Experten. © Bernd Kammerer

Frankfurt: Alte Energieabgabe ist zurück – Spritpreise steigen wieder

Der Benzinpreis dürfte um 35 Cent pro Liter steigen. Dies hat der ADAC gestern gemeldet. Demnach nimmt die Bundesregierung seit Mitternacht wieder die alte Energieabgabe, die bei Benzin 35 Cent höher ist als die in den vergangenen drei Monaten erhobene europäische Mindeststeuer.

Laut ADAC beträgt die Energieabgabe selbst 30 Cent, hinzu kommen aber rund fünf Cent Mehrwertsteuer auf die 30 Cent. Beim Diesel ist die Erhöhung nicht ganz so drastisch, hier lag die Ersparnis in den vergangenen drei Monaten bei 17 Cent - 14 Cent Differenz zur europäischen Mindeststeuer plus drei Cent Mehrwertsteuer.

Alles wird teurer: Wie soll eine Familie das alles schaffen?

Es wird also noch teurer an der Tankstelle. Kunde Nebojsa Krstic (51) findet das nur schwer erträglich. "Es wird alles teurer", sagt er, "wie sollen wir das einsparen?" 300 Euro kostet sein Auto monatlich, ein Jaguar F-Pace, mit dem er nicht viel fährt. Nur etwa 150 Euro monatlich muss er tanken. "Aber die Miete steigt, die Lebensmittel werden teuer, Strom und Gas." Wie solle seine Familie über die Runden kommen? Alleine jetzt muss Krstic 101,38 Euro zahlen für 49,72 Liter Diesel. Er kostet gerade 2,039 Euro. "Scheiß Krieg", schimpft der Serbe. "Ich habe Krieg erlebt. Krieg ist schrecklich."

Für Constantin Smeets und seine Freundin Sophie Kramer hingegen geht der Urlaub gerade zu Ende. Sie betanken den Leihwagen, einen Kleinbus, ehe sie ihn zurückgeben, und sortieren währenddessen schon mal ihre Taschen. Smeets berichtet: "Wir sind 3000 Kilometer gefahren. In den vergangenen Tagen ist es schon teurer geworden, der Diesel kostet fast immer mehr als zwei Euro." Zu Beginn der Reise lag der Preis noch unter dieser Schwelle. Höchste Zeit, könnte man sagen, dass der Urlaub zu Ende ging.

Diesel- und Benzinpreise steigen: Unternehmen müssen Kosten wieder reinholen

Etwa eine halbe Stunde später, am anderen Ende der Stadt, beträgt der Dieselpreis schon mehr als 2,10 Euro an der Esso-Tankstelle im Gallusviertel, die als ziemlich günstig gilt. Unweit davon, auf dem Penny-Parkplatz in der Rebstöcker Straße, wartet der Tischler Marco Stiegler im Ford Transit Handwerker-Auto auf seinen Kollegen und das Mittagessen, das er mitbringt.

Stiegler berichtet: "Eine Tankfüllung 75 Liter Diesel kostete früher etwa 110 Euro. Jetzt liegen wir bei 175 Euro. Und bald wird es mehr als 200 Euro kosten, den Geschäftswagen zu betanken." Sein Geld sei es nicht, er könne mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. "Da bin ich froh. Aber diese Mehrkosten müssen ja wieder reinkommen." So breite die Inflation sich aus.

Frankfurt: ADAC stellt gesunkene Preise fest

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie beschrieb gestern als Grund für die Preissteigerungen der vergangenen Wochen neben einer gestiegenen Nachfrage und knapper Kapazitäten in den Raffinerien auch große logistische Herausforderungen.

Der ADAC hat festgestellt, dass die Preise für Benzin und Diesel nach dem 1. Juni tatsächlich um etwa 35 beziehungsweise 17 Cent gefallen sind. Danach stiegen sie leicht, ab 21. Juni bis Mitte August fielen sie noch einmal. Seit zwei Wochen jedoch geht es wieder rauf. Wohl dem, der gestern noch mal vollgetankt hat… (Thomas J. Schmidt)

Während der Tankrabatt die Preise für Diesel und Benzin etwas gesenkt hatte, standen die Betreiber von Tankstellen trotzdem unter Beschuss.

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