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Der Große Rat dreht zur Fastnacht gern das ganz große Rad am ganz großen Wagen. Das närrische Volk schätzt das durchaus. Foto : Andreas Arnold/dpa

Fastnacht

"Wir lassen uns nicht einschüchtern": Tausende feiern Fastnacht in Frankfurt

Trotz des Terroranschlags in Hanau haben Tausende den Frankfurter Karnevalsumzug bestaunt und gefeiert. 

  • Fastnacht in Frankfurt
  • Tausende Menschen in Frankfurt auf der Hauptwache
  • Terroranschlag in Hanau ist den Menschen noch präsent
Frankfurt - Der Frankfurter Karnevalszug hat am Sonntagmittag gerade begonnen, die Menschen drängen sich an der Hauptwache, um einen Blick auf die Motivwagen und Garden zu werfen, da hilft Haitham seinem Sohn, auf einen Betonpoller zu klettern. Viele Kinder sind auf die Poller gestiegen, die eigentlich dazu gedacht sind, Anschläge durch Fahrzeuge zu verhindern. Auch die Tochter von Shaymaa und Haitham will hinauf. Papa hilft.

Fastnacht in Frankfurt: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Shaymaa trägt Kopftuch. Natürlich sei ihr der Terroranschlag von Hanauer bewusst, bei dem gezielt Menschen mit Migrationshintergrund ermordet worden sind, sagt sie auf Englisch. "It's awful" ("Es ist schrecklich"). Auch die darauf folgenden Angriffe auf Shisha-Bars in Stuttgart und Döbeln hätten sie mitbekommen, ergänzt ihr Mann, ebenfalls auf Englisch. Eine gute Zeit zum Feiern sei es nicht gerade. Aber Karneval habe nun einmal Tradition in Deutschland, den Kindern mache es Freude. Rechtsextreme sollten sie nicht vom Feiern abhalten dürfen. "They should not prevent us from our daily lives" ("Diese Menschen sollten uns nicht von unserem täglichen Leben abhalten"), sagen sie. Muslime wie sie dürften keine Angst haben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sonst hätten die Rechtsextremen ihr Ziel erreicht.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir lassen uns das Feiern nicht verbieten", hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schon bei der Rathauserstürmung am Samstag gesagt. Axel Heilmann, Präsident des Großen Rates, fügte hinzu: "Uns zu Opfern machen zu lassen haben wir nicht verdient."

Fastnacht in Frankfurt trotz Terroranschlag in Hanau

Das sehen beim Zug am Sonntag auch Tatjana, Leonie und Marie so, die als Hummel, Affe und Löwe verkleidet gekommen sind. Sie hätten Freunde in Hanau, sagt Tatjana, am Sonntag vor einer Woche hätten sie noch zusammen in einer Shisha-Bar gesessen. Es sei unfassbar, dass solch ein Anschlag mittlerweile überall passieren könne, sagt sie. "Das haben wir natürlich im Kopf." Das Feiern wollten sie sich trotzdem nicht vermiesen lassen. Ohne den Anschlag relativieren zu wollen, meint Tatjana, dass täglich überall auf der Welt schweres Unglück passiere. Das sollte Menschen nicht davon abhalten, Freude am Leben zu haben.

An der Hauptwache biegen die Wagen in die Katharinenpforte ein. Karnevalisten werfen Kamellen, Kinder rennen zu den Bonbons, heben sie auf und stopfen sie in ihre Beutel und Taschen. Eine Gruppe, die als Kuh, Skelett, Hip-Hopper und Einhorn verkleidet ist und Bierdosen mit "5,0 Original" in der Hand hält, trinkt Liköre. Vor ihnen liegen Kreppel auf dem Betonpoller. Trinken am Mittag. Auch das ist Karneval.

Viele Menschen zur Fastnacht in Frankfurt

Winnie nippt an seinem Rosé. Die Karnevalisten hätten die Wagen, den Aufbau, den Tanz seit Monaten vorbereitet, sagt er. Heute sei er hier, um den Zug zu unterstützen. Täter, die Anschläge begingen, dürften der Bevölkerung nicht ihren Willen aufzwingen. "Auch deswegen bin ich hier, um Flagge zu zeigen." Denn eigentlich, sagt der Frankfurter, der aus Kiel stammt, sei Karneval seine Sache nicht. In diesem Jahr steht der Frankfurter Karneval unter dem Motto "Das Handwerk hat seit langem schon / In Frankfurts Fastnacht Tradition". Das Motto ist, wie so vieles, seit Monaten vorbereitet. Kurzfristig geändert, um ein politisches Statement abzugeben, wurde es nicht.

"Kostümierte aller Kulturen und Nationen, vereinigt euch gegen Ausgrenzung und Gewalt", wäre ein denkbares Motto gewesen. Aber der Frankfurter Karneval ist traditionell nicht so politisch wie etwa der Rosenmontagszug in Mainz. Markante Wagen in Frankfurt sind der Struwwelpeter, der als einer der ersten im Zug fährt, eine Ritterburg, ein Schiff und eine Figur des Eintracht-Trainers: "Adi Hütter baut sie auf / Die Eintracht hat nen guten Lauf".

"Frankfurt First": Fastnacht in Frankfurt

3769 Teilnehmer hat der Zug, bestehend aus 97 Vereinen und Verbänden, 36 Garden, 19 Kapellen, 29 Motivwagen, 60 Komitee-Wagen und sechs Kanonen. Zehntausende schauen zu. Dann wird es doch noch politisch. Ein Mann im Donald-Trump-Kostüm reiht sich einfach in den Zug ein. "Frankfurt First!" ist auf seinem Schild zu lesen. 

Florian Leclerc

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