1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Tausendsassa mit Pinsel und Kamera

Erstellt:

Von: Enrico Sauda

Kommentare

Der Fotograf und Künstler Vicente Segura vor einem seiner Werke. Als nächstes möchte er eine Ausstellung seiner Bilder organisieren.
Der Fotograf und Künstler Vicente Segura vor einem seiner Werke. Als nächstes möchte er eine Ausstellung seiner Bilder organisieren. © Sauda

Alt-Hippi fühlt sich nach über 40 Jahren nun reif für Frankfurt

Eine Frau schaut nach links in die Ferne. Sie trägt ein rosa Oberteil und ihre Haare sind lang und dunkel - und gemalt. Was das Foto nicht zeigt: Das Model stand hinter einer Glasscheibe, auf die die Haarpracht gemalt worden war. Der Künstler Vicente Segura positionierte sie und machte ein Foto. "Beatriz" heißt das Werk.

Auf der Suche nach einer Galerie

Seit 40 Jahren lebt Segura schon in Frankfurt und sucht nach Anerkennung für seine Kunst. Aus diesem Grund möchte er eine Ausstellung auf die Beine stellen, bei der er seine Arbeiten zeigen kann.

Die Mutter des in Peru geborenen Segura ist eine Quechua, sein Vater war Spanier. "Die perfekte Mischung aus Eroberer und Erobertem, Kolonisator und Kolonisiertem. Was nichts ist, worauf man stolz sein kann", sagt Segura. Dabei sitzt er bequem in einem Sessel in seiner Künstlerwohnung in der Wielandstraße, in einem Haus, in dem alle andere Appartements leer stehen, und erzählt seine Geschichte. Sie führte ihn in seiner Jugend nach Brasilien, wo er Malerei und Fotografie in Rio de Janeiro studierte und sich dem weltbekannten "Living Theater" anschloss, einer anarcho-pazifistischen Theatergruppe. Da lebte es einer internationalen vegetarischen Gemeinschaft von 23 Frauen und Männern. Weil er, wie der Rest des Theatertrosses, Opfer der Repressionen der damaligen Brasilianischen Regierung wurde, musste die Gruppe einen Monat hinter Gittern verbringen. Das wird zu einem internationalen Skandal. "Aber der internationale Druck wurde so groß. Marlon Brando, Mick Jagger, Jane Fonda, Bernardo Bertolucci und Yoko Ono, John Lenon, Boby Dylan, Pier Paolo Passolini setzten sich für uns ein, so dass wir freikamen." Sie mussten ausreisen, gingen nach New York und dann nach San Francisco. Später zog es Segura zurück nach Peru, nach Cusco, wo er ein Kulturzentrum eröffnete, seine Werke ausstellte und andere Künstler förderte. "Es war sensationell und sehr erfolgreich", erinnert sich Vicente, der alterslos ist und jeden zweiten Samstag im Ostpark Fußball spielt. In seinem Kulturzentrum in Cusco lernte er auch seine spätere Frau Gisela kennen. "Sie war Architektin und auch Künstlerin." Mit ihr zog er durch die Welt, unter anderem wanderten sie auf dem Hippie-Trail, der von Europa bis nach Südostasien führte. "Ich habe in Nepal und in Indien gemalt und fotografiert", berichtet Segura von seinen Reisen. "Der Hippie-Trail, das war für uns wie für andere die 5th Avenue", so sehr brannten sich die Eindrücke und Erlebnisse ein. 1976 kam er zum ersten Mal nach Frankfurt. "Doch es gefiel mir nicht." Deshalb machte sich das Paar wieder auf die Socken. Zwei Jahre später allerdings, als seine Tochter Killa Schütze zur Welt kam, ließen sie sich hier nieder.

"Obwohl ich seit 43 Jahren hier wohne, weiß niemand über mich Bescheid", sagt Vicente Segura. Es ist keine Klage, sondern eine sachliche Feststellung. "Ich war zu schüchtern, habe mich nicht getraut, mich zu präsentieren. Es war schwer für mich, mich als Künstler und als Mensch zu integrieren", sagt Vicente , der Englisch spricht. Und ein schlechtes Deutsch. "Ich fühlte mich so klein." Dabei ist er in seiner Heimat ein Großer. "In Peru bin ich ein Superstar."

In Peru ein Star

Er feierte große Vernissagen und seine Bilder und Fotos zierten die ersten Seiten wichtiger politischer peruanischer Zeitschriften, es gab große Geschichten über ihn und seine Feste, erzählt er und berichtet auch von seinen indigenen Wurzeln, die jedoch "keinen Einfluss auf meine Kunst ausübten". Vicente Segura verrät sein Alter zwar nicht, aber er sagt, dass er sich jetzt gesetzt genug fühlt. "Ich bin zufrieden mit meinem Konzept", so Segura. Nun will er mehr auf sich aufmerksam machen. Er sei bereit für Deutschland. Aber ist Deutschland auch bereit für ihn? Enrico Sauda

Auch interessant

Kommentare